George Clooney war einer der illustren Empfänger des Medienpreises, den Karlheinz Kögel gestiftet hat. | Foto: dpa

Ist der Medienpreis ein Auslaufmodell?

Wenn das olympische Motto „schneller, höher, stärker“ von Pierre de Coubertin auch für Karlheinz Kögel gilt, dann hat der Deutsche Medienpreis in diesem Jahr ein Problem: Wie will man auch nur annähernd an den letztjährigen Preisträger Barack Obama anknüpfen? Jener war als US-Präsident nicht nur der mächtigste Mann der Welt, er war auch ein Sympathieträger sondergleichen. Und Baden-Baden, dem Spielort der vom dortigen Unternehmer Kögel erfundenen Auszeichnung, hat Obama zu frischer globaler Publizität verholfen. So wie andere vor ihm seit 1992.

Auch Fußball-Nationaltrainer Jogi Löw kam bereits in den Genuss des Medienpreises. Die Laudatio hielt damals Bundesminister Peter Altmaier. In der Bildmitte Preisstifter Karlheinz Kögel. | Foto: dpa

Gerüchte machen die Runde

An der Oos sind sie in diesem Jahr schon froh, wenn die Medienpreis-Sause überhaupt wieder stattfindet. Denn nicht totzukriegen ist das Gerücht, das Hochglanzformat um Medienschaffende und ihr dekoratives Begleitpersonal könnte heuer pausieren. Man liest von der Befürchtung in den üblichen Filterblasen des Netzes; von dort hat sie auch ihren Weg ins analoge Hier und Jetzt gefunden. Baden-Baden ohne Medienpreis? Es wäre wie Schwarzwälder Kirschtorte ohne alkoholischen Geist. Oder wie das Casino ohne Jetons. Denn – soviel ist nicht nur Skeptikern klar: Eine Medienpreis-Pause würde die Wahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen, dass dauerhaft Schluss wäre mit der Schaulauf-Veranstaltung.

Rückzug von L’tur

Ein Rückzug Kögels scheint der eingeborenen Seniorin, die gerade im Café König Hof hält, nicht unplausibel. Schließlich werde auch der Chef des Unternehmens Media Control nicht jünger, gibt sie zu bedenken. Und von seinem Anteil am Tourismus-Unternehmen L’Tur habe sich der frühere Reiseschnäppchen-König ja auch zurückgezogen. Gut möglich also, dass etwas dran sei an den Ondits im Oostal.
Solche Gerüchte sind Lars Niedrée ein Graus. Er ist Sprecher von Media Control und redlich bemüht, allfällige Befürchtungen zu zerstreuen. Die Reaktion des Kögel-Sprachrohrs lässt aber zumindest darauf schließen, dass die Ausfall-Gerüchte auch bis an sein Ohr gedrungen sind.
Schon im vergangenen Jahr sei man relativ spät dran gewesen mit dem Medienpreis, sagt er. Die Botschaft: Es ist alles im grünen Bereich. Viel mehr sagt er aber auch nicht. Eine offizielle Aussage darüber, ob die Glamour-Verlustierung auch in diesem Jahr gegeben wird oder vielleicht doch nicht: Fehlanzeige. Baden-Badener, die gemeinhin gut informiert sind, lassen die BNN jedoch wissen: Man rechne doch sehr stark damit, dass Kögel auch jetzt wieder den Roten Teppich ausrollen wird.

Der Dalai Lama brachte als Preisträger tibetische Spiritualität und Heiterkeit an die Oos | Foto: dpa

„Wahnsinnige Strahlkraft“

Aus Sicht der Baden-Badener Tourismuschefin Nora Waggershauser wäre alles andere auch kaum vorstellbar. Der Medienpreis habe schließlich eine „wahnsinnige Strahlkraft“, schwärmt sie. Zwar kann die oberste Touristikerin an der Oos die unmittelbar daraus generierte Wertschöpfung nicht beziffern. Der Umsatz durch Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche, Taxifahrten oder den Last-Minute-Erwerb von rauschender Abendkleidung ist wohl aber auch nicht das Entscheidende. Eher ist es die mediale Durchdringung, bei der neben dem Medienpreis-Träger die Stadt Baden-Baden selbst die zweite Hauptrolle spielt. Im Nachgang schwärmen dann regelmäßig die üblichen Verdächtigen unter den Hochglanz-Zeitschriften von dem urbanen Kleinod im Oostal, das Fernsehen berichtet, und die Fotostrecken der herausgeputzten Gäste vor der traditionellen Medienpreis-Tapete werden im Netz zu viralen Hits. „Das alles ist ein Imagefaktor von immensem Wert“, bekräftigt Nora Waggershauser. An ein Ende der lukrativen Party will sie am liebsten nicht denken.

Der frühere US-Präsident Barack Obama war vielleicht der bislang hochkarätigste Preisträger. | Foto: dpa

Viele Hochkaräter

Auch wenn die Bäderstadt als Kulisse hochkarätiger Society-Termine verwöhnt ist, zahlt der Deutsche Medienpreis doch seit 1992 regelmäßig auf das Publizitäts-Konto der Stadt und der Region ein. Weder die stets in der kalten Jahreszeit wiederkehrende Veranstaltung um den „Sportler des Jahres“ im Kurhaus noch die für den heutigen Samstag anberaumte „Gala Spa Awards“ in Brenner’s Park Hotel haben eine vergleichbar hohe Bedeutung. Und politische Gipfeltreffen wie die der G-20-Finanzminister im vergangenen Jahr oder der Nato-Gipfel 2009 dominieren zwar kurzfristig alle Nachrichtenkanäle. Doch ist bei ihnen auch das Verdruss-Potenzial für die Anwohner erheblich, da sich die halbe Stadt in einen Sicherheitsbereich verwandelt. Ganz abgesehen davon, dass nicht jeder Politiker ähnlich sexy findet wie Königin Maxima, George Clooney, Bono oder den Dalai Lama.
Womit also wieder die altbekannte Spekulation um den diesjährigen Träger des Medienpreises im Raum stünde – sofern dieser entgegen allen Gerüchten tatsächlich verliehen wird. Die einheimische Seniorin im Café König hätte da einen ambitionierten Wunsch: Emmanuel Macron. Der französische Staatspräsident sieht gut aus, sagt sie, „und er hätte keine weite Anreise.“

Der Unternehmer Kögel

Das Unternehmertum liegt dem in Waldshut geborenen Karlheinz Kögel (71) im Blut – sein Vater war dort Sägewerkbesitzer. Kögel machte zunächst eine Schreinerlehre, studierte einige Semester Betriebswirtschaft und volontierte dann beim damaligen Süddeutschen Rundfunk. 1970 startete er als Moderator der Sendung „Pop-Shop“ des Südwestfunks und kam seinerzeit auf die bahnbrechende Idee, in Baden-Baden media control zu gründen – Medien werden analysiert, Charts erstellt. Ende der 70er stieg Kögel ins Reisegeschäft ein („Medico“), 1987 folgte der auf Last-Minute-Reisen spezialisierte heutige europäische Marktführer L’TUR.
L’TUR gehört mittlerweile komplett dem Hannoveraner TUI-Konzern und will zum November mit seiner Zentrale von Baden-Baden nach Rastatt umziehen. Kögel ist aber nach wie vor Chef der media control GmbH in Baden-Baden und des Last-Minute-Anbieters HLX Touristik GmbH (Motto: „Günstiger ist nix“), der ebenfalls an der Oos seinen Sitz hat.
Der Medienunternehmer engagiert sich darüber hinaus: Er gehört wie beispielsweise Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold und Ex-BDI-Chef Michael Rogowski zu den Gründern der Frankfurter „Rantum Capital“-Gruppe, deren Geschäftsführer der in Ettlingen aufgewachsene Ex-Morgan-Stanley-Deutschland-Chef Dirk Notheis ist.

 

Der Medienpreis

Seit 1992 wird der Deutsche Medienpreis in Baden-Baden vergeben. Ausgezeichnet werden Personen, „die in einem Jahr die Gesellschaft oder die Politik prägend beeinflusst haben“ oder die „der Zeitgeschichte einen prägenden Stempel gegeben“ hat. Bisherige Preisträger waren etwa Helmut Kohl (1993), Nelson Mandela (1998), Bill Clinton (1999), Steffi Graf und Andre Agassi (2007), Angela Merkel (2009), George Clooney (2012) oder Joachim Löw (2014).
Der Preis selbst kommt aus der Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika. Die handgeformte, bemalte Figur auf einem Marmorsockel wird jedes Jahr eigens hergestellt, in etwas veränderten Formen und Farben. Der Künstler Roland Junker hatte die Skulptur einst geschaffen.