Erfolgreich ist Thomm Jutz (links, mit Milan Miller beim Bühler Bluegrassfestival 2016) nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Songwriter. | Foto: Margull

Im Kreis der besten Songwriter

Anzeige

 Zum zweiten Mal nach 2017 hat die International Bluegrass Music Association (IBMA) Thomm Jutz für den Award „Songwriter of the Year“ nominiert. Unser Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier sprach mit dem gebürtigen Bühler Gitarristen, Songwriter und Produzenten, der seit dem Jahr 2003 in Nashville/Tennessee lebt und dort ein eigenes Tonstudio betreibt.

Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung, kam diese für Sie überraschend?

Jutz: Ich habe sie erhofft, aber nicht erwartet. Da sehr viele Songs von mir in diesem Jahr von anderen Künstlern aufgenommen wurden, dachte ich schon, dass es passieren könnte. Aber sicher kann man da natürlich nie sein. So gesehen war es dann in gewisser Weise schon auch eine Überraschung, auf jeden Fall.

Die IBMA als internationale Bluegrass-Vereinigung zeichnet jährlich Künstler in verschiedenen Kategorien aus. So gibt es auch sieben Special Awards, darunter den für den Songwriter des Jahres. Was wird damit gewürdigt?

Jutz: Es gibt neben den normalen Bluegrass Music Awards für Instrumentalisten und Vokalisten eine gesonderte Kategorie, die heißt: Special Awards. Damit werden außergewöhnliche Verdienste um die Bluegrass-Musik abseits der Bühne gewürdigt, beispielsweise für Grafik-Design oder Printmedien und eben auch für das Songwriting. Die Awards werden hier nicht von der IBMA-Mitgliedschaft vergeben, sondern von circa 200 Industrie-Professionals, also von Leuten, die in dem Business tätig sind.

Geht es dabei nach den Verkaufszahlen?

Jutz: Nein, nicht unbedingt. Ein IBMA-Mitglied muss einen vorschlagen, dann wird man aufgefordert mitzuteilen, was man im Jahr an Aufnahmen gehabt hat und welche Chartpositionen erreicht wurden. Es geht also allgemein um die Aktivität in der Szene, auch der Bekanntheitsgrad spielt bei der Award-Vergabe eine Rolle.

Thomm Jutz aus Bühl lebt und arbeitet in der Musikmetropole Nashville. | Foto: pr

Können Sie einige Beispiele ihrer Arbeit nennen, die für ihre Nominierung wohl ausschlaggebend waren?

Jutz: Ich hatte dieses Jahre relativ viel Glück mit den Songs „Around The Corner“, „Carolina Any Day“ oder „Even Somebody Like Me“. Auch habe ich selber unter meinem Namen im Oktober ‘ne CD veröffentlicht, die in den Charts war (Anm. d. R. „Crazy If You Let It“). Und so kam eben eines zum anderen.

Wann und wo werden die Gewinner bekanntgegeben und die Awards überreicht?

Jutz: In der letzten Septemberwoche als Teil der IBMA-Konferenz World of Bluegrass in Raleigh/North Carolina, das liegt ungefähr 700 Meilen von Nashville entfernt. North Carolina ist auch ein Staat, wo sehr viel Bluegrass abgeht. Die Award-Show ist Donnerstagabend, und am Mittag gibt es ein Lunch, bei dem die Special Awards ausgegeben werden.

Sie sind selbst vor Ort?

Jutz: Auf jeden Fall, ich bin jedes Jahr dort.

Die Nominierten für den Award. | Foto: pr

Außer Ihnen sind weitere vier Songwriter in dieser Kategorie nominiert: Jerry Salley und Donna Ulisse sowie Becky Buller und Jon Weisberger, die beiden letzteren waren 2006 beziehungsweise 2017 auch schon beim Bluegrass-Festival in Bühl zu erleben. Kennt man sich in der Bluegrass-Szene?

Jutz: Ich bin mit Jon Weisberger sehr gut befreundet und habe zusammen mit ihm viele Songs geschrieben, aber auch alle anderen Nominierten kenne ich sehr gut.

Mit welche Projekten beschäftigen Sie sich momentan?

Jutz: Ich schreibe natürlich die ganze Zeit, habe aber im Moment keine eigene CD geplant. Es war sehr viel los bisher in diesem Jahr, daher bin ich erst mal damit beschäftigt, das fertig zu machen, was ich angefangen habe. Ich arbeite viel für Film und Fernsehen, auch an einer neuen CD mit Eric Brace und Peter Cooper, beides sind Freunde von mir, mit denen ich oft auf Tour bin.

In welchem Verhältnis stehen bei Ihnen das Songwriting und die Live-Auftritte auf der Bühne?

Jutz: Also, ich spiele wesentlich weniger live als früher, wahrscheinlich so 40 bis 50 Konzerte im Jahr. Alles andere ist dann die Arbeit hier in meinem Studio: eigene Songs schreiben und aufnehmen, Aufträge für Film und Fernsehen sowie CD-Produktionen für andere Künstler. Es ist eine angenehme Mischung aus verschiedenen Sachen, das liegt mir und gefällt mit ganz gut so.

Sind Sie auch wieder mal in Deutschland zu hören?

Jutz: Ich bin im November mit meinem Duo-Partner Eric Brace zehn oder zwölf Tage auf Tour in Deutschland …

… auch hier in unserer Region?

Jutz: Das steht noch nicht fest. Eric Brace bucht die Tour, daher weiß ich noch nicht genau, wo die Konzerte sind und ob es eventuell für einen Zwischenstopp in Bühl reicht.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Bluegrass-Szene?

Jutz: Was die USA angeht: Es sind in diesem Jahr viele junge Leute nominiert für die Awards, auch erfreulich viele Frauen. Die Szene wird immer vielseitiger, weil viele jungen Leute die Musik halt etwas anders interpretieren. Das halte ich für gut.

Eine Entwicklung, die sich ja auch im Bühler Bluegrass-Festival spiegelt …

Jutz: Ja, dieses Jahr war Sierra Hull da, eine gute Freundin von mir. Sie macht unglaublich gute Sachen. Allein schon ihre Virtuosität auf der Mandoline ist unglaublich. Sie ist eine von vielen jungen Künstlern, die neue Akzente in die Bluegrass-Musik und auch in das Songwriting einbringen.

Zurück zum Award: Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Jutz: Ich glaube, die Chancen sind relativ gering. Ich bin von allen Nominierten wahrscheinlich derjenige, der am wenigsten bekannt ist. Aber natürlich bin ich sehr froh, nominiert zu sein, egal ob ich dann gewinne oder nicht. Klar, der Award würde mich schon freuen, aber man muss da realistisch sein.
Internet
www.thommjutz.co