Zwischen Altschweier und Eisental entblättert Oswald Schmidt seine Rebstöcke. Die Trauben können dadurch schneller abtrocknen und sind weniger botrytisgefährdet. | Foto: Bernhard Margull

Gelassen in den Herbst

Affentaler Winzer sind zufrieden mit bisheriger Reifeentwicklung

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Es ist nicht mehr lange bis zum Herbst. Noch kann das Wetter manchen Erwartungen ein böses Spiel liefern, aktuell aber sieht es für die Affentaler Winzer insgesamt gut aus. Sie können nach zwei eher schwierigen Jahren vergleichsweise gelassen dem Herbst entgegensehen.

Deutlich entspannter als in den vergangenen beiden Jahren können die Winzer dem Herbst entgegensehen. 2017 hatte es durch einen heftigen Frühjahrsfrost Einbußen gegeben, und im vergangenen Jahr waren durch die anhaltende Trockenheit doch einige Schwierigkeiten zu meistern gewesen; nun aber kann Ralf Schäfer, der Geschäftsführer der Affentaler Winzer eG, von einer normalen Reifeentwicklung sprechen: „Mit Schädlingen haben wir nicht großartig zu kämpfen. Es sieht gut aus, alles in allem liegen wir im Korridor dessen, was man Mitte August erwarten darf.“

Sonnenbrand aufgetreten

Ganz ohne Misshelligkeiten ist die Vegetationsphase aber doch nicht abgelaufen. Im Frühjahr sei „hier und da“ ein gewisser Pilzdruck entstanden, der aber durch einen ordnungsgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Griff zu bekommen gewesen sei. Augenfällig ist derzeit eine andere Erscheinung: Wer in den Reben unterwegs ist, kann an manchen Stellen Trauben erkennen, die „wie nach einem Hagelschlag aussehen“, beschreibt es Schäfer.

Hagel hat es nicht gegeben, bei den Schäden handelt es sich um Sonnenbrand. Die Hitzebelastung sei für diese Trauben zu stark gewesen. Je nach Lage und Sorte sei dieses Phänomen stärker aufgetreten und könne den Ertrag etwas beeinflussen, der Riesling beispielsweise zeigte sich dafür anfälliger als etwa die Rotweinsorte Merlot. Betroffen seien vor allem die nach Westen ausgerichteten äußersten Rebzeilen am Wegesrand: „Da hat an den Tagen, an denen wir an der 40-Grad-Grenze kratzten, die Sonne auch am Abend noch freie Fahrt gehabt“, sagt der Geschäftsführer der Genossenschaft.

Durch zu hohe Temperaturen ist in manchen Anlagen Sonnenbrand aufgetreten. Foto: Margull

Beim Wasser war’s kritisch

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, so war doch auch die Wasserversorgung ein Thema. Die Trockenheit im vergangenen Jahr hatte die natürlichen Depots massiv schrumpfen lassen. „Wir hatten über den Winter dann relativ wenig Niederschlag, weshalb die Wasserdepots im Untergrund nicht aufgefüllt werden konnten“, sagt Schäfer. Und so sei es während der Vegetationsphase tendenziell zu trocken gewesen, und einzelne Winzer hätten bereits damit begonnen gehabt, Wasser in die Reben zu fahren: „Wir waren bei der Wasserversorgung kurz vor einer kritischen Situation. Der Regen ist dann gerade noch rechtzeitig gekommen und war Gold wert.“

Das Wetter ist auch in den bis zur Lese ausstehenden Wochen noch von großer Bedeutung. Wünschenswert wäre aus Winzersicht ein Mix aus wärmender Sonne und hin und wieder einem Regen, Dauerregen wäre ebenso schlecht wie anhaltende Trockenheit, weiß Schäfer. Dabei ist ihm bewusst, dass das vom Himmel fallende Wasser nicht bis zur Wurzel vordringt, aber gerade die jüngeren Anlagen profitierten doch vom Regen.

Letzte Arbeiten

Aktuell sind in den Rebanlagen noch einige kleinere Arbeiten zu erledigen. In jüngeren Anlagen könne vielleicht auch eine Ertragsreduzierung notwendig sein, meint Schäfer. Vielfach sei schon entblättert worden, mancherorts werde aber das Laub noch entfernt. Mancher Winzer beschränkt sich dabei indes darauf, dies in den eher schattigen Bereichen zu tun, um die Trauben nicht doch noch der Sonnenbrandgefahr auszusetzen. Es ist auch eine Abwägungsfrage: „Bleiben zu viele Blätter dran und es wird heiß und nass, könnte das zu einem Fäulnisprozess führen“, so Ralf Schäfer.

Ansonsten gilt es die kommenden Wochen abzuwarten. Vor dem Zwetschgenfest werden traditionell die Trauben für den Federweißen gelesen. Darüber hinaus gebe es noch keine Festlegungen, die Hauptlese beginne auf jeden Fall erst nach dem Zwetschgenfest. Ein vergleichsweise normales Jahr eben, wie Schäfer festhält: „So soll es auch sein.“