Bernhard Löffler ist als künstlerischer Leiter für das Jazztival-Programm verantwortlich. | Foto: Klaus-Peter Maier

Vom 14. bis 17. November

Jazztival in Bühl mit neuen Klangerlebnissen

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„Harp meets Jazz“ heißt vom 14. bis 17. November das Motto des Jazztivals, das von der Stadt Bühl im Zweijahresturnus ausgerichtet wird. Unser Redaktionsmitglied Klaus-Peter Maier sprach mit Bernhard Löffler, dem künstlerischen Leiter, über das Konzept und Programm dieser elften Auflage.

Das Bühler Jazztival trägt erstmals Ihre Handschrift. Mit welchen Vorstellungen und Zielen sind Sie an die Programmgestaltung herangegangen?

Löffler: Zum einen habe ich mir natürlich schon angeschaut, was in den Vorjahren war. Aber irgendwas nachzumachen ist immer schwierig. Insofern war es für mich wichtig, zum einen eine Dramaturgie zu haben, die sich durch das Festival zieht, und zum anderen ein Programm, das man nicht alle Tage hört. Der internationale Gedanke war mir wichtig, dass also das Programm international besetzt wird – und dies ist, glaube ich, gelungen. Das Festival soll aber auch in den Sozialraum Stadt hineinwirken, beispielsweise durch die Inklusionsangebote mit der Veeh-Harfe und die Kinderkonzerte, es macht sich erstmals für die Seniorenarbeit stark und öffnet sich für eine ganz neue Zielgruppe, auch mit dem Jazzgottesdienst.

„Harp meets Jazz“ heißt das Motto dieser 11. Auflage. Ist die Harfe im Jazz, ja generell in der Musik, ein zu wenig beachtetes und damit ein zu wenig geschätztes Instrument?

Löffler: Generell glaube ich das nicht. Ich habe schon seit langem beobachtet, dass sich im Jazz da einiges tut, auch über den Instrumentenbau mit speziellen E-Harfen. Es hat sich eine Szene formiert, die die Jazzharfe in den Mittelpunkt stellt, die andere Klänge ausprobiert, mit Loops und Elektronik arbeitet. Da habe ich gesagt, das ist doch ein spannender Aspekt. Und zudem: Harfe haben wir auch an der Bühler Musikschule noch nicht. Vielleicht können wir den ein oder anderen Schüler begeistern, hier einzusteigen. Es war somit auch ein kontextualisiertes Herangehen mit dem Hintergedanken, über die Veeh-Harfe, die eh ein neues Fach an der Musikschule wird, in Zukunft eventuell auch Harfenunterricht anzubieten, wenn der Bedarf da ist.

Die Harfenistin Evelyn Huber gastiert mit dem Sirius Quartett New York. | Foto: pr

Jazzmusik auf der Harfe – wie groß ist die Bandbreite beim Jazztival?

Löffler: Park Stickney ist ja der Vertreter schlechthin der Jazzharfe. Evelyn Huber wiederum, die ansonsten mit Quadro Nuevo alle möglichen Jazzstile präsentiert, lotet in der Konstellation mit dem Sirius Quartett nochmal eine neue Facette aus. Sie gibt zusammen mit dem Streichquartett aus New York deutschlandweit an die zehn Konzerte. Wir haben eins davon, das ist schon was Besonderes. Kathrin Pechlof wiederum arbeitet mit vielen bekannten Jazz-Musikern zusammen und hat durch ihre besonderen Improvisationen eine ganz eigene Tonsprache entwickelt. Natürlich ist die Auswahl ein Wagnis und nicht Mainstream, aber ich will schon etwas Neues wagen. Und wenn man auf die Namen und Karrieren der gastierenden Künstler schaut, muss sich das Jazztival 2019 nicht vor dem Vergangenen verstecken.

Park Stickney gilt als die Nummer eins an der Jazzharfe. | Foto: pr

Wollen Sie das Jazztival weiter öffnen für andere Bereiche und Instrumente, die ansonsten im Jazz weniger eine Rolle spielen?

Löffler: Das Öffnen als solches finde ich sowieso spannend. Dass man fragt: Was geht denn eigentlich? Aber es ist ja nicht jedes Konzert nur Harfe. Wir haben den Jazzchor Freiburg dabei und die Big Band des Bundespolizeiorchesters München. Die Harfe zieht sich zwar durchs ganze Festival, aber auch die anderen Bereiche werden beispielsweise mit Saxofon oder Vibrafon auch abgedeckt.

Wie ordnen Sie das Konzert der Big Band des Bundespolizeiorchesters München ein?

Löffler: Musikalisch ist es Mainstream, was diese Band spielt. Das Schöne an dem Zusammenkommen ist, dass es ist ein reines Benefizprojekt ist und der Erlös in den Sozialraum der Stadt hineinfließt. Die ganzen Gelder bleiben alle hier und werden für soziale Zwecke, für Bläserausbildung und Jazzausbildung eingesetzt. Ein Teil geht auch an die Lebenshilfe. Deshalb die besondere Bitte an das Publikum, dieses Konzert auch anzunehmen.

Kathrin Pechlof steht sowohl mit ihrem eigenen Trio als auch mit der Bühler Big Band Brass & Fun auf der Bühne. | Foto: David Beecroft

Die Bühler Big Band „Brass & Fun“ steht beim Jazzbrunch mit Kathrin Pechlof auf der Bühne. Eine Uraufführung steht auf dem Programm. Wie kam es dazu?

Löffler: Eines sollte so ein Festival immer auch haben: nämlich Neues zu schaffen. Und so war die Idee meinerseits, wirklich etwas Exklusives zu machen, wohl auch wissend, dass es genau in dem Bereich gar nicht so viele Kompositionen gibt. Es gibt in früheren Jazzstilen schon mal die Harfe als Begleitinstrument, aber als Soloinstrument eigentlich gar nicht. Doch wenn man die Harfe geschickt einsetzt, wie bei dem Stück von Nils Klein, kann man sie durchaus als Soloinstrument platzieren. Nils Klein ist ein Kölner Komponist, der eine Professur in Hamburg hat, der zusammen mit Jiggs Whigham das Bundesjugendjazzorchester leitet und in der Szene wirklich einen Namen hat. Klein und Pechlof haben schon mehrmals zusammengearbeitet, und so lag es nahe, sie für das Konzert in Bühl anzufragen. Das wird schon spannend und ist für uns alle eine Herausforderung – und so soll es ja auch sein.

Wie kann das Jazztival in Zukunft seinen Platz neben anderen Festivals in der Region behaupten?

Löffler: Ich sehe zwei Aspekte, die wichtig sind. Der eine ist, das Jazztival dramaturgisch so zu steuern, dass es etwas Besonders ist und auch ungewöhnlich. Ob dies das Publikum dann auch so sieht und das Programm annimmt, wird sich zeigen und bleibt für uns alle eine spannende Frage. Aber nur etwas nachmachen, das will ich nicht, da wird man nie gut dabei. Ein weiterer ganz wichtiger Aspekt ist, dass das Festival in die Stadt hineinwirkt und die Bevölkerung erreicht, etwa über Inklusionsprojekte, Kinderkonzerte, Seniorenangebote, Gottesdienst oder Auftritte in Geschäften. Es soll kein Festival für eine gewisse elitäre Schicht sein, die eben Jazz hört. Stattdessen gilt es, viele Zielgruppen in einer breiten Masse zu erreichen und das nachhaltig. Wenn ein Festival schon so lange besteht wie das Bühler, ist diese Nachhaltigkeit in gewissem Maße zwar schon erreicht, trotzdem wird sich das Jazztival 2019 abheben von dem, was wir vor zwei Jahren hatten.

Das Programm:
Donnerstag, 14. November: 19.30 Uhr, USM und Schärer Söhne GmbH. Big Band des Bundespolizeiorchesters München.
Freitag, 15. November: 19.30 Uhr, Bürgerhaus Neuer Markt. Jazzchor Freiburg, Evelyn Huber und das Sirius Quartett (New York).
Samstag, 16. November: 19.30 Uhr, Bürgerhaus Neuer Markt. Kathrin Pechlof Trio (Berlin), Park Stickney (New York), Izabella Effenberg Quintett (Warschau). Ab 21.30 Uhr: Kneipen-Jazz-Nacht, Cafe Bistro Carlos, Schwanen, #heimat im Badischen Hof.
Sonntag, 17. November: 10 Uhr, Jazz-Gottesdienst (Eintritt frei), Pfarrkirche St. Peter und Paul. 11 Uhr, USM Jazz Brunch mit der Bühler Big Band Brass & Fun feat. Kathrin Pechlof. 16 Uhr, Tea-Time-Jazz mit Anton Mangold in der Max-Grundig-Klinik Bühlerhöhe (Eintritt frei).
Konzertkarten gibt es im Bürgerhaus Neuer Markt, Telefon (0 72 23) 9 31 67 99. Informationen online unter www.jazztivalbuehl.de