Der südöstliche Bereich des Petersees bei Freistett soll um weitere knapp 13 Hektar wachsen. Dafür wird der Wald (links) gerodet. | Foto: Christian Schäfer

Petersee bei Freistett

Kieswerksbetreiber stellt Erweiterungspläne vor

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Noch bis zu acht Millionen Kubikmeter Kies schlummern unter den Sedimentschichten im Petersee und an dessen südöstlichen Rand: Um diese Gesteine nach 2024 zu gewinnen, beantragt das Freistetter Kieswerk Hermann Peter beim Landratsamt die wasserschutzrechtliche Genehmigung für den Abbau. Entsprechende Pläne stellten Experten und Verantwortliche an diesem Mittwoch in Memprechtshofen öffentlich vor.

Sie verdeutlichen an der Südostflanke des Gewässers massive Veränderungen, die die Verbandsversammlung des Regionalverbands Südlicher Oberrhein bereits absegnete. So wird die Yachtstraße voraussichtlich von 2025 an auf einer Länge von 650 Metern zur Bootswerft Krieg verlegt. Zudem weichen von 2023 an etwa 12,3 Hektar Wald zwischen dem Rheinseitenkanal und dem See. Dafür sind unter anderem Ersatzaufforstungen in Rheinauer Wäldern vorgesehen, sogenannte „Waldumbauten“, sowie eine vollständige Aufforstung im Gesamtverhältnis der zu rodenden Fläche. Welche Flächen zur Aufforstung auf Rheinauer Gemarkung genutzt werden, ist noch offen.

Keine gefährdeten Tier- und Pflanzenarten betroffen

Auch neue Eidechsenrefugien an den künftigen Uferbereichen des Sees sind geplant, Fledermaushabitate sowie Uferschilfröhrichte entlang des Altrheinzugs. Konkrete Details würden noch erarbeitet, so Landschaftsarchitekt Werner Spang. In dem Wald südöstlich des bisherigen Sees ermittelten die Planer neben Baum- und Pflanzenarten wie Ahorn, Esche, Holunderbüsche und Röhrichte neun Fledermaus- und 21 Brutvogelarten. Nach Angaben der Planer befinden sich dort keine gefährdeten Tiere und Pflanzen. Das Erweiterungsgebiet sei nach gesetzlichen Vorgaben weder Schutzwald gegen schädliche Umwelteinwirkungen noch Waldschutzgebiet. Allerdings befindet sich das geplante Abbaugebiet vollständig in einem Vogelschutzgebiet sowie 870 Quadratmeter davon im FFH-Gebiet Westliches Hanauerland. Trotzdem bescheinigen die Planer auch hier keine erheblichen Beeinträchtigungen.


Segelclub erhält Ausgleichsfläche

Von voraussichtlich 2025 an, so das Vorhaben, beginnt die Ausbaggerung der Erweiterungsfläche bis zur Feinsandfläche. Um das Jahr 2029 müsse dann die bestehende Bootssteganlage samt Vereinsheim des Segelclubs weichen. Rheinaus Bauamtsleiter Roland Mündel stellte klar, dass für die Anlieger und Besitzer dieser Stege von der Firma Peter Ersatzflächen am westlichen Uferbereich des Sees erhalten. Für die Kosten komme der Vorhabenträger auf.

Neue Yachtstraße mit „Delle“

Neben der Yachtstraße erhalten Strom- und Telefonleitungen neue Trassen. Der künftige Straßenverlauf hat eine „Delle“, damit ein Seggenried erhalten bleibt. Zugleich räumt Spang ein, dass ein Laichgewässer für den Kleinen Wasserfroschs und des Springfroschs verloren gehen und der künftige Straßenverlauf ein weiteres durchtrennt. Fischereipächter Bernd Urban regt an, dass die dortigen Schluten bei der Neuanlage der Straße vernetzt bleiben, damit Fische zum Laichen in die entsprechenden Gewässer gelangen. Sonst sehe er der Erweiterung positiv entgegen.

Abbau von Kies bis etwa 2047?

Die bisherige Abbaukonzession läuft am 31. Dezember 2023 aus. Bis dahin können im nördlichen See etwa 2,3 Millionen Kubikmeter Kies gewonnen werden, erklärt Ingenieur Joachim Korbe. Ab 2032 werden die Feinsande über dem Kies mit einem Saugrüsselbagger abgetragen und in den nördlichen See umgelagert. Damit die Feinsande nicht zurückrutschen, erhält das Gewässer einen Querdamm, eine sogenannte Rippe. Das ausbaggern des Altsees und der Erweiterungsfläche unter den abgetragenen Feinsandschichten bis zu einer maximalen Tiefe von etwa 65 Metern ist von 2035 bis etwa 2047 vorgesehen.