Die Modellflieger müssen am Boden bleiben. Der MSV Moos musste seinen Flugtag aus Naturschutzgründen absagen. | Foto: Seiler

Modellsportverein Moos

Großer Brachvogel verhindert Flugtag

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Seit 40 Jahren besteht der Modellsportverein Moos. Auf seinem Flugplatz nahe des Bühler Stadtteils bringt der MSV fast alles in die Luft, was geflogen werden kann – ob Modelle mit Elektro- oder Verbrennungsmotor, ob Flächenflugzeuge, Hubschrauber oder Jets, wie es auf der Homepage des Vereins heißt. Ein tierischer Gast sorgt nun allerdings dafür, dass der am 2. und 3. Juni geplante Flugtag zum Vereinsjubiläum nicht ausgerichtet werden kann: der Große Brachvogel. Und der Verein fürchtet gar um seinen Fortbestand, falls die damit verbundenen naturschutzrechtlichen Auflagen Bestand haben sollten.

Flugbetrieb stark eingeschränkt

Zumindest bis Mitte Juli ist der Luftraum so stark eingeschränkt, dass die Modellflieger ihrem Hobby nur noch reduziert nachgehen können, kritisiert Roy Puchtinger, der stellvertretende Vorsitzende. Lediglich kleinere Elektromodelle und Segelflugzeuge können noch starten, der Flugbetrieb für Motormodelle musste eingestellt werden. Der Grund: Für die Modellflieger stehen laut Auflagen des Regierungspräsidiums Karlsruhe nur noch die Start- und Landebahn und ein zehn Meter breiter Streifen links und rechts davon zur Verfügung. Wendemanöver sind laut Puchtinger dadurch für größere Modelle nicht mehr möglich, sodass der Verein befürchtet, dass Piloten mit größeren Modellen sich anderweitig umsehen.

Wir fühlen uns übergangen

„Wir fühlen uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisiert der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Die Alarmglocken schrillten erst am 12. April, als Vereinsmitglieder dem Vorstand berichteten, dass um das Nest des Großen Brachvogels ein Zaun gebaut werde. Bei einem Ortstermin tags darauf hätten Vertreter des Referats Naturschutz des Regierungspräsidiums den Verein mit der Ausweisung einer Tabuzone konfrontiert. „Wir sind dem Naturschutz nicht abgeneigt“, versichert Puchtinger und betont mit Blick auf eine bereits im vorigen Jahr erfolgte Begehung: „Es hätte schon damals eine einvernehmliche Lösung geben können, wenn man uns angesprochen hätte. Stattdessen fühlen wir uns jetzt, sechs Wochen vor unserem großen Jubiläumsfest, übergangen.“ Laut seinen Angaben liegt das Nest des Großen Brachvogels zwar im Flugsektor, aber 200 bis 300 Meter entfernt von der Start- und Landebahn auf einem benachbarten Gelände, sodass eine Lärmbeeinträchtigung nicht gegeben sei. Auch verweist er auf den Vorschlag des MSV, das Gebiet zu beschildern. Denn mittlerweile gibt es laut Vereinsangaben einen regelrechten Brachvogel-Tourismus.

Verein prüft rechtliche Möglichkeiten

Der Modellsportverein hat aufgrund der jetzigen Situation seinen Flugtag zum Vereinsjubiläum ganz abgesagt. Eine Verlegung hätte in keinem Verhältnis zum Aufwand gestanden, verweist er auf die schwierige Terminfindung. Mehr als 100 Gastpiloten hatte der Verein zu seinem Geburtstagsfest eingeladen, gerechnet wurde mit weit über 5 000 Besuchern. Geplant war auch eine große Flugparty mit DJ und ein Auftritt der Mooser Musikkapelle. Durch die Absage des Jubiläumsfestes und weiterer Veranstaltungen erleidet der Verein erhebliche finanzielle Einbußen, „ein hoher vierstelliger Euro-Betrag“, der nun für die Vereinsarbeit, unter anderem auch für die Jugendarbeit, nicht mehr zur Verfügung steht.
„Wir prüfen die rechtlichen Möglichkeiten und erwägen eventuell eine Klage“, kündigt Vereinsvorsitzender Wolfgang Schmidt an. Denn laut Auffassung des Justiziars des Modellflieger-Verbands sei für Flugeinschränkungen nicht das Regierungspräsidium Karlsruhe zuständig, sondern die Luftfahrtsbehörde in Stuttgart. Momentan stünden den Modellfliegern nur 15 Prozent des Flugsektors zur Verfügung. In dem 400 Meter langen und zwischen 25 und 40 Meter breiten Korridor sei „Flugbetrieb kaum möglich“, so der Vorsitzende.

Der Modellsportverein Moos wurde 1978 gegründet und hat derzeit 120 Mitglieder aus der Region zwischen Appenweier, Lichtenau und Baden-Baden; davon sind 110 aktiv. Elf Jugendliche sind in den Reihen des MSV Moos, der laut eigenen Angaben bundesweit einer der größten Modellsportvereine ist und dem Deutschen Modellflieger-Verband (DMFV) angehört. Das Gelände mit der 7 500 Quadratmeter großen Graspiste haben die Modellflieger 1990 von der Stadt Bühl als Pacht zur Verfügung gestellt bekommen. Das Vereinsdomizil, so Vorsitzender Wolfgang Schmidt, sei auch beliebter Treffpunkt für Radfahrer auf ihren Freizeittouren. Übrigens: Der Große Brachvogel wird laut Schmidt bereits seit 28 Jahren auf den Mooser Wiesen gesichtet.

 

Regierungspräsidium verweist auf Naturschutz

Aus Gründen des Naturschutzes kann der Modellsportverein Moos seine am 2. und 3. Juni seine Jubiläumsfeier nicht ausrichten, bestätigte das Regierungspräsidium Karlsruhe Informationen dieser Zeitung.  Der Festbereich läge in 150 Metern Entfernung von der Brutstelle des seltenen Großen Brachvogels, betont auf ABB-Nachfrage Uwe Herzel, Pressesprecher der Karlsruhe Behörde. „Da kann man kein großes Fest durchführen.“ In einem solchen Fall würden artenschutzrechtliche Verbote greifen und man bräuchte eine Ausnahmegenehmigung, die man jedoch nicht bekommen würde, erläutert Herzel und verweist auf die ausgewiesene Tabuzone zum Schutz des Großen Brachvogels. „Das Nest liegt im Vogelschutzgebiet.“

Selten und bedroht: der Große Brachvogel. | Foto: Archiv

Keine Feier zur Brutzeit

Das Regierungspräsidium Karlsruhe als in diesem Fall zuständige Obere Naturschutzbehörde habe dies dem Modellsportverein Moos mitteilt und dabei auch die Gründe vor Augen geführt, warum das Vereinsfest zur Brutzeit des Großes Brachvogels an dieser Stelle nicht gefeiert werden könne. Nach der Brutzeit ab Mitte Juli stünde aber einer Ausrichtung des Festes auf dem Vereinsgelände nichts im Wege, so der Pressesprecher.
Laut Kenntnis von Herzel brütet auf dem Mooser Gelände ein Paar des besonders unter Schutz stehenden Großen Brachvogels. Dieser wird auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands in der Kategorie eins – als vom Aussterben bedroht – aufgelistet.  In Deutschland war der Große Brachvogel, der zur Familie der Schnepfenvögel zählt, 1982 „Vogel des Jahres“.