Großflächige Überschwemmungen drohen bei einem 100-jährlichen Hochwasser der Acher für die Kernstadt und das Gewerbegebiet von Achern. | Foto: Stadt Achern

Hochwassergefahrenkarte

Keine guten Nachrichten für Grundstücksbesitzer in Achern

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„Im griechischen Altertum ist das für manchen Überbringer schlechter Nachrichten sehr böse ausgegangen.“ CDU-Fraktionschef Karl Früh war trotz allem zum Scherzen aufgelegt: Denn gute Nachrichten waren es tatsächlich nicht, die Georg Straub im Namen der Stadtverwaltung im Bau- und Umweltausschuss zu verkünden hatte. Die nunmehr „amtlich“ vorliegende Hochwassergefahrenkarte für Achern zeigt nicht nur die Gefahr erheblicher Schäden in der Kernstadt und im Gewerbegebiet auf, sondern hat auch drastische Auswirkungen für die Bebaubarkeit von Grundstücken. Nicht ausgeschlossen wurden ferner Folgen für private Versicherungsverträge.

Jeder kann sich informieren

Nach langer Vorarbeit hat das Land Baden-Württemberg nun die Hochwassergefahrenkarten für das Einzugsgebiet von Acher und Rench fertiggestellt. Diese stehen zusammen mit einem umfassenden Informationsangebot im Internet für jedermann zur Einsichtnahme zur Verfügung. Sie geben Auskunft über die möglichen Überschwemmungsgebiete, die – in der Grafik blau eingefärbt – bei einem sogenannten 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ100) voraussichtlich betroffen sind.

Weitreichende Konsequenzen

Auf Gemarkung der Stadt Achern ergeben sich nach den Worten von Georg Straub insbesondere durch das im Hochwasserfall aus der Acher austretende Wasser weitreichende Konsequenzen. So seien umfangreiche Siedlungsflächen auch im Stadtgebiet betroffen. Weil Achern auf einem „Schwemmfächer“ errichtet wurde, bewirken die so entstandenen topographischen Verhältnisse, dass das aus der Acher austretende Wasser nicht mehr in das Acherbett zurückfließen kann. Als Folge droht die Überflutung großer Flächen im Gewerbegebiet sowie auf Gemarkung Großweier.

Flächen möglicherweise nicht bebaubar

Für Grundstücke in derartigen „Überschwemmungsgebieten“ ergeben sich laut Straub aufgrund verschiedener bundes- und landesrechtlichen Regelungen erhebliche Restriktionen bei der Nutzung. So sei unter anderem das Errichten und Erweitern baulicher Anlagen, das Erhöhen oder Vertiefen der Erdoberfläche oder das nicht nur kurzfristige Lagern von Gegenständen, die den Abfluss behindern oder fortgeschwemmt werden können, verboten. Ausnahmen seien im Einzelfall möglich, dürften aber keine Auswirkungen auf die Unterlieger im Gewässer haben („Verschlechterungsverbot“). Bauherren müssten sich auf „beträchtliche planerische, rechtliche und bautechnische Hürden“ einstellen. In letzter Konsequenz könnte das bedeuten, so Straub, dass manche Flächen nicht bebaubar sind.

Kommune unter Druck

Die Stadtverwaltung machte ferner deutlich, dass Achern als betroffene Kommune zusätzlich unter Druck gerate, Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Wie berichtet, laufen für den Einzugsbereich westlich der Bahnlinie bereits entsprechende Planungen des Landes (Gewässer erster Ordnung), für weitere Hochwasserschutzmaßnahmen im Innenstadtbereich ist die Stadt selbst zuständig. Straub ließ keinen Zweifel daran, dass jeder Grundstückseigentümer in der Pflicht stehe, sein Anwesen bestmöglich zu schützen solange das Hochwasserschutzkonzept nicht umgesetzt ist.

„Behördenbazillus“

Während Karl Früh (CDU), Gebhard Glaser (Freie Wähler) und Jutta Römer (ABL) ihre Betroffenheit über die möglichen Folgen eines Hochwassers für die Bürger formulierten, kam Bernhard Keller zu einer anderen Bewertung der Sachlage: Er sprach mit Blick auf die Hochwassergefahrenkarte vom „Behördenbazillus“, der das Bauen letztlich „kostspieliger“ oder „unmöglich“ mache.