Auf Sendung: Neben Radioprogrammen strahlt der SWR-Turm auf der Hornisgrinde auch nicht-kommerzielle Funkdienste zum Beispiel für Behörden aus. | Foto: Christian Schäfer

SWR-Funkturm auf Hornisgrinde

Herr über sensible Rundfunktechnik

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Wie ein mächtiger Koloss ragt der 206 Meter hohe Funkturm des Südwestrundfunks auf der Hornisgrinde gen Himmel. Über dieses Bauwerk strahlt der SWR via analoger Ultrakurzwelle (UKW) seine vier Hörfunk-Hauptprogramme aus, daneben den Deutschlandfunk und Radio Regenbogen – in den Oberrheingraben, in die Alb-Neckar-Region sowie bis in die Schweiz und in die Pfalz. Zudem senden vom höchsten Punkt des Nordschwarzwaldes weitere Radioprogramme im digitalen Übertragungsstandard DAB+, der irgendwann die UKW-Übertragung gänzlich ersetzen soll. Nach SWR-Angaben können etwa 30 Prozent der Einwohner aus Baden-Württemberg und zehn Prozent der Einwohner aus Rheinland-Pfalz die Hörfunkprogramme über den Senderstandort Hornisgrinde empfangen.

Dahinter steckt eine ausgeklügelte Technik, die sich im Nebengebäude befindet. Für die Öffentlichkeit ist der Zutritt in den mehrstöckigen, mit Schindeln verzierten Klotz neben dem Turm streng verboten – aus gutem Grund: Denn hinter den Mauern befindet sich für mehrere Millionen Radiohörer sensible Rundfunktechnik mit Sendeanlagen, die Laien zunächst an grauweiße Büroschränke erinnern.
Bernd Schmieder ist der Herr über diese Anlagen – der gelernte Elektrotechniker hat sich damit einen beruflichen Traum erfüllt. Als der damalige Südwestfunk den Turm zwischen 1970 und 1974 errichten ließ, verfolgte Schmieder mit Begeisterung die Bauarbeiten. In den Neunzigern kam er dann nach einer Ausbildung zum Elektrotechniker zum SWR, und schließlich auf die Hornisgrinde.

Techniker des SWR prüft Klangpegel

Sein Beruf ist vielfältig. Neben der Reinigung von Regenschächten auf dem Betriebsgelände und der Wartung der dortigen Stromversorgung misst Bernd Schmieder die Leitungen zu den Antennen und die Sender, so dass sie weiterhin nach rundfunktechnischen Vorgaben Radioprogramme ausstrahlen. So überprüft er beispielsweise, ob die Klangpegel der Rundfunkübertragungen stimmen und ein Tonkanal nicht lauter ist als der andere. Sollte ein Sender kurzfristig ausfallen, kann Schmieder das betroffene Radioprogramm innerhalb von einer halben Minute auf einen Ersatzsender umschalten.

Zuführung per Richtfunk

Doch wie gelangen die Rundfunksignale aus dem Sendezentrum Baden-Baden auf die Hornisgrinde? Die großen Parabolspiegel auf den Plattformen des Turms verraten es – über Richtfunk. Von jeweils zehn Kilowatt starken Sendern, die in einer büroschrank-ähnlichen Konstruktion untergebracht sind, fließen die Programmsignale zunächst in einen sogenannten „Antennenbahnhof“. Von dort werden über Weichen die Signale der Sender gebündelt zur Antennenanlage, die diese dann ausstrahlt, auf den Turm geschickt. Die dabei benötigte Leistung und Energie erzeugt Wärme. Ununterbrochen surren im Nebengebäude deshalb Lüftungsanlagen der Sender. Mit der Abwärme beheizt der SWR das Gebäude.

Analoges Antennenfernsehen bis 2008

Darin befindet sich noch ein Relikt vergangener Zeiten. Vor genau zehn Jahren endete das analoge Antennenfernsehen. Zwischen 1954 und 2008 wurde von der Hornisgrinde das Erste Fernsehprogramm der ARD ausgestrahlt, bis 1974 über einen Stahlgittermast. Bild und Ton kamen per Leitung auf den Berg. Für das digitale Antennenfernsehen DVB-T2 HD ist der Turm indes nicht geeignet: „Dafür ist er zu hoch“, räumt Schmieder ein. In einem sogenannten Gleichwellennetz, sprich die Übertragung von einem digitalen Programmbouquet auf einem Kanal über mehrere Sender, würde der Funkturm andere Sender wegen seiner exponierten Lage stören. Als es noch den Sendeschluss und ein Testbild gab, hatte ein Spätdienst die Anlage gewartet. Bis zu vier Techniker waren täglich auf der Hornisgrinde. Heute schaut hauptsächlich nur noch Bernd Schmieder regelmäßig nach dem Rechten, denn die SWR-Technik überwacht ihre Anlagen mittlerweile zentral und informiert den vor Ort zuständigen Techniker, wenn eine Störung vorliegt.

Notstromaggregat mit 20.000-Liter-Tank

Sollte der Strom ausfallen, garantiert ein großes Dieselaggregat noch mehrere Wochen den Sendebetrieb, mit einem 20.000-Liter-Tank. Sonst erfolgt die Stromzufuhr über zwei Leitungen aus Ottenhöfen und Brandmatt. Alle paar Wochen ist das Dieselaggregat in Betrieb, „da sonst Dichtungen verspröden könnten“.
Gewitter über dem Berg seien nicht so schlimm für den Sendebetrieb. Problematisch sei es eher, wenn ein Unwetter im Tal die Stromzufuhr unterbricht, oder „wenn Vögel in Leitungen fliegen und so einen Kurzschluss verursachen“, so Schmieder. Orkan Lothar verursachte 1999 übrigens keine Schäden am Turm. Er ist für Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometer in der Stunde ausgelegt, sein Fundament ist im Fels verankert. Bei Sturm, erzählt Bernd Schmider, eiere die Spitze des mächtigen Kolosses schon mal „wie eine Acht“.

Antennenplattform: Von 150 Meter bis 180 Meter Turmhöhe befinden sich UKW-Sendeantennen, von 180 Meter bis 200 Meter die DAB-Sendeantennen, die ehemals für die analoge Fernsehausstrahlung genutzt wurden. Unterhalb des Stahlrohraufsatzes sind von 58 Meter bis 84 Meter auf sieben Montageplattformen zahlreiche Richtfunk- und Ballempfangsantennen angebracht. Neben Antennen des SWR sind auf der Plattform auch Anlagen anderer Anbieter sowie für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben untergebracht.
Turmdaten:
Höhe: 206,8 Meter, bis 150 Meter als Stahlbeton, ab 150 Meter Stahlrohraufsatz mit Antennenkuppel aus glasfaserverstärkten Kunststoffen.
Beton: 1 560 Kubikmeter
Baustahl: 235 Tonnen
Fußdurchmesser: 19,6 Meter
Ringfundamentbreite: 3,1 Meter
Ringfundamenthöhe: einen Meter
Stahlanker: 7,8 Meter
Wandstärke: von 35 Zentimeter bis 25 Zentimeter
Schaftdurchmesser bei 150 Meter: 4,6 Meter
Durchmesser UKW-Antenne: 4,6 Meter
Durchmesser Fernseh-Antenne: 3,2 Meter. chs