Viel Platz bietet das „Brachfeld“ zwischen Morezstraße (rechts) und Gymnasium (links). Das an die Berliner Straße angrenzende Areal ist als Standort für einen Krankenhaus-Neubau im Gespräch. | Foto: Archiv

Übungsplatz aus dem Rennen

Klinik-Neubau im Acherner „Brachfeld“?

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Wo könnte in Achern eine neue Klinik gebaut werden? Diese Frage rückt nach der Vorstellung des Strukturgutachtens zur „Agenda 2030“ des Ortenau Klinikums zunehmend in den Blickpunkt der Debatte. Oberbürgermeister Klaus Muttach wollte den Spekulationen  in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats ein Ende bereiten – er hatte vorige Woche  mitgeteilt, dass die Stadt Achern für diese Lösung „Vorsorge getroffen“ habe und „sofort eine ausreichend große zentrumsnahe städtische Fläche zur Verfügung stellen könnte“. Nach Informationen unserer Zeitung ist neben dem Standortübungsplatz und dem Glashüttenareal auch das in städtischem Besitz stehende „Brachfeld“ zwischen Morezstraße und Gymnasium im Gespräch.

Anbau oder Neubau?

Nach dem Gutachten des Beratungsunternehmen Lohfert & Lohfert (Hamburg) sind – wie berichtet – aus Acherner Sicht insbesondere die beiden Varianten interessant, die hier entweder einen Anbau (Variante 2a) oder einen kompletten Neubau (Variante 2b) vorsehen. Bekanntlich kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass sich das wirtschaftliche Gesamtergebnis bei einem Modell mit drei Standorten (Offenburg, Lahr und Wolfach) nicht wesentlich von der Variante mit vier Standorten (Offenburg, Lahr, Wolfach und Achern) unterscheidet.

„Leistungsverluste vermeiden“

Der Erhalt des Standorts Achern würde nach Einschätzung der Gutachter jedoch dazu führen, dass deutlich mehr Menschen eine Behandlung im Ortenau Klinikum suchen, was sich wiederum positiv auf die zu erwartenden Erträge auswirken würde. Gemeint sind dabei insbesondere Menschen aus dem südlichen Landkreis Rastatt; es gehe darum, so die Gutachter, „Leistungsverluste“ an der nördlichen Grenze des Ortenaukreises zu vermeiden.

Strahlkraft Richtung Norden

Oberbürgermeister Klaus Muttach hat bereits erkennen lassen, dass er der Neubau-Variante den Vorzug gibt – ähnlich äußerte sich kürzlich auch Rüdiger Feik als ärztlicher Direktor des Klinikums in Achern. Muttach verwies in der Diskussion im Krankenhausausschuss am vergangenen Donnerstag auf die „Strahlkraft“ des Acherner Klinikums in Richtung Norden, aber auch auf Vorteile durch das vielfältigere Arbeitsplatzangebot – nicht zuletzt für Beschäftigte des Acherner Klinikums, die aus dem Landkreis Rastatt kommen. Seine Argumente für den Neubau mit rund 250 Betten sind ein gegenüber einem Anbau verbessertes Raumkonzept, zu erwartende Einsparungen bei den Personalkosten sowie die vergleichsweise schlechte Verkehrserschließung des heutigen Standorts, der weder über ausreichende Parkmöglichkeiten noch über leistungsfähige Zufahrtsstraßen verfügt.

Viele Vorteile für „Brachfeld“

Voraussetzungen für einen Neubau seien nicht nur ein zukunftsfähiges Konzept mit der bestmöglichen medizinischen Versorgung, sondern auch eine gute Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Bei der Standortwahl rückt das Areal im „Brachfeld“ in den Blickpunkt. Bei dem als „regionaler Grünzug“ ausgewiesenen Standortübungsplatz gibt es die seit der missglückten Edeka-Ansiedlung bekannten naturschutzrechtlichen Bedenken. Das Glashüttenareal steht nicht (mehr) im Besitz der Stadt Achern und ist konzeptionell als Neubaugebiet für rund 400 Wohnungen vorgesehen. Das „Brachfeld“ hingegen dürfte ausreichend groß sein, liegt am Nordrand von Achern mit fußläufiger Erreichbarkeit sowohl des Bahnhofs wie auch der Innenstadt innerhalb einem Radius von einem Kilometer, hat durch das nahe gelegene Gymnasium bereits eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und dürfte baurechtlich als realisierbar einzuschätzen sein. Die „Strahlkraft“ in Richtung Norden könnten kurze Wege zur alten und zur neuen Bundesstraße 3 entfalten, und über die Infrastrukturstraße wäre auch eine schnelle Zufahrt zur Autobahnanschlussstelle gegeben.

Nordspange wieder in der Diskussion

Und vielleicht erhält in diesem Zusammenhang die vor Jahren geführte Diskussion über die „Nordspange“ neue Nahrung: Eine Nordost-Anbindung direkt von der Infrastrukturstraße zum „Brachfeld“ würde zu einer perfekten Anbindung des Individualverkehrs führen – und die Innenstadt entlasten.

Brachfeld
Das Areal „Brachfeld“ zwischen der Morezstraße und dem Gymnasium ist seit vielen Jahren immer wieder in der politischen Diskussion. Einst plante die Stadt Achern hier ihr neues Freibad in Kombination mit einem Hallenbad, außerdem waren die Verlegung des Hornisgrindestadions und der Bau einer Stadthalle Gegenstand der Überlegungen in Verwaltung und Gemeinderat.
Die Überlegungen für den Bau eines Hallen-Wellenbads waren offenbar so weit gediehen, dass die seinerzeit von Oberbürgermeister Winfried Rosenfelder geführte Stadtverwaltung dem Betreiber der einstigen Eishalle jährlich 30 000 Mark (rund 15 000 Euro) zahlte – als Kostenersatz für die Nutzung der Abwärme der Eishalle für das dann doch nicht verwirklichte Hallenbad. mm