Ein wachsendes Problem: Immer mehr Wildschweine sind in der Ortenau unterwegs. Ihnen gefällt das Klima, und den Jägern weichen sie schlau aus. | Foto: Mirgeler

Problem für Landwirte

In der Ortenau gibt es immer mehr Wildschweine

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Die Wildschweine breiten sich in der Ortenau aus. Das liegt an warmen Wintern und riesigen Maisfeldern zugleich. Die Jäger schauen oft in die Röhre, der Abschuss des vergangenen Winters war nicht der Rede wert. Die Tiere sind schlau und weichen der Jagd geschickt aus.

Sie kamen mit dem Klimawandel, sagt Rainer Hempelmann. Sei sicherlich 10 bis 15 Jahren, so der Kehler Kreisjägermeister, hat die Zahl der Wildschweine in der Region rasant zugenommen. Und die Jäger sind einigermaßen ratlos, wie sie den schlauen Tieren den Garaus machen sollen.

Es häufen sich die Klagen von Landwirten und nicht zuletzt von Winzern über die massiven Schäden in ihren Anlagen. Und nicht nur dies.

Als im vergangenen Jahr im Taubergießen ganze Wiesen mit wertvollen Orchideen umgegraben und die Pflanzen sorgfältig entfernt wurden, hatte die Polizei zunächst dreiste Langfinger im Auge. Sie beobachtete die einschlägige Internetportale – ob die teuren Zwiebeln auftauchen würden. Taten sie aber nicht, denn die waren zwischenzeitlich, wie die Polizei nach längerer Recherche herausfand, einen ganz anderen Weg gegangen: durch den Verdauungstrakt einer Wildschweinrotte.

70 Tiere zur Strecke gebracht

Doch der Versuch, ihre Population wieder auf ein für Natur und Menschen erträgliches Maß zurückzudrängen ist bislang gescheitert. 70 Tiere wurden im vergangenen Winter im gesamten Bereich der Kreisjägervereinigung Kehl-Achern zur Strecke gebracht. Das sei, so räumt der Kreisjägermeister ein, nicht viel mehr als „ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

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Das Problem dabei: Die Schäden, die die Tiere in der Landwirtschaft anrichten, sind eine Seite der Medaille. Eine ganz andere ist die Frage, welche Rolle sie bei einem möglichen Ausbruch der afrikanischen Schweinepest spielen würden. Denn sie sind Überträger des Erregers, der auf diesem Weg auch in die Ställe kommen könnte. „Eine Dezimierung des Bestands ist ein schwieriges politisches Thema“, sagt Rudolf Span vom Veterinäramt des Ortenaukreises.

Wildschweine im Verdacht: Dietmar und Silke Keil machten auf den „Orchideendiebstahl“ aufmerksam. | Foto: red

Allerdings sei klar: Weniger Wildschweine würden auch die Gefahr reduzieren, dass die Seuche in die Bestände der Hausschweine eindringt,  was massive wirtschaftliche Folgen hätte, da viele Länder mit einem Importverbot für deutsches Schweinefleisch reagieren würden.

Revierübergreifende Jagden

„Die Jägerschaft ist sensibilisiert“, sagt Rainer Hempelmann. Man werde die revierübergreifenden Drückjagden ausweiten. Die sind die einzige Möglichkeit, den Tieren beizukommen, sagt auch der frühere Landrat Klaus Brodbeck, der eine  solche Jagd im vergangenen Jahr organisiert hatte: „Die Schweine lernen sehr schnell, und wenn die Jäger kommen, verdrücken sie sich einfach ins Nachbarrevier“.

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Dies und die riesigen Maisbestände im Kreis haben die Population immer weiterwachsen lassen. „Der Mais ist für die Tiere Wohnzimmer und Esszimmer in einem“, wenn die in einem mehrere Hektar großen Maisfeld seien „haben die keinen Anlass herauszukommen“, so Hempelmann. Dazu komme: Früher hätten strengere Winter die Zahl der Frischlinge massiv dezimiert, die Jungtiere seien erfroren oder verhungert.

Warme Winter und Mastjahre

Das aber gibt es praktisch nicht mehr, die Winter seien warm, die Sommer ergiebig für die Nahrungssuche. Früher habe es etwa alle sieben Jahre sogenannte Mastjahre im Wald gegeben, mit Unmengen an Eicheln und anderen nahrhaften Früchten. Die Abstände aber seien immer kürzer geworden – paradiesische Zustände für die Schwarzkittel, die sich rasant vermehren. Das sehen auch die Jäger: „Es herrscht zu 99 Prozent Einigkeit, dass es zu viele Tiere sind“, sagt Hempelmann.