Beeren Kontrolle im Nationalpark
Auf Heidelbeerkontrolle gehen Ranger des Nationalparks Schwarzwald, um übermäßiges Sammeln zu verhindern. | Foto: Daniel Müller/Nationalpark

Heidelbeeren im Schwarzwald

Im Schutzgebiet gilt „Pflücken verboten“

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Heidelbeersträucher so weit das Auge blickt – aber alle abgeerntet: Im Bereich der Hornisgrinde sollen Menschen systematisch die Sträucher nach den wilden Beeren durchkämmt haben, berichtet ein Leser, der vermutet, dass diese Beute dann verkauft wird. Das sei nicht nur verboten, sondern schade auch dem Auerwild. Wo darf im Nordschwarzwald überhaupt gepflückt werden? Die Antwort fällt, je nach Gebiet, unterschiedlich aus.

Grundsätzlich dürfen wild wachsende Beeren in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf gepflückt werden. Das gilt jedoch nur für Stellen, die auch betreten werden dürfen, teilt das Landratsamt Ortenaukreis mit. So ist es auch in einem Bereich der Hornisgrinde, nämlich im Naturschutzgebiet Hornisgrinde-Biberkessel, verboten, die Wege zu verlassen; somit dürfen dort weder Beeren noch Pilze gesammelt werden.

Genehmigung für gewerbliches Beeren-Sammeln

Wer gewerblich pflückt, braucht eine Genehmigung durch die Untere Forstbehörde, teilt der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit. Diese Behörde oder die Polizei sei zuständig bei Verstößen in diesem Gebiet, das knapp außerhalb des Nationalparks Schwarzwald liegt. „Wir können nicht beobachten, ob und in welchem Maße Heidelbeeren gesammelt werden“, erklärt Naturpark-Sprecher Stefan Dangel: „Wir haben keine Ranger, die vor Ort auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen achten, und das ist auch nicht unsere Aufgabe.“

Hinweisschilder sollen ergänzt werden

Jedes Naturschutzgebiet werde einmal pro Jahr besucht und überprüft, heißt es auf Anfrage aus dem Regierungspräsidium Freiburg (RP). Schilder weisen auf die Schutzgebiete hin, sie sind als weiße Dreiecke mit grünem Rand und einem schwarzen Vogel bekannt. Diese sollen nun um Tafeln mit konkreten Hinweisen ergänzt werden, so auch zum Sammeln von Beeren und Pilzen, erklärt RP-Sprecher Matthias Henrich: „Teilweise gibt es diese Schilder schon, die meisten kommen jetzt nach und nach dazu.“

Heidelbeeren
Die Hochzeit der Heidelbeeren geht Ende August vorbei, danach werden die Preiselbeeren reif, die aber nicht ganz so häufig gesammelt werden. | Foto: dpa

Verboten ist das Pflücken auch im Nationalpark – aber auch dort kommt es immer wieder vor, dass Beeren in großen Mengen gesammelt werden, sagt der leitende Ranger Urs Reif: „Mit Leuten aus der Region gibt es meistens keine Probleme, aber wir haben immer wieder Gruppen aus Frankreich, die mit Eimern und Fässern kommen.“ Diese suchen immer wieder dieselben Flächen auf, meist in den Morgenstunden, weshalb die Ranger des Nationalparks oft zwischen 6 und 9 Uhr auf Heidelbeer-Kontrollgänge gehen. „Das scheint sich herumzusprechen“, so Reif.

Im Elsass droht mitunter Freiheitsstrafe

In den ersten Jahren hätten die Ranger bei Verstößen nur das Gespräch mit den Verursachern gesucht, mittlerweile würden bereits Beeren konfisziert oder auch Verwarnungsgeld verhängt, wenn Menschen unerlaubt mit Fahrzeugen im Nationalpark unterwegs seien. Das komme aber eher selten vor. Im benachbarten Elsass wird übermäßiges Sammeln derweil härter bestraft, wie es in der Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace hieß: Wer mehr als fünf Liter Beeren pro Person und Tag sammelt – in Schutzgebieten drei Liter – muss 135 Euro bezahlen; mehr als zehn Liter werden als Diebstahl angesehen und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und einer Geldbuße von 45 000 Euro geahndet.

Auerhühner mit Nachwuchs werden gestört

Das Problem beim Beerensammeln im Nationalpark ist nicht, dass es zu wenig Beeren gibt, sondern viel mehr, dass diese an Stellen wachsen, wo gern die Auerhühner mit ihren Küken unterwegs sind, erklärt der Chef-Ranger. „Wenn sie gestört werden, strömen die Jungen in verschiedene Richtungen weg. Es dauert, bis sie wieder eingesammelt sind“, so Reif. In dieser Zeit fressen sie nicht, und darunter könne der Aufbau des Winterspecks leiden. Hinweisschilder würden im Park nach und nach weiter aufgestellt, auch mehrsprachige.

Hintergrund: Wildbeeren
Die Saison der Heidelbeeren – auch Blaubeeren genannt – im Höhengebiet geht bereits dem Ende zu, ihre Hochzeit ist im Juli und August. Danach sind die Preiselbeeren reif, die auch gesammelt werden, aber deutlich weniger, so der leitende Ranger im Nationalpark Schwarzwald, Urs Reif. Daran schließt sich die Pilzsaison an.
Wer ans Beerenpflücken denkt, dem fällt oft auch der Fuchsbandwurm ein. „Das ist ein Thema, wird aber oft übertrieben“, findet Reif: Füchse seien nicht nur im Wald, sondern überall unterwegs, zum Beispiel in Erdbeerfeldern in der Rheinebene.