Weniger Einbrüche in der Region: Das Polizeipräsidium Offenburg spricht von einem Zehn-Jahres-Tief. | Foto: Rumpenhorst

Polizei Offenburg zieht Bilanz

Kampf gegen Wohnungseinbrüche war 2017 erfolgreich

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Viel Grün, wenig Rot: In Ampelfarben stellt die Polizei traditionell die Entwicklung der Kriminalität in der Region vor. Nicht ohne Stolz präsentierte Polizeipräsident Reinhard Renter am Dienstag in Offenburg die Arbeit seiner Beamten, die vor allem dort erfolgreich gewesen sei, wo das „Sicherheitsgefühl“ der Menschen im Ortenaukreis, dem Stadtkreis Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt besonders betroffen ist.
So habe man bei den Wohnungseinbrüchen, einem landesweiten Trend folgend, 2017 die niedrigste Zahl seit zehn Jahren erreichen können, bei der sogenannten Straßenkriminalität gar den besten Wert seit 20 Jahren. Umgekehrt liegt die Aufklärungsquote auf einem Zehn-Jahres-Hoch, was allerdings nicht allein der akribischen Ermittlungsarbeit zuzurechnen ist – viele Straftaten wie zum Beispiel Verstöße gegen das Ausländerrecht haben von Natur aus eine Aufklärungsquote von praktisch 100 Prozent, weil sie nur dann ruchbar werden, wenn man den Täter auch erwischt. Nicht immer also ist die Statistik der Weisheit letzter Schluss.

Kriminalität auf hohem Niveau

Eines aber zeigen die Zahlen unmissverständlich: Die Arbeit im Polizeipräsidium Offenburg bleibt schwierig. Rechnet man die erfassten Straftaten auf 100 000 Einwohner hoch, so liegt das Präsidium an vierter Stelle im Land, direkt hinter den Ballungszentren Stuttgart, Mannheim und Freiburg. Dafür sorgen vor allem zwei Städte in der Ortenau: Offenburg mit 12 260 Straftaten pro 100 000 Einwohner und Kehl, wo die sogenannte Häufigkeitsziffer gar mit 15 798 auf dem landesweiten Spitzenplatz liegt. Die sicherste Stadt im Präsidiumsbereich ist Gaggenau mit 3 885 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Im Mittelfeld bewegen sich Achern (5 931) und Bühl (5 456), während das nur vermeintlich beschauliche Baden-Baden mit 7 863 Straftaten pro 100 000 Einwohner sogar vor Lahr liegt.

Entwicklung sehr unterschiedlich

Der Vergleich der Kommunen ist auch deshalb interessant, weil sich die verschiedenen Deliktsbereiche durchaus unterschiedlich entwickelt haben: Zwar gingen Wohnungseinbrüche und Straßenkriminalität in allen drei Kreisen zurück, doch bei der Gewaltkriminalität sieht das schon ganz anders aus. Einem milden Rückgang in der Ortenau steht hier zum Beispiel ein Plus von 20 Prozent in Baden-Baden gegenüber; die Drogenkriminalität stieg in der Kurstadt gar um 45,2 Prozent an, während die beiden anderen Kreise Rückgänge vermelden.

Tankbetrug boomt derzeit

Zugenommen, so Joachim Metzger, Stellvertreter von Polizeipräsident Reinhard Renter und Chef der Reviere im Präsidium, haben 2017 die Körperverletzungen, das Erschleichen von Leistungen wie das Schwarzfahren, aber auch eher exotische Delikte wie der Tankbetrug (um beachtliche 26,8 Prozent) sowie die Schmierereien mit Graffiti um rund ein Drittel. Raub, Diebstahl, Warenbetrug und eben die Wohnungseinbrüche sind dagegen Straftaten, bei denen die Ampel freundliches Grün zeigt.

Massiver Druck auf Einbrecher

Gerade den Einbrechern hat die Polizei das Leben schwer gemacht: „Die Reviere sind in nie gekanntem Ausmaß Streife gefahren“, sagt Metzger, doch auch die Bürger hätten ihren Teil durch fleißigen Besuch der Beratungsstellen beigetragen. Sie setzten die Ratschläge um, immer öfter müssen Einbrecher deshalb wieder abziehen. Nachts scheitert inzwischen jeder zweite Einbruch, tagsüber jeder dritte. Dazu waren die Fahnder erfolgreich, im Kinzigtal konnten zwei Fensterbohrer festgenommen werden, auch zwei Einbruchsserien von albanischen Tätern gelten als geklärt.

Viele „nichtdeutsche“ Täter

Ein heikles Thema mit viel Interpretationsspielraum: Bei praktisch jeder zweiten Straftat geht die Polizei von einem „nichtdeutschen“ Täter aus, im Ortenaukreis liegt diese Zahl sogar über 50 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung beträgt 11,6 Prozent. Doch bei näherer Betrachtung wird es kompliziert. Viele Delikte betreffen allein das Asylverfahrens- und Ausländergesetz, andere französische Täter; doch es gibt auch typische Straftaten bei Asylbewerbern: Diebstahl, Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auch Drogendelikte nennt man beim Polizeipräsidium. Seit 2012 habe es einen Anstieg der Delikte um rund 350 Prozent gegeben, doch inzwischen seien die Fallzahlen wieder rückläufig – mutmaßlich auch, weil die Asylbewerber in der Anschlussunterbringung nicht mehr gesondert erfasst werden. Eine ambivalente Bilanz also, doch auch eine klare Aussage von Joachim Metzger: Im Vergleich zur Wohnbevölkerung seien ausländische Täter „schon überproportional auffällig“. Die Polizei befasst sich mit dem Thema, hat ein „Gesamtkonzept Mehrfachintensivtäter Zuwanderung“ gestartet.

 

Konsequent geht die Staatsanwaltschaft Offenburg seit 2016 bei Pöbeleien oder gar Gewalt gegen Polizeibeamte vor. „Bei einem Arschloch geht unter 500 Euro nichts mehr“, sagt Polizeichef Reinhard Renter. Herwig Schäfer, Chef der Offenburger Anklagebehörde, könnte damit ein landesweites Beispiel gegeben haben: 2017 ist die Zahl dieser Delikte im Ortenaukreis um 16,7 Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: In Baden-Baden stiegt die Zahl der Taten um ein knappes Drittel an, in Rastatt stagniert sie. Dort ist eine andere Staatsanwaltschaft zuständig. Mit der, so Renter, habe er inzwischen gesprochen: „Die Offenburger Konzeption ist landesweit bekannt und Gesprächsthema“. Er gehe davon aus, dass auch die Anklagebehörde in Baden-Baden zur Überzeugung komme, dass dieser Weg der richtige sei, aber letztlich entscheide das die Justiz, so Renter.