Mit seinen Klinik-Ideen hat das Hänferdorf beim Bühler Fastnachtsumzug den Vogel abgeschossen. | Foto: Bernhard Margull

Bühler Narrhalla-Umzug

Hänferdorf zündet weiteres Glanzlicht

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Ein Friedensschluss nach heftiger kriegerischer Auseinandersetzung muss ordentlich gefeiert werden. Eine Parade ist das probate Mittel; gut, hier heißt es eher Umzug, aber die genaue Begrifflichkeit ist eher zweitrangig. Was wirklich wichtig ist, verkündete Narrhalla-Sitzungspräsident Michael Vetter beim Bühler Fastnachtsumzug vom Rathausbalkon: „Hexen und Feuerwehr vertragen sich wieder, das freut die ganze Stadt.“ Vom historischen Drehleiterwagen der Bühler Feuerwehr, auf dem einige Hexen Platz genommen hatten, verkündete eine Tafel das „Ende des heraldischen Kriegs zu Bühl“, den Feuerwehrkommandant Günter Dußmann mit einer neckischen E-Mail an die Hexen ausgelöst hatte (der ABB berichtete). Die Eingliederung des Feuerwehrfahrzeugs in den Fastnachtsumzug war Teil der am Schmutzigen Donnerstag getroffenen Friedensbedingungen – und natürlich rollte er gleich nach dem im 55. Jahr runderneuerten Hexenwagen.

Friedensschluss verkündet

Ob die Hänferdörfler bei ihrem Beitrag eine mögliche Eskalation des heraldischen Kriegs und damit einen gewissen Lazarett-Bedarf angenommen hatten, muss fraglich bleiben. Ganz sich aber war ihr Auftritt ein weiteres Beispiel ihrer überbordenden Kreativität und der Höhepunkt des Umzugs. Nun gut, ob das Motto „Ha do verrecksch“ Vertrauen in die Hänferdorf-Klinik aufbauen kann, darf bezweifelt werden. Aber was sich die bunte Truppe aus dem Hänferdorf einfallen lassen hat, um die diversen Probleme der mittelbadischen Kliniklandschaft zu karikieren, vom Aus für das Kinderwunschzentrum in Bühl bis hin zur vergeblichen Bettensuche, das hatte große Klasse. „Hier liegen Sie richtig“, versprachen die Hänferdörfler.

Preise für die besten Wagen

Ganz richtig lag auch der Prämierungs-Ausschuss, dem neben Michael Vetter (für den die Moderation auf dem Balkon eine Premiere war) auch Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler, Oberbürgermeister Hubert Schnurr und seine Gattin Beatrix sowie Bürgermeister Wolfgang Jokerst samt Ehefrau Regine angehörten. Der Ausschuss sprach dem Hänferdorf dem ersten Preis zu; den zweiten erhielt die Oberbrucher Feuerwehr, die sich mit ungelösten Hochwasserproblemen und Tempo 30 im Ort befasste. Einen Sonderpreis hatte sich der Halbmu Balzhofen mit seinem „Nit u’gschickt“-Wagen verdient.

Schaurige Gestalten

Viel mehr Wagen waren allerdings auch nicht in der Verlosung gewesen. Geprägt wurde der Umzug von einer großen Zahl alemannischer Gruppen, die Hexen, Dämonen, Trolle, Teufel, Geister und sonstige Gesellen auf die Straßen schickten. Gar schaurig wirkte auf manch kleinen Besucher die eine oder andere Figur; aber rasch durfte festgestellt werden: Die wollen nur spielen. Dazwischen marschierten Blasmusikkapellen; allerdings sind diese mittlerweile nur noch in vergleichsweise geringer Zahl dabei, musikalisch dominieren Partyhits aus der Konserve.

Weitenung dominiert

Bei den preiswürdigen Fußgruppen bleibt Weitenung das Maß aller Dinge. Die Narrenratsfrauen der Mondglunkerle lagen mit ihren lokalen Einkaufswünschen ganz vorne, gefolgt vom Kinderfastnachtskomitee Weitenung, den dritten Platz teilten sich die Narrenratsfrauen des Allda Kappelwindeck und die Gymnastikgruppe II aus Weitenung, die einen gut Rat parat hatte: „Wenn Dir das Leben eine Zitrone schenkt, mach Limonade daraus.“