Vor voll besetztem Saal präsentierten sich die drei Bewerber Wolfgang Reinholz, Wolfgang Weber und Gregor Bühler und standen den Bürgern Rede und Antwort. Fällt die Wahl eindeutig aus, entscheidet sich am 8. Oktober, wer der künftige Rathauschef in der Gemeinde wird. | Foto: Roland Spether

Bürgermeisterwahl in Sasbach

Kandidaten stellen sich vor

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Ganz reichen die 450 Stühle für die Besucher in der Turnhalle der Sophie-von-Harder-Schule nicht aus: Einige – weit weniger als beim gleichen Termin 2009 – verfolgen das Geschehen auf der Bühne am Freitagabend im Stehen: Dort präsentieren sich die drei Bewerber, die für die nächsten acht Jahre auf dem Chefsessel im Sasbacher Rathaus Platz nehmen wollen.

Mein Favorit muss sich erst noch bewähren

Einige Wahlkampftermine haben Wolfgang Reinholz, Wolfgang Weber und Gregor Bühler bereits hinter sich – jetzt stellen sich die Bewerber den Bürgern offiziell vor, bevor diese am 8. Oktober ihr Kreuz machen. „Von diesem Abend erwarte ich, dass ich danach meine Entscheidung treffen kann“, sagt eine Sasbacherin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Ich habe meinen Favoriten, aber der muss sich erst noch bewähren.“

Auf Redezeit folgt „Isolationshaft“

Nach der Begrüßung durch Rudi Retsch, dem Vorsitzenden des Sasbacher Gemeindewahlausschusses, hat jeder Kandidat höchstens 15 Minuten Zeit, um sich den Bürgern vorzustellen, in weiteren 15 Minuten können im Anschluss Fragen aus dem Publikum beantwortet werden. Bisweilen wird es gegen Ende der Fragerunde ein wenig zäh – das Informationsbedürfnis scheint da befriedigt zu sein. Damit kein Kandidat seine Zeit überstrapaziert, hat Standesbeamtin Veronika Reck die Uhr Blick. Naht das Ende der Redezeit, ertönt eine Glocke, und der Kandidat kommt in „Isolationshaft“ in einem separaten Bereich – Handyverbot inklusive.

Ihr Wort in Gottes Ohr

Eine Minute vor „Klingel-Zeit“ hat Wolfgang Reinholz seine Vorstellung beendet und dabei vor allem die größten Erfolge seiner beiden Amtszeiten betont – und er erklärt noch einmal ausführlich das Vorgehen beim Areal „St. Pirmin“. Ja, er habe transparenter gearbeitet als in der Vergangenheit, sagt der Amtsinhaber auf eine Frage aus dem Publikum. „Ihr Wort in Gottes Ohr“, kommentiert ein anderer Sasbacher, dem Reinholz versichert, dass die Anschlussunterbringung für Flüchtlinge zu schaffen sei.

Ein Kandidat redet frei

„Ungewöhnlich und mitreißend“, so beschreibt eine Fragenstellerin den Vortrag von Wolfgang Weber, der – anders als seine Konkurrenten – frei redet, am liebsten zwischen den Stuhlreihen statt am Rednerpult gesprochen hätte und am Ende von der Glocke unterbrochen wird. Themen reißt er schlaglichtartig an, Wert legt Weber darauf, seine Arbeitsweise zu betonen: Vor allem authentisch wolle er sein, mit einem offenen Ohr für alle Sasbacher.

Rathaus als Dienstleister

Vieles sei bereits gut in Sasbach, sagt Gregor Bühler in seiner nicht voll ausgenutzten Redezeit, vieles könne aber besser sein. Bildung und ein lebendiger Ortskern sind zwei der Bereiche, die er dabei nennt. Es sei ein Vorteil, aus der Wirtschaft in die politische Verantwortung zu kommen, das Rathaus sehe er weniger als Behörde denn als Dienstleister.

Das muss man erstmal sacken lassen

Ob sie ihr Favorit überzeugt hat? Ganz sicher ist sich die Sasbacher Wählerin da noch nicht: „Ich denke schon. Das muss man jetzt erstmal sacken lassen.“

Wolfgang Reinholz: Kritische Fragen zur Transparenz

„Mehr Transparenz“ verspricht Bürgermeister Wolfgang Reinholz im Falle seiner Wiederwahl. Ein Versprechen, das Bürger während der Kandidatenvorstellung kritisch hinterfragten. „Ich glaube schon, dass wir in den vergangenen Jahren bereits mehr die Öffentlichkeit einbezogen haben“, entgegnete Reinholz. Als Beispiel nannte er die Beteiligung der Bevölkerung an der Wasserentkalkung.
Der Amtsinhaber bezeichnete das Vorgehen der Verwaltung bei der Bebauungsplanung des Pirmin-Areals im Nachhinein als „nicht glücklich“. Nach seinen Angaben wollten Investoren und die ehemalige Eigentümerin keine öffentliche Beteiligung. „Das war für alle Beteiligten nicht gut“, räumte Reinholz ein. Eine Bürgerin kritisierte, dass die Verwaltung ein Gesprächsangebot der umliegenden Schulen zum Thema Pirmin-Areal nicht angenommen habe. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, meinte Reinholz. Er habe jedoch gelernt. Bei der derzeitigen Bebauung des Häusler-Areals werde die Nachbarschaft „größtmöglich eingebunden“. In Sachen Breitbandausbau rechnet Reinholz, dass Obersasbach bis Ende 2018 mit schnellem Internet versorgt sein werde. chs

Wolfgang Weber: Locker und im Plauderton

Locker und lässig präsentierte sich Wolfgang Weber: Das Sakko zog er demonstrativ aus, die Krawatte auch, um denn im Plauderton zu skizzieren, wie er sich seine Arbeit im Rathaus vorstellte. Kritik an den Mitbewerbern blieb bis zur letzten Minute ausgespart, als er mit der Politik bei der Anschlussunterbringung von Asylbewerbern ins Gericht ging. Was sich da abspiele, „das wird in den Nachbargemeinden belächelt“. Alle Kommunen seien in gleicher Weise in der Pflicht, die Menschen aufzunehmen. Sasbach stehe „ziemlich hinten an“. Mehrfach Thema war die Verkehrsberuhigung: Man müsse nur mal nach Ottersweier blicken, „eine Insel, ein Kreisverkehr, ein Kreisverkehr, und dann ist Ruhe im Stall“, so das Rezept für die Beruhigung der Hauptstraße. Trockener wie böser Kommentar des Fragestellers, der das Thema aufgebracht hatte: „Die haben einen guten Bürgermeister“. Er könne, so hatte Weber eingangs um Vertrauen geworben, nicht sagen, er sei besser als andere, wohl aber, das er anders sei: „Meine Tür steht immer offen, Sie kriegen eine klare Antwort von mir und zwar nicht irgendwie, irgendwann“. fl

Gregor Bühler: Wohnraum als Chefsache

Sympathiepunkte erntete Gregor Bühler bei einer eigentlich unvermeidlichen Frage – der, ob er denn im Falle einer Wahl auch in den Ort ziehen werde. „Ich kann nicht versprechen, dass ich nach Sasbach ziehen werde“, kündigte er an, um nach einer Kunstpause anzufügen: „Vielleicht ziehe ich auch nach Obersasbach“. Erleichterter Beifall der Zuhörer, die bereits den Atem angehalten hatten.
Bühler nutzte die Vorstellungszeit, um anzukündigen, dass er sich für ein familienfreundliches Sasbach einsetzen werde, außerdem für eine bessere Verkehrsanbindung unter anderem des Industriegebiets und eine Versorgung der Kommune mit schnellem Internet. Die Schaffung von Wohnraum sei Chefsache, „da darf es keine Tabus geben“ – eine Ankündigung, der er später auf Rückfrage aus dem Publikum nochmals erläutern musste. Es gehe darum, auch dann ernst zu verhandeln, wenn die Eigentümer öffentliche Institutionen seien und darum, gegebenenfalls als Kommune zu investieren. Auch Bühler ging auf das Thema Transparenz ein, versprach monatliche Bürgersprechstunden und offene Türen, auch wenn es kurzfristig sein muss. fl