„Jede Kaffeesorte hat ihr eigenes Röstprofil“: Volker Huber ließ sich für die traditionelle Röstkunst begeistern. Der ehemalige Lufthansa-Mitarbeiter betreibt seine Kaffeerösterei mittlerweile in Achern. | Foto: dan

Rösterei in einstiger Brauerei

„Kaffeesack“ kommt nach Achern

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Die Spezialitätenrösterei Kaffeesack ist jetzt in Achern ansässig. Inhaber Volker Huber hat im ehemaligen Betriebsgebäude der Neef’schen Malzbierbrauerei eine hochmoderne, auf traditionellen Prinzipien beruhende Kafferösterei und Kaffeebar eingerichtet.

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Winter

Von Haus aus ist Volker Huber ein passionierter Teetrinker. Erst der Espresso seines Neffen Thorsten Heizmann hat ihn auf den Geschmack gebracht. „Er hat mich mit den Feinheiten der Röstkunst und der Kaffeezubereitung vertraut gemacht“, erzählt Huber. Von ihm habe er zum Beispiel gelernt, wie dem Espresso beim Rösten die auf den Magen schlagende Chlorogensäure weitgehend entzogen und das Getränk dadurch bedeutend aromatischer, geschmackvoller und bekömmlicher wird.

40 Kilo Röstkaffee im Zug

Heizmann, der sein Handwerk beim Deutschen Röstmeister Tamas Fejer in Düsseldorf lernte, gelang es, Huber für die traditionelle Röstkunst zu begeistern. Kurzentschlossen beendete er 2014 seine berufliche Laufbahn bei der Lufthansa und gründete in Baden-Baden den ersten Kaffeesack, eine kleine Kaffeebar in der Hirschstrasse. Damals fuhr Heizmann dienstags und donnerstags mit dem ICE nach Düsseldorf, um bei Fejer 40 Kilogramm Rohkaffe zu rösten, den er abends auf einer voll beladenen Sackkarre zurück nach Baden-Baden brachte. „Der ganze Zug duftete nach Kaffee. Das glaubt uns heute keiner mehr. So sind wir groß geworden“, freut sich Huber.

Neuer Betriebsstandort seit Kindertagen bekannt

Ein Jahr später wurde eine eigene Kaffeerösterei in der Sasbacher Villa Erlenbad eingerichtet. Die Qualität überzeugte. So gehörte zum Beispiel schon bald Brenners Parkhotel in Baden-Baden zu den Stammkunden. Allein ein Standort in Achern fehlte noch zum Glück. Huber, der auf der Spitalstraße aufwuchs und sein Abitur auf der Heimschule Lender absolvierte, kennt den neuen Betriebsstandort bereits seit Kindheitstagen. „Das hier gebraute Malzbier habe ich immer gerne getrunken“, erinnert sich Huber.

Trommel- statt Industrieröstung

Jetzt können die Kaffeesack-Kunden in dem von Innenarchitektin Martha Yavrucuk gestalteten Betrieb das Rösten des Kaffees live verfolgen. Im Gegensatz zur Industrieröstung, die bei Temperaturen von bis zu 800 Grad Bohnen in kürzester Zeit erledigt ist, geht es bei der kunstfertigen Trommelröstung geradezu gemütlich zu. Bei Huber kommen statt einer Tonne lediglich 15 Kilogramm in die mit einem Gasbrenner erhitzte Trommel.

Über 800 verführerische Aromen

„Jede Kaffeesorte hat ihr eigenes Röstprofil, das wir mit einer 150 Gramm Menge in unserem Proberöster ermitteln“, demonstrierte Huber dem Acher- und Bühler Boten vor Ort. Hier wird für jedes Produkt vom Filterkaffe bis zum Espresso die von 140 bis 210 Grad reichende Temperatur und die zwischen 15 bis 20 Minuten liegende Röstdauer der unterschiedlichen Kaffeesorten individuell ermittelt. Dabei entfalten sich je nach dem Anbaugebiet der Bohne über 800 verführerisch duftende, aromatische Verbindungen, deren Fülle sogar den Weintrinker vor Neid erblassen lassen.

Akademisch und handwerklich geschult

Volker Huber hat das Trommelrösten in Wien erlernt. Chefröster Thorsten Heizmann, der übrigens im SWR-Fernsehen regelmäßig als Barista zu sehen ist, wurde der Acherner Kaffeeexperte Max Rau zur Seite gestellt. Max hat während seines Studiums eine peruanische Universität besucht und den dortigen Kaffeanbau vor Ort verfolgt. Seine Bachelorarbeit über die „Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau“ kommt dem Betrieb zu Gute, wird doch beim Einkauf viel Wert auf fairen Handel und Bioanbau gelegt. Die eigens für den Kaffeesack angelegte Parzelle in Honduras wurde deshalb zum Beispiel von Heizmann Anfang des Jahres besucht. Die Kunden der Kaffeebar werden übrigens von ausgebildeten Baristas bedient, denn auch die Zubereitung des Kaffees ist eine Kunst, über die das Team viele spannende Geschichten erzählen kann.