Beim Aufbau: Jürgen Kohler (unten) und Christian Gehr verzieren das Festzelt. | Foto: Bernhard Margull

Beim Bühler Zwetschgenfest

Jürgen Kohler ist zum 30. Mal Festwirt

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Jürgen Kohler denkt groß: Beim Zwetschgenfest will der Festzeltwirt klotzen, nicht kleckern. Und dafür betreibt der Vimbucher Gastronom seit Jahrzehnten einen gewaltigen Aufwand. Jetzt ist er zum 30. Mal der Festwirt.

Das Zelt, das in der Güterstraße bereits wieder steht, ist längst mehr als nur ein „schnödes“ Festzelt. Der Holzboden ist für Kohler eine Selbstverständlichkeit, er hat spezielle Bereiche eingerichtet, und geziert wird reichhaltig – zum 30. übrigens auch mit Hopfen aus dem Elsass. „Wir haben hier ein Festzelt, wie es auch auf dem Cannstatter Wasen stehen könnte“, sagt Kohler. Der Unterschied: Im Schwäbischen wird 16 Tage lang gefeiert – entsprechend sind auch die Erlöse. Die Kosten für das Zelt sind denn auch mit ein Grund gewesen, warum Kohler vor einigen Jahren den Donnerstag als zusätzlichen Zwetschgenfesttag etabliert hat.

Familientradition wird fortgeführt

Wenn jetzt wieder die Münchener Oktoberfestband Blechblos’n auf der Bühne stehen wird, darf sich der Wirt erneut über ein volles Zelt freuen. Doch nicht nur an diesem Tag: Das Festzelt ist stets ein Anziehungspunkt. Das war schon so, als Kohler Mitte der 80-er Jahre diese Aufgabe übernommen hat. Sein Vater Walter hatte bereits große Festzelte bewirtet, beispielsweise beim Bühlertäler Hauptfest: „Das waren noch Holzgerüste“, erinnert sich Kohler. Seine Motivation sei es gewesen, die Familientradition fortzuführen: „Das war der wichtigste Punkt.“

Höhepunkt und Zäsur

25 Jahre jung war er, als er als Festwirt begonnen hat. Das geradezu noch jugendliche Alter war kein Hindernis, auch wenn Kohler sagt, dass nicht immer alles funktioniert habe. Doch daraus zog er die Lehren und startete nach einer mehrjährigen Pause durch (weshalb die 30 auch erst jetzt voll werden). Im Rückblick erinnert sich Kohler an zahlreiche Höhepunkte, an viele Stars, die auf der Bühler Bühne standen, von Sarah Connor über Andy Borg bis zu Hansi Hinterseer („Er kam eine halbe Stunde zu spät zum Auftritt, da musste ich viele weibliche Fans beruhigen“). Auch an Guildo Horn erinnert er sich bestens, auch wenn der damals im Bürgerhaus Neuer Markt auftrat: „Er hat bei uns im Hotel übernachtet. Wir haben ihm eigens Vimbucher Nussecken gemacht.“ Der absolute Höhepunkt aber war für Kohler der Auftritt der Klostertaler 1999. Der markierte auch eine Zäsur: Letztmals hatte Kohler ein Zelt zur Verfügung, das 3 500 Gäste fasste. Bis dahin stand das Zelt auf dem Gelände der heutigen Carl-Netter-Realschule. Heute geht es im Vergnügungspark enger zu, auf dem Zentralen Omnibusbahnhof ist „nur“ noch ein Zelt für maximal 1 200 Besucher möglich. Übermäßig traurig ist Kohler darüber nicht: „Ein solch’ großes Zelt wie früher wäre heute wahrscheinlich schwieriger zu füllen.“

Zum Ende des Fests gehen Jürgen und Alexandra Kohler traditionell mit ihren vielen Helferinnen und Helfern auf eine Polonaise durch das Festzelt. Foto: Margull

Ein Gemeinschaftswerk

Das ändert aber nichts daran, dass das Zwetschgenfest auch dank des Festzelts zu einem Markenzeichen im Land geworden ist. „Das sagen alle, mit denen wir zu tun haben“, so Kohler, der von einem großen Gemeinschaftswerk spricht. Das gilt auch in seinem Fall: Knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Einsatz, die Familie und viele Freunde sind darunter: „Sie nehmen extra Urlaub. Ohne sie ginge das alles nicht.“ Und manche – Kohler nennt beispielhaft Achim Held und Thomas Seifried – seien seit dem ersten Mal dabei.
Für seinen runden Festwirt-Geburtstag hat sich Kohler auch ein kleines Dankeschön einfallen lassen: Neben den üblichen Angeboten wie Freipommes für Kinder lässt er über die Stadt 1 000 Bierbons an die Umzugsteilnehmer verteilen. Na dann: Prost auf weitere Jahre, oder? „Der Vertrag läuft noch drei Jahre“, sagt Kohler, „dann sehen wir weiter.“