Auf die Probe gestellt: Milan Toups und Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz analysieren im Labormobil Wasser aus der Region. | Foto: pf

Wasseranalyse im Labormobil

In Achern ist alles im grünen Bereich

Anzeige

Eine Wasseranalyse bietet der Verein VSR-Gewässerschutz seinen Kunden an 120 Informationsständen pro Jahr an. Dabei werden von diesen mitgebrachte Wasserproben in speziellen Laboren unter anderem auf ihren pH-Wert, Bakterienvorkommen, Nitrat- und Nitritwerte untersucht. Am Montag hat das Labormobil wieder einmal Halt in Achern gemacht.

„Ist ein bisschen wie in der DDR hier“, amüsiert sich ein Kunde über die lange Schlange, die sich vor dem Labormobil des VSR-Gewässerschutzes auf dem Rathausplatz in Achern gebildet hat. Es ist meist Wasser aus eigenen Brunnen, dessen Qualität die Kunden des gemeinnützigen Vereins prüfen lassen wollen.

Garten-Brauchwasseruntersuchung beliebt

Die Mehrheit von ihnen, die ihr Wasser vornehmlich in Plastikflaschen abgefüllt auf die Probe stellen lässt, interessiert sich für die sogenannte Garten-Brauchwasseruntersuchung des Vereins, die Nitrat- und Eisengehalt, das Vorkommen von Kolibakterien und coliformen Keimen, pH-Wert sowie die Leitfähigkeit des Wassers misst. Die Untersuchung ist zwar etwas teurer als die Gießwasseruntersuchung ohne Bakterienanalyse, für viele Kunden, so auch für eine Frau aus Oberachern, sind „die paar Euro mehr“ aber gut angelegtes Geld. Zumal laut Harald Gülzow, Vereinsvorsitzender und Ansprechpartner vor Ort, eine Untersuchung nur alle drei Jahre notwendig ist, sofern keine strukturellen Veränderungen der unmittelbaren Umwelt eingetreten sind.

Verein 1981 gegründet

„Dass die da her fahren“, wundert sich eine andere Kundin über die Adresse auf dem Labormobil: 47608 Geldern. In der nordrhein-westfälischen Stadt südlich von Kleve entstand der „Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse“ (VSR) 1981 zunächst aus verschiedenen Bürgerinitiativen und erweiterte über die Jahre seinen Tätigkeitsbereich auf das Gebiet zwischen Oberrhein, Nordsee und Oder.

Messungen von Ostern bis Oktober

„Von Ostern bis Oktober haben wir ungefähr 120 Informationsstände“, sagt Harald Gülzow, bei dem nach Achern Stauffen und Germersheim auf dem Fahrplan stehen. Der ausgebildete Physiker, der damals über die Messgerätentwicklung zur privaten Wasseranalyse kam, wird bei seiner Arbeit von Milan Toups unterstützt, der seit vergangenem Jahr seinen Bundesfreiwilligendienst beim VSR macht.

Die Nachfrage beim Labormobil des VSR-Gewässerschutz in Achern war auch dieses Jahr hoch, wenn auch nicht so hoch wie im Vorjahr. | Foto: pf

Labore in Geldern und Jena

Während Gülzow noch plastikverpacktes Brunnenwasser annimmt und seine Kunden berät, macht sich Toups an die fünf Proben, die für die sogenannte kleine Gießwasseruntersuchung abgegeben wurden. Diese bekommen die Kunden nämlich noch am gleichen Tag zurück, alle anderen landen entweder im dem Verein angeschlossenen WaBoLa-Labor in Geldern oder wandern zum Eurofins-Labor nach Jena. Innerhalb von zwei Wochen werden die Kunden dann per Post über die Wasserqualität informiert.

Weniger Proben als im vergangenen Jahr

„Das werden so hundert sein“, meint Gülzow mit Blick auf die Wasserflaschen. Im vergangenen Jahr wurden in Achern mit 246 Stück weitaus mehr Proben abgegeben. „Da war der Teufel los“, erinnert sich Gülzow. Die Wasserqualität in der Ortenau, das verrät auch die Deutschland-Grafik des Vereins, liegt buchstäblich im grünen Bereich. Rot eingefärbte, deutsche Problemzonen finden sich vermehrt in Rheinhessen oder Sachsen-Anhalt, wo die extensiv betriebene Landwirtschaft eine entsprechende Nitratbelastung nach sich zieht.

Gute Bilanz in Achern

Auch die Bilanz der Acherner Messungen im vergangenen Jahr kann sich sehen lassen: Nur vier Proben haben den Nitrat-Grenzwert von 50 Milligram pro Liter überschritten und auch der Spitzenwert lag lediglich bei 69 Milligramm pro Liter. Bei vier Brunnen war außerdem eine „fäkale Belastung“ festzustellen, die Harald Gülzow zufolge von einem defekten Abwasserrohr stammen könnte. Auf die Nachfrage des ABB, ob Trends in den Wasserwerten erkennbar seien, erklärt Gülzow, dass der Nitratwert bis zur Jahrtausendwende gesunken und danach wieder angestiegen sei. Einen Grund, das mag zunächst etwas verwundern, sieht Gülzow „in der Energiewende“. Und zwar wegen der Gärreste bei Biogasanlagen. Eine Begrenzung für deren Menge sei erst vor zwei Jahren festgelegt worden.