Bühls OB Hubert Schnurr (rechts) und Acherns Rathauschef Klaus Muttach reden im Interview mit ABB-Redakteuren Klartext in Sachen Klinikreform der Ortenau. | Foto: Roland Spether

Konsequenzen aus dem Streit

Klinikreform im Ortenaukreis: Oberbürgermeister aus Bühl und Achern reden Klartext

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Man kennt sich und man schätzt sich: Im Interview mit ABB-Redakteuren aus Achern und Bühl zeigten die Oberbürgermeister Hubert Schnurr (Bühl) und Klaus Muttach (Achern) demonstrative Gelassenheit, was die „Irritationen“ im Zusammenhang mit der Debatte über die neue Klinikstruktur im Ortenaukreis und deren Auswirkungen auf das Bühler Krankenhaus betrifft.

Gleichzeitig bekräftigten sie ihren Willen, in Anbetracht der gemeinsamen Wurzeln die mittelbadische Partnerschaft auszubauen und sich – vielleicht – in Zukunft noch häufiger zu treffen. Beide Städte liegen im Herzen Badens, waren aber nicht immer ein Herz und eine Seele.

Getrennte Wege seit 1973

Für Bühl und Achern endete am 1. Januar 1973 mit der Kreisreform nach 34 Jahren nicht nur ein Stück gemeinsamer Geschichte im Landkreis Bühl, sondern auch ein gewisses Konkurrenzverhältnis. Seitdem gehen Bühl im nordbadischen Landkreis Rastatt sowie Achern in dem zu Südbaden gehörenden Ortenaukreis getrennte Wege; sie gehören zu unterschiedlichen Regionalverbänden und Wirtschaftsstrukturen.

Größtes Reformvorhaben in der Geschichte

Mit der Neuordnung seiner Krankenhäuser stemmt der Ortenaukreis gerade das größte Reformvorhaben seiner Geschichte. Das hat tiefe Spuren im Landkreis Rastatt hinterlassen, wo man ganz eigene Sorgen mit den Kliniken hat. Über die Konsequenzen aus dem Streit sprachen die ABB-Redakteure Wilfried Lienhard, Michael Moos und Frank Löhnig mit den Oberbürgermeistern von Achern und Bühl, Klaus Muttach und Hubert Schnurr, in der Acherner Redaktion.

Wurde in der Krankenhausdebatte Porzellan zerschlagen, und falls ja, von wem?

Klaus Muttach: Auf Bühl bezogen gibt es für mich kein Porzellan, das zerschlagen worden ist. Wir müssen das ganze Thema jetzt einfach auch ein bisschen sacken lassen und die Beschlüsse jetzt nach und nach umsetzen. Die ganze Diskussion war ja emotional genug. Wir haben jetzt im Ortenaukreis einige Aufgaben, die es umzusetzen gilt. Im Blick auf Bühl sehe ich nicht, was man da jetzt anders machen müsste. Die geografische Lage von Bühl im Süden des Kreises Rastatt und Achern im Norden des Ortenaukreises sehe ich als wirkliche Chance, auch argumentativ. Wir haben den Begriff der komplementären Kooperation eingeführt, aber natürlich sind beide Klinken Mitbewerber, und das ist auch gut so. Ich sehe das auch als Chance, dem Ortenaukreis zu sagen, dass man das Acherner Haus stark halten muss, und vielleicht ist es auch für den Kollegen Schnurr die Chance, im Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden ähnlich zu argumentieren. Ich habe mir bei der Vorbereitung des Gesprächs mal das Profil der beiden Häuser angeschaut. Die Angebote in Bühl und Achern ergänzen sich ganz überwiegend.

Herr Schnurr, Hand aufs Herz: Was wäre ihnen lieber: Ein Acherner Krankenhaus oder kein Acherner Krankenhaus?

Schnurr: Wenn man die langfristige Entwicklung betrachtet, wird es medizinische Schwerpunkte in Karlsruhe und Freiburg geben, dazwischen werden sich mit Baden-Baden/Rastatt und dem Bereich Offenburg noch zwei Klinikstandorte behaupten können. Wie die Häuser dann untereinander aufgestellt sind, das sei mal dahingestellt.

Die Frage haben Sie aber noch nicht beantwortet …

Schnurr: Achern wäre richtig an der Stelle, wenn wir uns abstimmen, was das medizinische Angebot anbelangt. Dann haben beide Häuser eine Existenzberechtigung.

Muttach: Die 149 Frauen aus dem Kreis Rastatt, die vergangenes Jahr in Achern entbunden haben, die waren froh, dass das möglich war.

Schnurr: Andererseits haben wir in Baden-Baden auch Frauen aus dem Ortenaukreis. Es ist ein Geben und Nehmen.

Mehr Hintergründe und das ganze Interview lesen Sie am Samstag in der gedruckten Ausgabe des ABB oder im ePaper.