Mehr als Spielen mit Bauklötzen: In Bühler Kitas wird bereits seit Jahren Wert auf Sprachförderung gelegt. Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung durch dsa Gute-Kita-Gesetz sehen Mitarbeiter der Stadt etwa beim Ausbau des Platzangebots.
Mehr als Spielen mit Bauklötzen: In Bühler Kitas wird bereits seit Jahren Wert auf Sprachförderung gelegt. Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung sehen Mitarbeiter der Stadt etwa beim Ausbau des Platzangebots. | Foto: Monika Skolimowska/dpa

Kinderbetreuung verbessern

Bühl und umliegende Kommunen begrüßen das Gute-Kita-Gesetz

Anzeige

Die Qualität der Kindertagesstätten in Deutschland verbessern, das ist das Ziel des Gute-Kita-Gesetzes, das am 1. Januar in Kraft getreten ist. 5,5 Milliarden Euro investiert der Bund dafür bis 2022, rund 720 Millionen Euro davon fließen nach Baden-Württemberg. Wie viel Geld genau in die Region rund um Bühl fließt und wofür es verwendet wird, steht noch nicht fest. Aber Bühl und die umliegenden Gemeinden sehen ihre Kitas schon jetzt gut aufgestellt.

Bühl sieht Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung

Rund 1 200 Kinder sind aktuell in Bühler Kindertageseinrichtungen. Das berichtet Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur, Generationen. Um diesen Kindern die bestmögliche Betreuung zu bieten, gebe es verschiedene Möglichkeiten, um die Qualität der Einrichtungen mithilfe des Gute-Kita-Gesetzes zu verbessern. Aus diesem Grund begrüßt er das neue Gesetz. „Die Arbeit in Bühl ist schon heute sehr gut“, betont Dürk zwar. Dennoch hat er bereits Ideen, wofür das Geld, dass das Gesetz von 2019 bis 2022 in die Kommunen bringt, in Bühl eingesetzt werden könnte.

Platzvergabe als Herausforderung

„Es ist eine große Herausforderung, ein adäquates Platzangebot für alle Kinder zu schaffen“, sagt Dürk. Bisher sei es immer gelungen, die Kinder der interessierten Eltern auf die vorhandenen Kitas zu verteilen. In manchen Fällen komme es zwar vor, dass in der Wunschkita kein Platz frei sei. Dann werde aber mit den Eltern abgestimmt, ob das Kind in eine andere, gut zu erreichende Kita komme oder auf einen freien Platz in der Wunschkita gewartet werde.

Zuzug und Familienwandel erfordert mehr Kita-Plätze

„Da Bühl ein wichtiger Wirtschaftsstandort ist, ziehen immer wieder Familien nach Bühl“, erklärt Bettina Fröhlich, Abteilungsleiterin Kindertageseinrichtungen und Generationenarbeit der Stadt Bühl. Eine langsam steigende Geburtenrate und Eltern, die ihre Kinder früher als noch vor ein paar Jahren in Kitas bringen, tun ihr übriges, um die Zahl der benötigten Betreuungsplätze jährlich zu erhöhen.

Aus diesem Grund werde etwa das Kinderhaus Sonnenschein bis zum Betreuungsjahr 2020/21 um zwei Gruppen erweitert. Somit könnte die Finanzspritze des Landes für den Platzausbau verwendet werden.

Freistellung für Verwaltungsaufgaben wünschenswert

Ein weiterer Punkt, in den Dürk gerne investieren würde, ist die Freistellung von Kita-Leitern für ihre Verwaltungsaufgaben. Zudem würde die Stadt gerne mehr Springer, die arbeiten, wenn Erzieher krank oder im Urlaub sind, einstellen. „Wir haben es bisher immer geschafft, Vertretungen zu finden“, so Fröhlich. Mit mehr Stellen sei das aber deutlich komfortabler. Den Betreuungsschlüssel allgemein sieht Dürk in Bühl als ausreichend an. Die aktuellen Vorgaben würden erfüllt.

Der Fachkräftemangel ist auch bei uns angekommen

Die Besetzung von leeren Stellen stelle allerdings regelmäßig eine Herausforderung für die Einrichtungen dar. Vor allem, da sich Bühl selbst die Vorgabe gegeben habe, nur ausgebildetes Fachpersonal einzustellen. „Der Fachkräftemangel ist auch bei uns angekommen“, berichtet Dürk. „Mit dem Geld des neuen Gesetzes könnte man in Bühl weitere bezahlte Ausbildungsstellen für Erzieher schaffen.“ Derzeit würden etwa 15 bis 20 Erzieher in den insgesamt 19 Einrichtungen in der Zwetschgenstadt ausgebildet.

Damit diese Fachkräfte perfekt ausgebildet sind, träumt Dürk von einem Aufstiegshonorar. „Es wäre schön, wenn Erzieherinnen mit absolvierten Fortbildungen mehr Geld verdienen würden“, sagt er. Nur so könne man die Qualität weiter verbessern.

Die Qualität der Bühler Kitas liegt über dem Durchschnitt

Ansonsten ist Dürk der Meinung, dass die Qualität in den Bühler Kitas bereits über dem Durchschnitt liegt. „Durch Zuwanderer beispielsweise aus Mexiko und Brasilien wird bei uns in den Kindergärten schon seit Jahrzehnten Sprachförderung angeboten“, berichtet Fröhlich. Die Betreuungszeiten von 7.30 bis 16.30 oder 17.30 Uhr seien ausreichend. Für spezielle Betreuungszeiten, etwa für die Kinder von Schichtarbeitern, gebe es Tagesmütter, die von der Stadt bezuschusst werden: „Aktuell betreuen zwölf Tagesmütter zwischen 15 und 18 Kinder.“

Schwerpunkt liegt bei der Qualitätsverbesserung

Ein weiterer Punkt, der im Rahmen des neuen Gesetzes denkbar wäre, ist die soziale Gebührenstaffelung. In Bühl wird der Kita-Beitrag aktuell nicht nach dem Einkommen gestaffelt. Geschwisterkinder in einer Einrichtung kosten Dürk zufolge allerdings weniger als das erste Kind.

„Im Schulterschluss mit Baden-Baden und Achern würden wir in Bühl das Geld gerne für die Verbesserung der Qualität in den Einrichtungen verwenden“, beantwortet Dürk die Frage, ob er sich beispielsweise die von der SPD gewünschte Gebührenfreiheit für Kitas in Bühl vorstellen kann.

Dass das Gesetz die Finanzierung durch den Bund zunächst nur bis zum Jahr 2022 sicherstellt, sieht der Fachbereichsleiter Bildung, Kultur, Generationen nicht als Problem. Er betont: „Auch ohne neues Gesetz würden wir die Qualität unserer Kitas stetig weiter verbessern.“ Dennoch ergänzt er: „Eine Finanzierung über 2022 hinaus ist natürlich wünschenswert.“

Gut gerüstet sehen die Kommunen ihre Kinderbetreuungseinrichtungen. Verwendung für das Geld des Bundes finden sie trotzdem.
Gut gerüstet sehen die Kommunen ihre Kinderbetreuungseinrichtungen. Verwendung für das Geld des Bundes finden sie trotzdem. | Foto: Arnold/dpa

Die Betreuungszeiten in Bühlertal sind ausreichend

„Wir haben bereits in den letzten Jahren viel gemacht“, sagt Ulla Meier. Die stellvertretende Amtsleiterin und Sachgebietsleiterin für Betreuungsangebote in Bühlertal weist beispielsweise auf den Ausbau der Kleinkindbetreuung und der Ganztagsbetreuung hin. In ihrer Gemeinde würden Eltern regelmäßig befragt, ob die Betreuungszeiten ausreichend seien. Demnach sind sie das.

„Wenn zwei Kinder ab drei Jahren gleichzeitig in einer Einrichtung betreut werden, ist das zweite Kind gebührenfrei“, ergänzt Hans-Peter Braun, Bürgermeister von Bühlertal. Eine weitere Staffelung nach sozialen Gesichtspunkten gebe es aber nicht.

Lichtenauer Bürgermeister wünscht sich kostenfreie Kindergärten

Eine soziale Staffelung, etwa die Gebührenbefreiung für Familien, die Wohngeld beziehen, ist im neuen Gesetz angedacht. Schon seit einigen Jahren wird laut Bürgermeister Christian Greilach in Lichtenau eine derartige Gebührenstaffelung angewandt. Greilach würde sogar noch weitergehen: „Kindergärten sollten als frühkindliche Bildungseinrichtung verstanden werden und kostenfrei sein, um Chancengleichheit zu garantieren.“ In diesem Fall sollte dann das Land für Ausstattung und Personal aufkommen.

Das Gute-Kita-Gesetz begrüßt er, da es die Kommunen finanziell entlastet. Im Zuge der Qualitätsverbesserung würde er sich wünschen, dass Kitaleiter für ihre Leitungsaufgaben freigestellt werden. Zurzeit sei das nur teilweise der Fall.

Sinzheimer Hauptamtsleiter kritisiert Finanzierungsdauer

Eine Aufstockung des Personals im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes sieht Ronald Pfefferle, Hauptamtsleiter in Sinzheim, allerdings kritisch. „Das Gesetz sieht bisher nur eine Finanzierung bis 2022 vor. Wenn der Bund sich dann wieder zurückzieht, bleiben die Kommunen auf den Personalkosten sitzen“, gibt er zu bedenken.

Mit dem vorhandenen Personal in Sinzheim ist er zufrieden, es leiste hochwertige Arbeit. In diesem Jahr sollen Aushilfen verstärkt werden, die bei Krankheits- und Urlaubsfällen einspringen. Sinzheim erfülle aktuell die Mindestanforderungen beim Personalschlüssel.

Geld, dass durch das Gesetz nach Sinzheim fließt, wäre Pfefferle zufolge vor allem für Kartung interessant. Für den dortigen Neubau Wiesenhaus des Kindergartens müsse die Kommune 1,5 Millionen Euro aufwenden. „Ein gutes Gebäude steht ja auch für gute Qualität“, erklärt er diese Idee.

Ottersweier will durch das Gute-Kita-Gesetz in Personal investieren

In Ottersweier wird das Gesetz grundsätzlich begrüßt. Auch wenn die stellvertretende Hauptamtsleiterin Marion Kohler betont: „Die Kinderbetreuung in Ottersweier ist sehr gut aufgestellt.“ Inklusion werde schon jetzt in zwei der insgesamt vier Betreuungseinrichtungen gelebt, die Kindergartenleitung werde für ihre speziellen Aufgaben freigestellt und sprachliche Bildung werde für die Kinder ebenfalls angeboten.

Durch die wachsenden Kinderzahlen würde Kohler zufolge allerdings Anbauten und mehr Personal benötigt. „Das jährliche Defizit der Gemeinde steigt seit Jahren in ungeahnte Höhen an und ist trotz des Finanzierungspakts mit dem Land irgendwann für die Kommunen nicht mehr finanzierbar“, erklärt die stellvertretende Hauptamtsleiterin. Sie kritisiert daher, dass die finanzielle Unterstützung des Bundes im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes nur bis 2022 gesichert ist.

Rheinmünster sieht sich gut aufgestellt

Auch die Gemeinde Rheinmünster begrüßt das Gesetz, so Hauptamtsleiter Mathias Bethge. Die aktuell geforderten Qualitätsstandards würden schon jetzt in den vier Kindertagesstätten in Rheinmünster eingehalten, etwa bei der Ausstattung.

„Um Krankheitsfälle abzudecken, ist unser Personalschlüssel schon jetzt höher als gefordert“, ergänzt Bethge. Wie in Sinzheim werden die Gebühren für die Kinderbetreuung in Rheinmünster nach dem württembergischen Modell gestaffelt. Dadurch bezahlen Familien mit mehr als einem Kind unter 18 Jahren weniger Gebühr für weitere Kinder.