Touristische Attraktionen gibt es in der Region viele. Eine sogenannte Unterrichtungstafel auf der Autobahn, wie hier zur Hornisgrinde und dem Mummelsee auf der A 5, können nicht alle Gemeinden ihr Eigen nennen. Ein neues Konzept soll jetzt auch die Illenau und den Nationalpark ausschildern.
Touristische Attraktionen gibt es in der Region viele. Eine sogenannte Unterrichtungstafel auf der Autobahn, wie hier zur Hornisgrinde und dem Mummelsee auf der A 5, können nicht alle Gemeinden ihr Eigen nennen. Ein neues Konzept soll jetzt auch die Illenau und den Nationalpark ausschildern. | Foto: Roland Spether

Neues Konzept auf A5

„Es braucht nicht jeder ein eigenes Schild“

Auf das „Simplicissimus-Haus“, den „Mummelsee“ aber auch den „Karlsruher Grat“ werden Touristen schon auf der Autobahn aufmerksam. Die an der A 5 aufgestellten braun-weißen Hinweisschilder sollen die Vorbeifahrenden von der Straße in die Gemeinden locken. Doch seit dem Aufstellen dieser Unterrichtungstafeln hat sich in der Region einiges verändert: Die Illenau feierte mittlerweile ihr 175-jähriges Bestehen, Seebach ist um einen Nationalpark reicher. Daher stellte zuletzt die CDU im Acherner Gemeinderat die Forderung, das bestehende Konzept zu erneuern. Das Problem: Ohne Verzicht einer anderen Gemeinde scheint dieses Vorhaben aussichtslos.

Das Maximum ist erreicht

„Wenn eine touristische Unterrichtungstafel mal steht, dann lässt sich das nicht so leicht ändern“, macht der stellvertretende Referatsleiter Verkehr des Regierungspräsidiums Freiburg, Alfons Bank, deutlich. Zwischen den Anschlussstellen Bühl und Achern sowie Appenweier und Achern gebe es bereits fünf touristische Unterrichtungstafeln: „Simplicissimus-Haus“, „Hornisgrinde / Mummelsee“, „Karlsruher Grat“, pasarelle de deux rives“ sowie „Sasbachwalden“. Damit sei das Maximum erreicht. Als einzige Option sieht Bank derzeit, die Ergänzung eines Schildes um ein weiteres Ziel. Das sei allerdings wenig zielgerichtet.

Keine Hoffnung auf Verzicht

„So ein Schild ist fast kostenlose Werbung, auf die keine Gemeinde verzichten wird“, ist sich Oberbürgermeister Klaus Muttach sicher. Dennoch habe er in Folge der aufkeimenden Diskussion beim Renchener Bürgermeister Bernd Siefermann und der Sasbachwaldener Bürgermeisterin Sonja Schuchter nachgefragt, ob diese kompromissbereit seien. Beiden hätten den Verzicht erwartungsgemäß abgelehnt. „Auf diesem Weg werden wir nichts erreichen“, stellt er fest. „Wir haben das Thema beim Regierungspräsidium vorgetragen“, versichert der OB weiter. Besonders für die Illenau habe er auf Seite des Präsidiums Wohlwollen gespürt. Jedoch sei dieses bei der Vergabe von Unterrichtungstafeln mittlerweile restriktiver.

Das war nicht anders zu erwarten.

„Es hat sich seit der Einreichung unseres Antrags nichts getan“, bedauert Karl Früh, Fraktionsvorsitzender der CDU Achern, der das Thema im Mai im Gemeinderat vorbrachte. „Doch die Besitzstandswahrung der bestehenden Autobahnschildergemeinden war nicht anders zu erwarten.“ Auch er setzt nun auf den direkten Weg über das Regierungspräsidium. Dazu nutzte er unter anderem den Besuch der Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei der Jubiläumsfeier der Illenau. „Es braucht doch nicht jeder ein eigenes Schild. Das Achertal sollte man auf einem Schild bündeln, auf dem auch der Nationalpark Platz findet und wir dadurch zusätzlich die Illenau bewerben können“, kritisiert Früh. „Denn die ist mit Sicherheit wichtiger als ein einzelnes Haus, das in Renchen steht.“

Hinweisschilder alle gleich wichtig?

Ob es eine Änderung der Hinweistafeln geben wird, das bleibe laut Muttach abzuwarten. „Ich möchte ungern darüber urteilen, welches touristische Ziel wichtiger ist im Land“, betont er. Doch die Illenau sei eine historische Einrichtung, die Weltruhm erlangt und für die ganze Region große Bedeutung habe. „Wenn ich raus gehe, treffe ich dort immer Menschen, die mir erzählen, dass zum Beispiel ihr Großvater hier gearbeitet hat.“

Historische Bedeutsamkeit sieht jedoch auch Bürgermeister Siefermann in der Gemeinde Renchen. „Das Literaturmuseum Simplicissimus-Haus muss angesichts der überregionalen Bedeutung weiterhin mit einem touristischen Hinweisschild an der Autobahn vertreten sein.“ Ein Verzicht darauf scheint ausgeschlossen.

Nationalpark im Gespräch

„Die Diskussion um die touristischen Hinweisschilder an der A5 entstand meiner Kenntnis nach vor allem deshalb, weil im Nationalparkrat die Anfrage gestellt wurde, ob es nicht möglich wäre, entsprechende Hinweisschilder auf den Nationalpark Schwarzwald aufzustellen“, erklärt der Ottenhöfener Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Das erachte er auch als sinnvoll.

Müssen Vorgaben angepasst werden?

Doch: „Ob hierfür eines der bestehenden fünf touristischen Hinweisschilder, mit denen die Attraktionen in der Region beworben werden und die von den jeweiligen Gemeinden finanziert wurden, wegfallen muss, stelle ich doch sehr in Frage.“ Seine Gemeinde besitzt derzeit das Hinweisschild zum Klettersteig „Karlsruher Grat“. Er sei zuversichtlich, dass die Aufstellung eines Schilds „Nationalpark Schwarzwald“ ohne Verzicht eines anderen funktionieren wird. Weiter regt er an: „Werden die Vorgaben des Ministeriums noch den aktuellen Gegebenheiten gerecht oder kann hier darüber nachgedacht werden kann, diese anzupassen?“

Region bietet viele Attraktionen

Denn die Region mit ihren landschaftlichen Attraktionen – auch unter Berücksichtigung der Beschilderungssituation an der A 5 – würde es rechtfertigen, mehr solcher Schilder aufzustellen, stimmt der Kappelrodecker Bürgermeister Stefan Hattenbach in die Diskussion ein. Doch in diesem Zuge wünsche auch er sich, dass beispielsweise Wein-und Obstbau sowie die dadurch geschaffene Landschaft seiner Kommune solidarisch von den touristischen Mitstreitern aufgenommen würden. „Davon könnte die ganze Region profitieren und besser sowie kompletter abgebildet werden“, begründet Hattenbach.

Schilder haben Berechtigung.

Mit dem Blick auf die Region meint auch Seebacher Bürgermeister Reinhard Schmälzle: „Alle Ziele, die bisher beschildert wurden, haben ihre Berechtigung.“ Das belege nur die Dichte an touristischen Attraktionen. „Natürlich würde ich mich dennoch freuen, wenn auch auf den Nationalpark hingewiesen würde“, gibt er zu. Es habe Signale gegeben, dass die Unterrichtungstafel Nordschwarzwald erneuert und der Nationalpark darin aufgenommen werden könnte, verrät Schmälzle.

Doch Simone Stübner, Sprecherin des Nationalparks, bestätigt diese Hoffnung vorerst nicht. Die Autobahnschilder seien zwar Teil des derzeit zu erstellenden Verkehrskonzepts des Parks, erklärt sie. „Im Moment gibt es aber noch keine Lösung.“

Nach den Vorgaben des Ministeriums für Verkehr dürfen zwischen zwei Anschlussstellen auf Bundesautobahnen lediglich zwei touristische Unterrichtungstafeln aufgestellt werden. Sie bewerben zum Beispiel ein Ausflugsziel oder Museum. Der Abstand muss nach „Richtlinie für touristische Beschilderung“ (RtB) mindestens 1 000 Meter betragen. Jede Stadt oder Gemeinde kann bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde ein Hinweisschild beantragen. „Daraufhin prüft das Regierungspräsidium die Zulässigkeit der Aufstellung anhand der Straßenverkehrsordnung und die Bedeutsamkeit der Ziele anhand der Auswahlkriterien der RtB“, erklärt Alfons Bank, stellvertretender Referatsleiter Verkehr des Regierungspräsidiums Freiburg. Für die Beurteilung werden fachkundige Stellen, wie zum Beispiel Tourismusbehörden und -verbände, Denkmalschutz- und Naturschutzbehörden, Heil- und Kurbäderverband und weitere Interessenten, befragt. Das Regierungspräsidium legt den Antrag inklusive Bewertung anschließend dem Verkehrsministerium vor, so Bank. Erst nach dessen Zustimmung kann die Behörde die Aufstellung verkehrsrechtlich anordnen. Die Kosten trägt der Antragsteller. jk