Die Acher in Kappelrodeck am Montagmorgen.
Die Acher in Kappelrodeck am Montagmorgen. | Foto: Benedikt Spether

Feuerwehr im Einsatz

Hochwasser in Mittelbaden: Pegel gestiegen – Bagger in Baden-Baden in Not

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Wegen steigender Pegel ist es am Montagmorgen im nördlichen Ortenaukreis sowie in Baden-Baden zu mehreren Feuerwehreinsätzen gekommen. Unter anderem in Kappelrodeck wurde der Hochwassermeldewert überschritten, an der Rench führte die Feuerwehr Dammkontrollen durch. Das teilte das Polizeipräsidium Offenburg auf Nachfrage mit.

Zwischen Hausach und Fischerbach musste eine Kreisstraße gesperrt werden, zwischen Karlsruhe-Oberreut und Rüpurr wurde ein Feld überschwemmt. Verletzte gab es der Polizei zufolge keine.

Der Polizei zufolge waren gegen 12 Uhr im nördlichen Teil des Ortenaukreises alle Pegel gleichbleibend oder fallend. 14 Feuerwehren waren am Mittag noch im Einsatz und pumpten Wasser aus überfluteten Kellern.

In Simonswald bei Freiburg haben sich nach starken Regenfällen derweil Erdmassen an einem Hang gelöst und ein am Berg stehendes Wohnhaus beschädigt. Das Gebäude im Kreis Emmendingen sei von Erde und Geröll getroffen worden, teilte die Polizei mit. Verletzt wurde den ersten Angaben zufolge niemand. Es sei jedoch ein Schaden im hohen fünfstelligen Bereich entstanden.

In Baden-Baden droht ein Bagger unterzugehen

In Baden-Baden herrschte am Vormittag Hochwasser-Alarmstufe 1 bei einem Wasserpegel der Oos von 1,55 Metern. Gemessen wird dieser Pegel am Baden-Badener Aumatt-Stadion, wo am frühen Montagmorgen um 6.47 Uhr mit einem Wasserstand von 1,63 Metern die Alarmstufe ausgelöst wurde.

Mit dem Eintreten dieser Warnstufe werde in Baden-Baden der „Kleine Katastrophenschutz-Stab“ bei der Feuerwehr eingerichtet, erklärt Pressesprecher Roland Seiter, der selbst Teil des städtischen Katastropheneinsatz-Teams ist. In der Innenstadt gab es zu diesem Zeitpunkt keine Probleme aufgrund des hohen Wasserstandes.

Anders sei die Situation im Baden-Badener Stadtteil Geroldsau am Wirtshaus „Geroldsauer Mühle“. Dort stehe ein 21 Tonnen schwerer Bagger im Bachbett des „Grobbachs“, wo er in der vergangenen Woche zu Arbeiten für das neue Mühlrad genutzt worden war.

Das Gerät sei über das Wochenende im Bachbett verblieben und am Montagmorgen habe sich der Motor nicht mehr starten lassen. Ab 8.15 Uhr seien dann die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und die DLRG vor Ort im Einsatz gewesen, um den Bagger zu bergen – bislang erfolglos.

In Baden-Baden steht ein 21 Tonnen schwerer Bagger im Bachbett des "Grobbachs“.
In Baden-Baden steht ein 21 Tonnen schwerer Bagger im Bachbett des „Grobbachs“. | Foto: Bühler

„Momentan koordiniert das THW den Einsatz zusammen mit der Baufirma, um den Bagger aus dem Flussbett zu bekommen“, erklärte Seiter. Immerhin stelle das große Gefährt ein Strömungshindernis dar, das das Wasser des Bachs am Abfließen hindere.

Aus diesem Grund entfernen Mitglieder der DLRG sogenannte Gabionen aus dem Bachbett. Die mit Steinen gefüllten Drahtkörbe waren Teil der Baustelle und bildeten nun ein Hindernis für das Wasser. Mitarbeiter der Baufirma und eines örtlichen Gartenbau-Unternehmens brachten währenddessen Sandsäcke um die „Geroldsauer Mühle“ vor dem übertretenden „Grobbach“ zu schützen. Am frühen Nachmittag informierte der Pressesprecher über den Abbruch der Bergung, die für die Mitarbeiter zu riskant geworden sei. Der Bagger verbleibt somit vorerst im Bachbett.

„Der Bagger bleibt erstmal stehen“, sagte auch Martin Weingärtner, Inhaber der Geroldsauer Mühle am Montagnachmittag. Arbeiten in der Baustelle seien sowieso momentan unmöglich.

Man müsse warten, bis die Wassermassen wieder deutlich abgenommen hätten und dann erst mal aufräumen. Der Bau des Mühlrades werde sich deswegen also verzögern.

Es seien riesige Mengen an Wasser gewesen, die am Morgen den Grobbach anstiegen ließen, berichtete Weingärtner. Die Situation habe sich gegen Mittag dann wieder entspannt, nachdem es aufgehört habe zu regnen.

„Wir sind etwas geschwächt in unserem Hochwasserschutz“, sagte er. Nachdem man aber mit Hochdruck Sandsäcke herbeigeschafft und damit zwei Wälle zur Geroldsauer Mühle hin errichtet habe, sei die Situation nicht mehr so dramatisch, wie noch am Vormittag vermutet.

Entwarnung wollte er mit Blick auf den drohenden Dauerregen in der Nacht trotzdem nicht geben.

Das sah Roland Seiter ähnlich. Am späten Nachmittag war der Pegel der Oos wieder soweit gesunken, dass sich der Führungsstab bei der Feuerwehr wieder auflösen konnte.

Trotzdem bleibe die spezielle Infrastruktur angesichts der Wettervorhersage bestehen. Alle Mitglieder seien weiterhin auf Abruf bereit, denn die Unwetterwarnung bestehe noch bis zum Dienstagmittag.

Augenmerk auf Dammkontrollen

Mit einem blauen Auge davongekommen sind die Menschen in der nördlichen Ortenau. Die Rhein-Nebenflüsse Acher und Rench hatten am Vormittag Abflussmengen im Bereich eines zweijährlichen Hochwassers, die Lage entspannte sich aber bereits in der Mittagszeit leicht. Im Unterlauf der Rench bei Rheinau mussten einzelne Dammstellen verstärkt werden. Die Feuerwehren bereiteten sich am Montag dennoch auf eine arbeitsreiche Nacht vor, da für den Abend weitere Niederschläge angekündigt werden. Dabei wird das Augenmerk zunächst auf Dammkontrollen liegen.

Hochwasservorhersagezentrale warnt

Experten der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg vermuten, dass die Wasserstände vereinzelt so stark ansteigen könnten, wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor unwetterartigen Regenfällen mit bis zu 150 Litern pro Quadratmeter im Allgäu und im Nordschwarzwald.

BNN/dpa/fl

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