Geschlossen wird das Oberkicher Krankenhaus 2030. Im Oberkircher Gemeinderat hat man daran weiter zu kauen und schießt gen Achern. | Foto: Ullmann

Querschüsse aus dem Renchtal

Klinikstreit zwischen Achern und Oberkirch flammt wieder auf

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Nachtreten gilt nicht nur im Fußball als eine besonders unschöne Form des Foulspiels – und wird in der Regel mit der roten Karte geahndet. In der Politik ist das ein wenig anders. Dies jedenfalls exerziert der Oberkircher Gemeinderat vor, der sich in seiner jüngsten Sitzung mal wieder an der Zukunft der Krankenhäuser in der nördlichen Ortenau abarbeitete. Tenor der Debatte, die den vorläufigen Höhepunkt des seit Wochen dort schwelenden Unmuts markierte: Der geplante Neubau in Achern sei verzichtbar, wenn man stattdessen das künftige Großklinikum in Appenweier errichte.

„Verschwendung von Steuergeldern“

Die Pläne in Achern seien, so barmte CDU-Fraktionschef Michael Braun Medienberichten zufolge, eine „Verschwendung von Steuergeldern im dreistelligen Millionenbereich“. Harsche Worte, die angesichts der Bemühungen des Kreises, für die Neubauten in Achern und Offenburg Landeszuschüsse im dreistelligen Millionenbereich einzuwerben, zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommen. Kommentar der Acherner Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) dazu: „Neidkomplexe“.

„Neidkomplexe“ in Oberkirch

Sein Oberkircher Amtskollege Matthias Braun (ebenfalls CDU) zeigte sich am Donnerstag bestrebt, die Wogen ein wenig zu glätten. Tatsächlich sei auch er der Meinung, die Entscheidung über die Agenda 2030, die bekanntlich unter anderem das Aus für die Klinikstandorte Oberkirch und Kehl bedeutet, sei zu früh gefallen. Er habe im Kreistag nicht für den Neubau in Achern gestimmt, weil noch Fragen offen seien, und er sehe diese noch immer als nicht geklärt an.

Entscheidung über Neubau zu früh?

Über Achern könne erst entscheiden werden, wenn klar ist, wo das neue Offenburger Großklinikum hinkommt: Auf den Holderstock, wie von der Stadt bislang favorisiert, oder nach Windschläg, was den Oberkircher Interessen entgegenkomme: Das wäre, so Braun, „eine sehr gute Sache“.

Will die Wogen glätten: Der Oberkircher OB Matthias Braun. | Foto: Löhnig

Danach könne man auch darüber debattieren, wie es mit dem geplanten Neubau in Achern weitergehe. Braun wandte sich gleichwohl gegen die Vermutung, in Oberkirch agiere man derzeit nach dem Motto, das andere nicht haben sollen, was man selbst auch bald nicht mehr haben wird.

Klinikum hält sich raus

Beim Ortenau Klinikum hält man sich nach den jüngsten Querschüssen aus Oberkirch bedeckt: Eine Prüfung des Standorts Appenweier sei nicht Teil des Kreistagsbeschlusses, so Geschäftsführer Christian Keller schmallippig. Er war in den letzten Tagen mehrfach aus Oberkirch angegangen worden.

Kritik an Oberkirch

In Achern ist man weniger zurückhaltend. Die Sichtweise, dass Investitionen in die Gesundheitsversorgung eine Verschwendung von Steuergeldern darstellten, sei „grundsätzlich abzulehnen“, so OB Klaus Muttach. Der Neubau in Achern sei im Ergebnis für den Gesamtkonzern Klinikum wirtschaftlich sogar günstiger als eine Variante ohne ein neues Haus in Achern. Die Beschlusslage des Kreistags sei im Übrigen klar: „Stattdessen ein Mammutklinikum in Appenweier zu fordern, zeugt weder von Realitätssinn noch von medizinischem Sachverstand“.