ANSPANNUNG VOR DEM KNALL: Vor jeder Szene steht im Film die erste Einstellung mit der Klappe. Diese dokumentiert genau die entsprechende Szene. Foto: pr | Foto: pr

Langer Weg zur Ausbildung

Junger Filmemacher aus Bühl hat es an die Filmakademie Ludwigsburg geschafft

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Wie sieht der Weg zum Film aus? Eine Frage, die nicht nur für Jan Wollenschläger aus dem Bühler Stadtteil Altschweier im Raum stand. Entsprechend dem Genre gibt es auch in Bezug auf die Ausbildung kein Patentrezept. Der 20-Jährige blieb dran, kämpfte sich durch diverse Jobs und Praktika und schaffte schließlich die Aufnahme in die Filmakademie Ludwigsburg.

Es gibt Berufe, für die gibt es keine Gebrauchsanweisung. Es sind eher zielgerichtete Interessen, welche die Akteure zusammenbringen, um gemeinsam ein Werk zu schaffen: Das ist bei einem Film der Fall. Und ein Prozess ist es auch, überhaupt unter die Filmemacher zu gelangen. Dafür gibt es keine Vorlage, jeder bahnt sich seinen eigenen Weg.

Auszeichnung mit Förderpreis

Jan Wollenschläger aus Altschweier hat mit dem Besuch der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg diesen Weg eingeschlagen und berichtet anlässlich der Auszeichnung „Förderpreise 2019 des Jugendfilmpreis Baden-Württemberg“ gegenüber dem Acher- und Bühler Boten, wie er die Schritte dorthin aneinandergereiht hat.

Diese internationale Ausrichtung gefiel mir sehr gut.

„Es gab eigentlich kein besonderes Ereignis, es ist eher ein Prozess, der mich zur Filmakademie geführt hat. Ich habe mich immer wieder mit dem Film beschäftigt, dadurch wurde das Thema immer präsenter und realer“, beschreibt der 20-Jährige, der extra vom Windeck-Gymnasium an das Wirtschaftsgymnasium wechselte, weil „es dort den Seminarkurs Film gab und wegen des internationalen, bilingualen Zugs. Es gab viel Unterricht auf Englisch. Diese internationale Ausrichtung gefiel mir sehr gut. Ich wollte ein Praktikum beim Film und kam so auch zur Screen Directors Guild of Ireland.“

Alsbald knüpfte er Kontakte mit einem selbstständigen Produzenten in Baden-Baden, bei dem er Einblick in die Szene der Macher bekam. „Es war sehr anstrengend, und es gab sehr lange Tage am Set. Aber es war klasse zu sehen, was bei all den Schwierigkeiten dann am Ende rauskam. Ich hatte dabei ein ziemlich gutes Gefühl. Das war schon cool“, freut sich Jan Wollenschläger.

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Erfahrung wird vorausgesetzt

Ein gutes Gefühl ist eine Voraussetzung, zudem sind Neugier und ständige Motivation unerlässlich, um „zu den Machern“ zu kommen. „Initiative ist gefragt, denn den Zufall, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, den muss man sich sozusagen erarbeiten“, erinnert sich Wollenschläger an die Zeit, als er sich intensiv um ein Praktikum beim SWR in Baden-Baden bemühte.

Für ein Praktikum braucht man Berufserfahrung, auch bei anderen Sendern.

„Es ist zunächst schwer zu verstehen: für ein Praktikum braucht man Berufserfahrung, auch bei anderen Sendern. Da darf man nicht locker lassen und muss dran bleiben. Ich war beim Dreh dabei und habe am Set assistiert. Dann kam die Situation und ich habe reingepasst“, beschreibt er die Eigendynamik im Sender, die man atmen müsse.

Aufnahmen bei „Die Fallers“

Dann ging’s richtig los mit der Jugendsendung „Das Ding“, mit Radio und der Produktion von Vorabendserien. Es folgten Szenen von „Die Fallers“ bei Innenaufnahmen, die wie beim Tatort in den entsprechenden Kulissen im Baden-Badener Sender gedreht werden.

Das war nicht immer lustig, zumal ich einer der Jüngsten unter etlichen Bewerbern war.

Um zusätzlich etwas Geld zu verdienen, engagierte sich der Filmbegeisterte bei Unternehmen in der Region und erstellte Image-Aufnahmen. „Dann folgte der lange Anlauf zur Filmakademie. Das war nicht immer lustig, zumal ich einer der Jüngsten unter etlichen Bewerbern war.“

 

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Die Oma für Rolle eingespannt

Kurzum: Wollenschläger reichte einen Kurzfilm – bei dem er unter anderem seine Oma für eine Rolle überredete – nebst Lebenslauf und Animationsschreiben ein. Ende September vergangenen Jahres war es dann soweit.

Die erste Hürde war geschafft: „Bei der zweiten praktischen Arbeit musste man binnen 72 Stunden einen dreiminütigen Film zu einem vorgegebenen Thema abgeben“, denkt Jan Wollenschläger an die stressige Zeit zurück, als er Freunde verpflichtete, sich zu diesem Zeitpunkt bereitzuhalten.

Mit Monty Python gelang der Trick

„Da gibt es keine Formel und kein Patentrezept. Ich habe voll auf die Karte Humor gesetzt und das eigentlich triste Thema um einen schicksalhaften Unfall in Monty-Python-Manier abgehandelt. Obwohl es bei den Mitwirkenden Bedenken gab, dass es witzig rüberkommt, hat es sich für mich richtig angefühlt“, kommt Wollenschläger auf seine innere Stimme zu sprechen, die sich mittlerweile deutlich artikuliert.

„Dann kam die Vorstellung vor der Jury. Und als ich die an der richtigen Stelle richtig lachen hörte, wusste ich, das ist okay. Drei Tage später kam die positive Nachricht per Post“, freut sich Wollenschläger immer noch.

So ist die Ausbildung in Ludwigsburg

Und wie sieht nun die Ausbildung an der Filmakademie aus? „Alles ist stark praxisbezogen. Jeder muss so ziemlich alles machen. Man steckt entweder in einem Film oder in einem Drehbuch und man arbeitet überwiegend in kleinen Gruppen. Extrem gut ist das Networking. Und wie immer ist alles ein großer Prozess. Uns empfiehlt man: bildet Banden.“ Jan Wollenschläger ist in der Filmakademie Ludwigsburg angekommen. Es bleibt spannend, wohin seine weitere Reise in der Welt des Films geht.

Service
Informationen zu Bewerbung und Studium gibt es an der Filmakademie beim Studienreferat, unter Telefon (0 71 41) 96 98 21 10 sowie (0 71 41) 96 98 21 36, per E-Mail studienreferat@filmakademie.de oder auf der Homepage.