Ab ins Nass: Ein Junge springt vom Drei-Meter-Turm des Freibads Achern. Die Besucherzahlen des Schwimmbads steigen im Juni nach einem eher kalten Vormonat merklich an. | Foto: pf

Verspätete Badesaison

Heiße Phase nach mäßigem Maiwetter

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Der Mai war mau. Ob das am Klimawandel liegt, sei mal dahingestellt, an die Rekordtemperaturen des vorigen Jahrs reicht der Wonnemonat jedenfalls bei weitem nicht heran. Wohl auch nicht hinsichtlich der Besucherzahlen der Schwimmbäder in der Region, die erst seit Kurzem vermehrt Gäste begrüßen können – die bei Temperaturstürzen von zehn Grad gerade wieder dem Freibad fernbleiben. Wie schätzen Badbetreiber und Bademeister die aktuelle Saison ein? Was gibt’s Neues im Schwimmbad? Der ABB ist ins kalte Wasser gesprungen.

Die Komplettsanierung des städtischen Freibads Achern für insgesamt fünf Millionen Euro ist abgeschlossen, teilt die Stadt mit. Neu ist der barrierefreie Zugang zum Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. Eine neue Zuwegung für Rollstuhl- und Rollatorfahrer gibt es auch zwischen Planschbecken und WCs.

Fachkräftemangel im Freibad

Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Tagen enorm angestiegen, am 2. Juni waren mit 1 688 Gästen knapp einhundert mehr Menschen baden als im ganzen Mai. Vergleich zum vergangenen Hitzejahr: 7 162 im gleichen Zeitraum. Der Mai habe der Badwirtschaft aber nicht unbedingt geschadet, vielmehr verursachten mehr Besucher auch mehr Kosten, die nicht mehr im Verhältnis zu den Saisonkarten-Einnahmen stehen. Auch im Freibad herrscht Fachkräftemangel, deshalb gibt es zunächst auch keine längeren Öffnungszeiten. Das ist die einzige Sorge des Freibads, das ansonsten seine jährliche Besucherzahl um das Dreifache steigern konnte.

 

An einem Junitag mehr Besucher als im ganzen Mai

Auch Yanis Lamm, Betriebsleiter des Schwimmbads Kappelrodeck, konnte am vergangenen Sonntag mit 1 323 Besuchern mehr als dreimal so viel wie zuvor im Mai verbuchen. Die Rekordsumme von 60 000 Besuchern im vergangenen Jahr wird das Bad aber nicht mehr erreichen, glaubt er. Hinsichtlich der Petition zur Bäderrettung des DLRG, die auch er erhalten habe, weist Lamm darauf hin, dass Schwimmbäder immer Defizitbetriebe seien, die weniger wohlhabende Gemeinden sich oft einzustellen genötigt sähen. So klagten Gäste aus Pforzheim bereits über 50 Kilometer Entfernung zum nächsten Schwimmbad. Nur ein Eintrittsgeld von etwa 15 Euro könnte daran etwas ändern. Aber wer würde das zahlen? Mit nächtlichen Schwimmgästen habe man in Kappelrodeck keine Probleme, und wenn es mal laut würde, verscheucht sie Lamm mit der Taschenlampe von seinem Zuhause „direkt neben dem Schwimmbad“ aus.

Keine Probleme mit nächtlichen Gästen

Im idyllisch gelegenen Naturerlebnisbad Ottenhöfen gibt es einen neuen Aufsichtsplatz, von dem aus das gesamte Becken besser einzusehen ist. Die Kosten für den Naturbadbetrieb halten sich in Grenzen: Kein Chlor, keine Heizung. Mitarbeiter beim Bauhof und die Teilzeitangestellten an der Kasse könne man bei Bedarf auch „umlegen“, sagt Betriebsleiter Alexander Spinner. Vom 15. Juni bis 15. August ist das Bad bis 20 Uhr geöffnet, ansonsten bis 19 Uhr. Auch hier seien Gäste außerhalb der Öffnungszeiten kein Problem, nie sei, wie etwa in Oberkirch, etwas beschädigt oder vermüllt worden.

Die Rutsch- und Badesaison hat auch im Naturerlebnisbad Ottenhöfen aufgrund der mäßigen Mai-Temperaturen verspätet begonnen. | Foto: pf

Kiosk „auf hohem Niveau“

Bürgermeisterin Sonja Schuchter informiert über die Sanierungsarbeiten der sanitären Anlagen im Damenbereich des Erlebnisfreibads Sasbachwalden, eine „größere Sache“, die das Bad jetzt moderner wirken lasse. Schuchter freut sich vor allem über den neuen Pächter des Kiosks, der den Badegästen ein kulinarisches Angebot „auf sehr hohem Niveau“ biete. Im Mai hatte man 1 000 Besucher, vergangenen Sonntag 1 250. Zu den Hoch-Zeiten am Wochenende und in den Schulferien werden zwischen 1 500 und 1 800 Gäste erwartet.

Frühschwimmen und Mondscheinbaden

Der Mai werde zwar „schon zu Buche schlagen“, mit der späten Eröffnung des Bads am 18. Mai und der vorläufigen Verzicht auf die Saisonkräfte habe man aber vorgebeugt. Ein Anknüpfen an den Besucherrekord sei noch nicht in Sicht, dafür konnte man aber mit 700 Jahreskarten bereits 100 mehr verkaufen als im Vorjahr. Das Erlebnisfreibad öffnet nicht nur sehr früh, um 8 Uhr, seine Tore für „20 bis 25 Frühschwimmer“, viermal im Jahr lädt das Bad auch zum Mondscheinbaden bis 23 Uhr ein. Auch die Saison könne bei gutem Wetter in die Länge gezogen werden, sodass die Gäste auch schon mal Zwiebelkuchen und Neuen Wein im Bad genießen konnten.

Bäder von „hohem sozialen Wert“

Im Freibad Renchen wurden laut Hauptamt beide Becken gestrichen, alte Rohrsysteme erneuert und die Energieversorgung angepasst. Darüber, ob man die Rekordzahl von 77 800 Besuchern im Vorjahr erreicht, entscheide letztlich das Wetter. Das Bad ist dienstags und donnerstags eine Stunde länger, bis 21 Uhr, geöffnet. Sicherheitspersonal sei bislang nicht notwendig gewesen. Probleme mit Fachpersonal gibt es auch hier, dennoch hält das Hauptamt daran fest, dass es „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ sei, die Bäder und ihren „hohen sozialen Wert“ für die Bevölkerung zu erhalten.