Ein weiter Weg ist es bis zum flächendeckenden Glasfasernetz in der Ortenau. | Foto: Gabbert

Kommunalpolitik

Glasfaser oder Vectoring: der steinige Weg zum schnellen Internet im Ortenaukreis

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Jetzt gilt es: Die Breitband Ortenau GmbH unternimmt den dritten und mutmaßlich letzten Anlauf, die Voraussetzungen für ein kreisweites Breitband-Netz zu schaffen. Viel ist nicht übrig von der Euphorie der Gründerzeit, als man 2015 angetreten war, den Kreis bis 2020 flächendeckend mit Glasfaser zu überziehen – mit Investitionen von mehr als 40 Millionen durch den Ortenaukreis und einem Vielfachen durch die Kommunen, die dann auf ihrer Gemarkung den weiteren Ausbau bis zur Haustüre übernehmen sollten.

Geblieben ist der Wunsch, auch entfernte Seitentäler zu versorgen – hoch subventioniert von Bund und Land. Ende vergangenen Jahres hat die Breitband Ortenau GmbH die Suche nach einem Netzbetreiber gestartet, weitaus bescheidener aber als bei vorherigen Anläufen, als man den Betreibern noch auferlegen wollte, ihr eigenes Netz in jedem Fall mit einzubringen.

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Telekom schafft Tatsachen

Die Verhandlungen hatten sich seinerzeit hingezogen, bevor der Kreis plötzlich erkennen musste, dass alle potenziellen Betreiber abgesprungen sind. Auch die Telekom, die die zurückliegenden Jahre genutzt hat, um Tatschen zu schaffen.

Viele Haushalte wurden inzwischen, nachdem die Telekom sich jahrelang zurückgehalten hatte, mit DSL 100 versorgt – ausreichend, um auch hoch aufgelöstes Fernsehen zu streamen. Mittlerweile gibt es oft schon DSL 250 – das sogenannte Super Vectoring, sodass sich in vielen Haushalten in der Ortenau der Wunsch nach einem Glasfaseranschluss in den kommenden Jahren erst einmal erledigt haben dürfte.

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Bei Kommunen Geld gesammelt

Dass die Telekom auf diese Weise der Breitband Ortenau GmbH die Geschäftsgrundlage entzogen hat, mit solcher Kritik hält sich Peter Lassahn, Geschäftsführer der GmbH, freilich zurück – wohl auch, weil man den potenziell potentesten Geschäftspartner nicht vergraulen will.

Doch alles wollte man auch nicht einfach hinnehmen: „Die Telekom hat vor meiner Zeit bei den Kommunen für den DSL-Ausbau Geld eingesammelt. Es ist mir gelungen, die Gemeinden zu überzeugen, dass wir das selber tun“.

Glasfaser und Vectoring

Und so kam es: 46 der 51 Kreisgemeinden sind inzwischen an Bord der GmbH, allein in der nördlichen Ortenau haben mit Sasbach, Seebach, Sasbachwalden und Lauf vier Kommunen einen eigenen Weg gewählt – mit Glasfaser bis vor die Haustüre.

Allerdings auch dies nicht ohne Reibungen: „Dass die Telekom in Sasbachwalden die Glasfaser mit Vectoring überhaupt hat, ist schon ein Ärgernis“, sagt Lassahn. Will heißen: Teure Doppelstrukturen, während anderswo die Bürger noch immer mit ruckeligem Internet leben müssen.

Wettbewerb erwacht

Immerhin: Durch den plötzlich erwachten Wettbewerb hat sich die Zahl der als unterversorgt geltenden Haushalte in der Zeit zwischen Ende 2015 und Ende 2019 massiv reduziert. Mussten anfangs noch die Bewohner von 50.000 der kreisweit 110.000 Gebäude mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde auskommen, so waren es Ende 2019 nur noch 10.000.

Empfindlicher Rückschlag

Für die Breitband Ortenau GmbH freilich brachte das vergangene Jahr einen empfindlichen Rückschlag: Kreis und Kommunen mussten die Suche nach einem Partner in der Wirtschaft aufgeben, die Ausschreibung von Bau und Betrieb des Netzes wurde aufgehoben.

Die Telekom hat gezickt, aber andere sind auch abgesprungen

Peter Lassahn, Geschäftsführer der Breitband Ortenau GmbH

Das hatte gleich zwei Gründe: Der Bund habe das Konzept des Kreises „nach Monaten der Analyse als nicht förderfähig betrachtet“. Zudem war die Wirtschaft auf Distanz gegangen: „Die Telekom hat gezickt, aber andere sind auch abgesprungen“, sagt Lassahn, die Ausschreibung musste aufgehoben werden.

Weitere Ausschreibung

Die neuerliche Ausschreibung trennt Bau und Betrieb des Netzes, auch wenn es Bewerbern natürlich nicht verboten ist, ihre eigene Infrastruktur mit einzubringen. Es ist, genau genommen, sogar ausdrücklich gewünscht. Doch der Kreis konzentriert sich nicht mehr auf die Branchenriesen, auch größere Mittelständler könnten als Partner in Betracht kommen, sagt Lassahn.

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Netzbetreiber im Frühjahr

Die Ausschreibung läuft seit Dezember, am 3. Februar endet der Teilnehmerwettbewerb: „Im Frühjahr werden wir einen Netzbetreiber haben“. Danach solle zügig mit dem Ausbau begonnen werden, mit dem Fokus auf den Außenbereichen der größeren Städte und den Seitentälern – also in den Gebieten in der Ortenau, wo der Bedarf am größten ist.

Für diese Regionen werden auch, Land und Bund zusammengenommen, bis zu 90 Prozent Zuschuss erwartet.

Netz bis zum Jahr 2030

Spätestens 2030, so Lassahn, solle das Glasfasernetz stehen. Man werde aber weit entfernt von den ursprünglichen Plänen sein, bis zu 700 Kilometer Glasfaser im gesamten Kreis zu verlegen: „Das würde alle überfordern.“