Die Ausgleichsfläche an der Infrastrukturstraße: Nach der „Abholzaktion“ durch einen benachbarten Betrieb ist eine Neugestaltung nicht ohne weiteres möglich. Grund ist das Vorkommen des übergriffigen Japanischen Staudenknöterichs. | Foto: Roland Spether

Nach Kahlschlag in Biotop

Japanischer Knöterich bremst Naturschutz in Achern aus

Anzeige

Eigentlich schien alles ganz einfach: Im Fall des abgeholzten Biotops auf einer Ausgleichsfläche im Acherner Gewerbegebiet Mittelmatten könnte der Verursacher problemlos zur Erneuerung der Bepflanzung verdonnert – und der Rest der Natur überlassen werden. Daraus wird erst mal nichts: Auf dem Gelände an der viel befahrenen Infrastrukturstraße hat sich der Japanische Staudenknöterich häuslich niedergelassen.

Er verdrängt durch seine enorme Wuchskraft einheimische Pflanzen, seine Wurzeln müssen vor einer Neubepflanzung des Biotops zunächst wohl mühsam ausgebuddelt werden.

Mehr zum ThemaKahlschlag auf Ausgleichsfläche erzürnt Naturschützer

Rückblende: Die im Besitz der Stadt stehende Ausgleichsfläche geht auf eine aus dem Jahr 1997 stammende Planung zurück. Der nach detaillierten Vorgaben eines rechtskräftigen Bebauungsplans entstandene Bewuchs wurde – wie berichtet – mehrmals ohne Rücksprache mit dem Rathaus weitgehend beseitigt. Zuletzt im Januar diesen Jahres.

Freie Sicht auf Gewerbebetrieb

Als Verursacher machte die Stadt einen benachbarten Gewerbebetrieb aus, der auf diese Weise die freie Sicht auf sein Gelände wiederherstellen wollte. Doch das ist, wie sich herausstellte, noch nicht alles: Eine Überprüfung des Grenzverlaufs durch einen vermessungstechnischen Sachverständigen machte nun deutlich, dass nicht nur ein Container teilweise auf städtischen Gelände steht, sondern dass auch bei der Aufschüttung einer Böschung die Ausgleichsfläche tangiert wurde. Schlimmer noch: In diesem Zusammenhang hielt auch der unerwünschte Knöterich Einzug. Bei der Stadtverwaltung geht man nämlich davon aus, dass das Aufschüttungsmaterial Wurzelreste des Neophyten enthielt, der sich nun „massiv in der Fläche ausbreitet“.

Ausführliche Stellungnahme

Der Fall beschäftigt mittlerweile auch die Gemeinderäte. Dabei geht es unter anderem um die Forderung der Grünen-Fraktion nach Wiederanpflanzung entsprechend der ursprünglichen Vorgaben. Außerdem legte die Stadtverwaltung in einer außergewöhnlich ausführlichen Stellungnahme den komplexen Sachverhalt dar. Die im Januar erfolgte Abholzung sei letztlich Folge einer „Fehlinterpretation“ seitens der Firma.

„Massiver Eingriff“ zu erwarten

Keinen Zweifel lässt man im Rathaus daran, dass die Ausgleichsfläche wieder bepflanzt werden muss. Zuvor jedoch soll der unerwünschte Staudenknöterich so rasch wie möglich nachhaltig entfernt werden: „Da müssen wir mit schwerem Gerät ran“, fürchtet Bürgermeister Dietmar Stiefel mit Hinweis auf die tief wurzelnden Pflanzen. Auch wenn das letztlich zu einem „massiven Eingriff“ in die Ausgleichsfläche führen würde.

Verursacher in der Pflicht

Für die Stadtverwaltung ist klar, wer in dieser Hinsicht den Schwarzen Peter hat: Die Verursacher der Kontamination sollen die Beseitigung des ökologisch unerwünschten Knöterichs in Auftrag geben – natürlich muss auch die Container-Bebauung der Grundstücksgrenze rückgängig gemacht werden.

Maschinelle Pflege soll möglich sein

Parallel dazu will man im Rathaus einen Plan zur Neugestaltung der Ausgleichsfläche ausarbeiten. Dabei sollen die Pflanzen so angeordnet werden, dass eine maschinelle Pflege ermöglicht wird. Wie es weiter heißt, sollen die Pflege- und Unterhaltungsarbeiten im gesamten Gebiet künftig ausschließlich durch die Stadt erfolgen. Angesichts der Erfahrungswerte der vergangenen Jahre hält man es nicht für „sinnvoll“, diese Maßnahmen den benachbarten Firmen zu überlassen – auch nicht in reduziertem Umfang“. Dankbar wäre man allerdings, wenn sich diese Firmen an der Beseitigung des immer wieder auf der Ausgleichsfläche anfallenden Mülls beteiligen würden.

 

Kommentar
Der japanische Staudenknöterich hat als invasiver Neophyt in unseren Breiten nichts zu suchen. Mit ihrem ungezügelten Wachstum bedroht die asiatische Zierpflanze die Ökosysteme.
Gemäß der japanischen Heilkunst liefern die Wurzeln eine Tinktur, die Blutdruck und Cholesterin senken soll. Doch genau diese Wurzeln haben eine problematische Eigenschaft: Werden sie verletzt oder abgebrochen, können aus kleinsten Stücken wieder neue Pflanzen austreiben. Genau das ist offenbar bei der Aufschüttung einer Böschung im Gewerbegebiet „MIttelmatten“ passiert. Das hat Konsequenzen für die benachbarte Ausgleichsfläche: Erst der nicht genehmigte Kahlhieb des Biotops und nun der Knöterich. Für dessen Beseitigung kommt nun schweres Gerät zum Einsatz.
Auch wenn die Ausgleichsfläche zwischen Straße und Gewerbegebiet kaum mehr als ein ökologisches Feigenblatt dient – in dieser Geschichte scheint einiges gewaltig aus dem Ruder gelaufen zu sein. Keine Frage, dass der in einem rechtsgültigen Bebauungsplan vorgeschriebene Zustand wieder hergestellt werden muss. mm