Der Bühler Kabarettist Jörg Kräuter bilanziert in seinem neuen Programm vier Jahrzehnte Kabarett. | Foto: pr

Seit 40 Jahren auf der Bühne

Jörg Kräuter macht „InvenTour“

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Seit 40 Jahren steht Jörg Kräuter auf den Kabarettbühnen. Zeit für eine Bestandsaufnahme, dachte sich der Bühler Künstler mit Wurzeln im Murgtal und hat sein Programm „InvenTour“ genannt. Ein Besuch beim „König von Baden“.

Jörg Kräuter kennt die Frage schon. Wie um Himmels Willen lassen sich solche hintergründigen Geschichten und Pointen ersinnen? Welche schrägen Dinge muss man da rauchen? Kräuter zeigt schmunzelnd auf einen Pfefferminzstrauch: „Vielleicht das da, aber geklappt hat es nicht.“ Weil auch ein Kabarettist ernste Seiten hat, schiebt er die richtige Erklärung gleich nach, und es ist ein vermeintlich einfaches Rezept: „An den Schreibtisch sitzen und schaffen.“ Er wolle hinter die Dinge schauen, und was er da entdeckt, ist, je tiefer es geht, ein Füllhorn an Ideen und Motiven: das Leben, so wie es ist. „Da wird dann kanalisiert und aufgeteilt“, es wird gehobelt, gefeilt und geschrubbt, denn um etwas spielerisch wirken zu lassen, braucht es vor allem eines: harte, konsequente Arbeit. Und weil es Kräuter so vortrefflich gelingt, das Schwere leicht aussehen zu lassen, kann er jetzt ein ganz besonderes Jubiläum feiern: Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne. Gefeiert wird das mit einem neuen Programm: „InvenTour“.

Eine Tür in die Zukunft

Nomen est omen: Es ist auch eine Rückschau auf vier Jahrzehnte, darauf, wie alles begann und was daraus geworden ist. „Ich musste raus in die große Welt und wollte Karriere machen“, sagt er, und das Blitzen in den Augen kündigt etwas Unerwartetes an. „So bin ich nach Bühl gekommen.“ Kräuter, ein Murgtäler des Jahrgangs 1955, hatte den Erzieherberuf erlernt, machte in Reutlingen eine Zusatzausbildung zum Lehrer für geistig Behinderte, nahm aber gleich nach deren Abschluss eine andere Abzweigung und wurde freischaffender Künstler. Er war mit seinem Puppenspieler-Bruder Frieder unterwegs, hat gemalt, gedruckt, Kabarett gespielt – und bald bemerkt, dass hier eine Tür in die Zukunft aufgehen könnte.

Neun Programme mit „Schnoogestich“

Erste Auftritte 1979 liefen auf der politischen Schiene, bei einer Gewerkschaft, der Friedensinitiative oder bei Ostermärschen. 1980 spielte er gemeinsam mit Margit Weiskirchen, Sepp Weis und Andrzej Gräser sein erstes, noch unbetiteltes Programm. Daraus entwickelte sich in den frühen 80er Jahren das Duo „Schnoogestich“ mit Annette Assor. „Es steht viel bevor, wenden wir’s ab“, so lautete 1983 der Titel des ersten Programms, dem bis 1996 acht weitere folgten. Dann schied Assor aus, Kräuter war fortan Solist, und zwar so erfolgreich, dass er zum „König von Baden“ aufstieg – so der Titel eines seiner bislang 14 Soloprogramme.

Der „König von Baden“ in Aktion. Foto: pr

Das Interesse gilt der Heimat

Das Erfolgsrezept? „Alle meine künstlerischen Arbeiten treffen sich an einem Punkt: „Region, Heimat, wie man es auch nennen möchte, damit beschäftige ich mich. Wie sind die Leute hier, welche Macken haben sie?“ Er arbeite Gesetzmäßigkeiten heraus, die Szenen zwischen ihm, Traudl und Schorschi, wie sie die ABB-Leser aus den seit 2012 erscheinenden Glossen Kräuters kennen, könnten sich genauso in nahezu jeder Familie abspielen: „In jeder Geschichte liegt Komik, man muss sie nur finden.“ Oft fange er an zu schreiben, ohne zu wissen, wohin ihn die Tastatur führt. Immer mehr aber fließe von ihm selbst ein, „und ich werde in dieser Hinsicht auch mutiger. Die Sachen sind erst richtig gut, wenn sie authentisch sind, also mit mir zu tun haben – und mit mir, da kenn’ ich mich aus.“ Um die Auftritte für beide Seiten zum Erfolg werden zu lassen, spürt Kräuter den Publikumsreaktionen nach: Wo lacht es besonders, wo zündet etwas nicht gleich? Darauf reagiert er, und so ist jeder Abend ein einmaliger Auftritt.

Reisender im „Lustbarkeitsgewerbe“

Früher sei er politischer gewesen, meint Kräuter, heute schaue er dem Volk aufs Maul, was aber keineswegs das Fehlen gesellschaftspolitischer Themen bedeutet. Mit diesem Rezept ist er einmal die Woche unterwegs zwischen Konstanz und Mannheim, im alten Großherzogtum Baden, und auch den einen oder anderen Abstecher in die Pfalz oder ins Schwäbische unternimmt der Reisende im „Lustbarkeitsgewerbe“ (so steht’s tatsächlich auf seiner amtlichen Gewerbekarte). Für das neue Programm hat er seine bisherigen Programme durchgeforstet und geschaut, welche Stücke ihn besonders ansprechen und ihm am Herzen liegen. Aber auch neue Sachen sind dabei. Dazu habe er Musik und Präsentation „etwas aufgepeppt“, denn: „Ein Text kann so gut sein, wie er will, wenn du ihn nicht richtig rüberbringst, funktioniert es nicht.“ Da hilft dann auch kein Pfefferminzstrauch.

Premiere feiert Jörg Kräuters neues Programm „InvenTour“ am Mittwoch, 14. August, um 20 Uhr beim Niederbühler Kultursommer im Schnickschnack, wo er am Donnerstag 15. August, ein weiteres Mal um 20 Uhr auftritt