Gemeinschaftswerk: Amtsinhaber Stefan Hattenbach – hier vor der malerischen Kulisse von Kappelrodeck und Waldulm – will die Gemeinde in den kommenden acht Jahren gemeinsam mit Bürgern und Institutionen weiterentwickeln. | Foto: Stefanie Prinz

Stefan Hattenbach

„Kappelrodeck ist auch privat Heimat geworden“

Anzeige

Seit acht Jahren sitzt Stefan Hattenbach im Chefsessel des Kappelrodecker Rathauses. Wenn er am 10. September erneut zur Wahl antritt, ist er der einzige Kandidat. Im Interview zog er eine Bilanz der ersten Amtszeit und warf einen Blick auf die kommenden acht Jahre.

Bürgermeister war Ihr Berufsziel, seit 2009 sind Sie in Kappelrodeck im Amt – sind Sie zufrieden mit Ihrer ersten Amtszeit?

Stefan Hattenbach: Ich bin sehr dankbar, dass die Kappler und Waldulmer 2009 mir als gerade 28-Jährigen damals das Vertrauen geschenkt haben. Mein Vater war schon Ortsvorsteher in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, mein Opa war Gemeindegärtner, und ich habe das Verkündblatt verteilt, von daher war ich von Anfang an kommunal durchgefärbt und interessiert und in der Gemeinde engagiert, und so wählte ich dann auch mein Studium in diesem Bereich. Da war mir klar, dass Bürgermeister zu werden eine Aufgabe und ein Ziel ist, das ich anstreben möchte. Ich weiß, was es heißt, so eine Verantwortung zu übernehmen. Ich wollte nicht in jeder Gemeinde Bürgermeister sein. Kappelrodeck und Waldulm und meine Person passen sehr gut zusammen – finde ich. Die Arbeit in Kappelrodeck erfüllt mich bis heute sehr, und ich bin stolz auf die Gemeinschaftsleistung Vieler, dank derer sich die Gemeinde in nahezu allen Bereichen enorm weiterentwickelt hat.

Zu dieser Entwicklung zählen Projekte wie die Schwimmbadsanierung, der neue Kunstrasenplatz, die Aufnahme von Flüchtlingen oder auch der Beginn des Breitbandausbaus. Was war Ihr größter Erfolg in diesen acht Jahren?

Hattenbach: Da kann ich nicht eines alleine festmachen. Unser allergrößter Erfolg in Kappelrodeck ist, dass wir trotz sehr bescheidener finanzieller Mittel die Gemeinde miteinander in großen Schritten vorangebracht haben – das ist die eigentliche Herausforderung. Wir haben in fast allen Standortfaktoren Fortschritte erreicht und sind zukunftsfest. Mit Geld lässt sich bekanntlich Vieles sehr einfach bewegen. Wenn aber die Gemeindefinanzen bescheidener sind, dann sind die Herausforderungen und die erforderlichen Anstrengungen für diejenigen, die kommunalpolitisch Verantwortung tragen, und die aktive Bürgerschaft entsprechend größer. Das ist keine Leistung des Bürgermeisters allein, sondern von allen gemeinsam. Und das funktioniert nur, wenn das Engagement und die Identifikation mit der Gemeinde einen derart hohen Stellenwert haben.

Und wie sehen die finanziellen Spielräume für künftige Projekte aus?

Hattenbach: Es ist sehr schade, dass das, was wünschenswert und notwendig ist, oft um ein Vielfaches – wir reden oft vom Faktor fünf bis sechs – das übersteigt, was wir überhaupt finanziell umsetzen können. Wir müssen als Gemeinde sehr oft Nein sagen, wo wir gerne Ja sagen würden. Die große Aufgabe wird es auch in Zukunft sein, die Balance zu halten zwischen dem Wünschenswerten und dem Notwendigen und dem, was finanziell machbar ist. Wir punkten in Kappelrodeck in vielen Dingen, aber nicht mit einer für uns kommunalpolitisch Verantwortlichen vergnügungssteuerpflichtigen Finanzsituation. Das ist schon eine ganz besonders anspruchsvolle Aufgabe und Herausforderung. Wir haben die Finanzen heute im Griff, aber wir dürfen nicht nachlassen – wir müssen die Finanzen kompetent und innovativ steuern und dabei generationengerecht bleiben. Sobald eine Entspannung eintritt und vergleichsweise gute Zeiten da sind, verleitet das, die größten Fehler zu machen. Deswegen müssen wir weiter Maß halten und Schritt für Schritt weiter optimieren, strukturell unsere Finanzen verbessern. Damit machen wir unseren Haushalt leistungsfähiger und zukunftsfest. Das hört sich alles so einfach an, aber das ist echte Kärrnerarbeit – aber damit schaffen wir die Möglichkeiten für wichtige Zukunftsprojekte. Wir haben in den vergangenen Jahren auch einige Dinge gesät, die in Zukunft finanziell Früchte tragen werden. Davon werden künftige Generationen profitieren.

Hattenbach Bürgermeisterwahl
Vorgänger und Wahlsieger: Klaus-Peter Mungenast und Stefan Hattenbach am Wahlabend am 26. Oktober 2009. | Foto: Roland Spether

Apropos künftige Generationen: Kappelrodeck ist wie andere Kommunen auch vom demografischen Wandel betroffen und will gleichzeitig eine Gemeinde für alle Generationen sein, gerade auch für Jugendliche und junge Erwachsene. Wie wollen Sie dieses Anliegen weiterverfolgen?

Hattenbach: Wir haben in Kappelrodeck einen vergleichsweise hohen Jugendquotienten, gemeint ist der Anteil der unter 20-Jährigen zur Gesamtbevölkerung (32,16 Prozent im Jahr 2016, im Land Baden-Württemberg 31,13 Prozent). Trotzdem ist der demografische Wandel, wie in anderen Gemeinden, auch bei uns ein Thema. Aber ich glaube auch, dass die Gemeinden diese Entwicklung meistern können, wenn sie die Herausforderung auch annehmen, die Chancen nutzen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Dennoch müssen unbestritten die Schultern der Jugend in Zukunft gesellschaftlich einiges tragen. Das ist eine große Verantwortung und Aufgabe, die auf die jetzige jüngere Generation zukommt, und wir müssen sie gut für diese Aufgaben rüsten. Deshalb müssen wir heute schon unsere Jugendlichen und deren Anliegen sehr ernst nehmen und sie aktiv beteiligen. Es heißt oft, die Jugend interessiert sich nicht – das erlebe ich in Kappelrodeck komplett anders.

Alibi-Veranstaltungen finde ich nicht gut

Und wir sollten vergessen, dass Vieles, was wir im Gemeinderat entscheiden, eine Wirkzeit von 20 oder auch von 50 Jahren und mehr hat. Mir ist es deshalb wichtig, ein offenes Ohr für die Jugendlichen einen direkten Draht und einen unverstellten Blick zu haben. Ich war früher selbst aktiv in der kirchlichen Jugendarbeit. Was ich nicht gut finde, sind nicht ernst gemeinte Alibi-Veranstaltungen, die es manchmal gibt, weil es gerade „en vogue“ ist, oder weil es jetzt rechtlich auch in der Gemeindeordnung verankert wurde. Ich schätze sehr, dass die Jugendlichen in Kappelrodeck und Waldulm keine Hemmungen haben, direkt auf mich zuzukommen und das Gespräch suchen; dazu kommt, dass sie sich stark einbringen, wenn es um ihre Gemeinde geht. Das ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern sollten.

Ein weiteres Thema, das viele Gemeinden betrifft, ist die Belebung der Ortsmitte; auch in Kappelrodeck steht manches Geschäft leer. Was können Sie hier tun, damit die Versorgung der Bevölkerung gesichert wird?

Hattenbach: Die Versorgungssituation in Kappelrodeck ist gesichert, wir haben für die Waren des täglichen Bedarfs sogar eine überörtliche Versorgungsfunktion. Wir kommen dabei von einem sehr hohen Niveau: Kappelrodeck war und ist sehr einzelhandelsgeprägt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich grundsätzlich und nicht nur in Kappelrodeck verändert, was wir wo einkaufen. Das bringt generell im Einzelhandel ganz klar einen Strukturwandel mit sich. Man muss sich überlegen, welche Anteile wir im Fach- oder Einzelhandel, welche im Supermarkt, beim Filialisten oder im Internet kaufen – und kaufe ich am Wohnort ein oder auswärts? Diese Fragen haben auch Auswirkungen darauf, wie sich die Strukturen ändern. Wir haben – auch für den Einzelhandel in der Ortsmitte – bei uns ein Sanierungs- und Förderprogramm aufgelegt, das eines der erfolgreichsten seiner Art ist. Das heißt, es wird so stark in Anspruch genommen wie sonst wenige. Damit fließt Geld der Gemeinde und Landesgeld in einen attraktiven Ortskern. Somit können wir ganz konkret – etwa auch baulich – finanziell unterstützen.

Als Gemeinde kaufen wir – wo möglich –  lokal ein

Dazu kommt, dass wir einen örtlichen Gewerbeverein haben, die Gemeinde ist selbst Mitglied. Das sind unsere ehrenamtlichen Wirtschaftsförderer, die uns richtig stark unterstützen und innovativ gemeinsam Großartiges bewegen. Und wir sind Mitglied in der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) und betreiben darüber hinaus auch eigene aktive Wirtschaftsförderung. Hinzu kommt, dass wir als Gemeinde – wo möglich – lokal einkaufen. Das funktioniert nicht immer, aber wenn es geht, gilt bei uns die Standortklausel: Wenn jemand im Ort einen vergleichbaren Preis für dasselbe Produkt bieten kann, hat immer derjenige Vorrang. Außerdem gestalten wir die Rahmenbedingungen im öffentlichen Umfeld positiv, kümmern uns also um Straßen, Wege, Plätze, Parkplätze. Ein kritischer Aspekt ist, wenn es im inhabergeführten Einzelhandel um die Betriebsnachfolge geht. Gelingt die Nachfolge, oder endet mit dem Ruhestand des Inhabers sein Einzelhandel oder seine Gastronomie? Ein noch wichtigerer Punkt ist: Wir bestimmen als Kunden mit unserem Einkaufsverhalten selbst, wo wir morgen einkaufen können. Es liegt zuletzt ganz oft an uns Kunden, wo wir was einkaufen und somit Umsatz generieren.

Die Gemeinde hat 2016 bei den Übernachtungen auswärtiger Gäste ein Rekordergebnis erreicht, Sie schlugen kürzlich Kappelrodeck als geeignete „Portalgemeinde“ für den Nationalpark Schwarzwald vor. Wo sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich Tourismus?

Hattenbach: Ob das noch zu toppen ist, weiß ich nicht. Unsere Steigerungen sind im Vergleich zu anderen Gemeinden überproportional, im Moment sind wir da auf einem Rekordniveau. In Kappelrodeck haben wir alle Zutaten, um einen Urlaub mit Genuss, Erholung und Erlebnissen garantieren zu können. Wir müssen diese authentischen Zutaten immer wieder neu mischen, dosieren, kombinieren und ergänzen, damit Urlaub in Kappelrodeck weiterhin den Geschmack von möglichst vielen Menschen trifft, das ist unsere Aufgabe. Der Nationalpark ist sicher ein Element, aber nur eines von vielen.

Welche Ziele haben Sie sich generell für die zweite Amtszeit gesetzt?

Hattenbach: Gemeinsam mit Bürgern, Vereinen und Einrichtungen, Kirchen, Unternehmen, Verwaltung, Gemeinde- und Ortschaftsräten will ich Kappelrodeck lebens- und liebenswert halten und unsere Standortfaktoren weiterentwickeln. Wichtig ist mir auch, dass Kappelrodeck mit Waldulm eine Gemeinde für alle Generationen ist. Man soll gut aufwachsen, leben und arbeiten, man soll Freizeit und Ruhestand genießen können – in jeder Lebenslage, auch wenn man auf Unterstützung angewiesen ist. Dazu gehört es, das Engagement und die Identifikation mit der Gemeinde pflegen. Und zuletzt will ich, dass Kappelrodeck eine leistungsfähige Gemeinde ist, die langfristig zukunftsfest und so für Herausforderungen gewappnet ist und nachhaltig handelt.

Bei der Kandidatenvorstellung vor der Wahl 2009 sagten Sie, dass Sie eine zweite Amtszeit anstreben, aber nicht versprechen können, bis zur Rente im Achertal zu arbeiten. Wie sehen Sie das heute?

Hattenbach: Ich bin jetzt 36 Jahre alt, da denke ich noch lange nicht an Rente. Wir haben in Kappelrodeck ein Haus gebaut. Meine Partnerin und ich wurden nicht nur sehr gut aufgenommen, sondern wir fühlen uns in der Gemeindegemeinschaft sehr wohl. Kappelrodeck und Waldulm sind auch privat unsere Heimat geworden, vor allem dank der Menschen hier. Für unsere persönliche Lebensplanung wollen wir, dass Kappelrodeck auch in Zukunft unser Lebensmittelpunkt sein wird. Im November bekommen wir Nachwuchs, und wir wollen, dass unser Kind hier aufwächst.

Identifiziere mich stark mit Kappelrodeck

Beruflich identifiziere ich mich stark mit der Gemeinde und mache meine Arbeit sehr gern – ich glaube, das merkt man. So lange Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten für mich nicht ausgehen und die Arbeit für das Gemeinwesen für mich sinnstiftend bleibt, mich erfüllt und glücklich macht, bleibe ich sehr gerne Bürgermeister für Kappelrodeck und Waldulm. Vor allem aber – und das ist das Allerwichtigste – so lange die Bürger sagen: Gemeinsam mit Stefan Hattenbach als unserem Bürgermeister wollen wir weitermachen.

Kurz zusammengefasst: Warum sollten die Bürger Sie am 10. September wählen?

Hattenbach: Wir haben Wegstrecke für eine lebens- und liebenswerte, leistungsfähige und zukunftsfeste Gemeinde gemacht, miteinander haben wir viel erreicht. Der Weg führt uns gemeinsam noch weiter. Mit Kopf, Herz und Hand würde ich gerne als Bürgermeister mit den Kappelrodeckern und Waldulmern diesen Weg weitergehen.

Zur Person: Seit 2009 ist Stefan Hattenbach Bürgermeister in der Rotweingemeinde Kappelrodeck. Er setzte sich mit 65,6 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 70,3 Prozent durch und folgte damit auf Klaus-Peter Mungenast, der nach 24 Jahren nicht mehr antrat. Hattenbach wuchs im Offenburger Stadtteil Weier auf und studierte an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Kehl. Nach dem Studium arbeitete er seit 2006 als Kämmerer der Stadt Ettenheim. Der 36-Jährige ist Mitglied und stellvertretender Ausschusssprecher im Kreistag der Ortenau, Mitglied im Finanzausschuss des Gemeindetags Baden-Württemberg, Vorsitzender von Gemeindeverwaltungsverband Achertal, Abwasserzweckverband Achertal und interkommunalem Zweckverband Abwasser Ortenau. Zudem ist er Stiftungsrat der Regionalstiftung Sparkasse Offenburg/Ortenau, Mitglied im Förderverein Klinikum Achern sowie Aufsichtsrat von Waldservice und Breitband Ortenau.