In das Klinikum Bühl zieht die bisher in Ebersteinburg stationierte Schmerztherapie um. Die jetzt vom Klinikum Mittelbaden angekündigte Reform sieht außerdem vor, das altersmedizinische Angebot in Bühl zu konzentrieren. | Foto: Bernhard Margull

Weitere Reformen

Klinikum stärkt Standort Bühl: Forbach und Ebersteinburg müssen Bereiche abgeben

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Im Oktober soll sich der Rastatter Kreistag und der Stadtrat Baden-Baden mit jenen Vorschlägen befassen, die der Aufsichtsrat der Klinikum Mittelbaden gGmbH in seiner Sitzung am 18. September als „konsequente Maßnahme“ den Gesellschaftern des Unternehmens vorgelegt hat, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums.

„Die Konzentration ist gewollt, und deshalb wird an vielen Schräubchen gedreht“, sagt Jürgen Jung, der Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, mit Blick auf die personellen Anforderungen und einen „Riesenstrauß von Einzelmaßnahmen“, die kleineren Krankenhäusern die Überlebenschancen entzögen.

Jetzt steht dem Klinikum Mittelbaden eine erneute Reform ins Haus. Die landes- und bundespolitischen Entwicklungen im Gesundheitswesen und die personelle und wirtschaftliche Entwicklung an einigen Standorten führen auch im Klinikum Mittelbaden zu neuen Überlegungen: So soll das akutmedizinische Angebot schrittweise auf die drei Klinikstandorte Baden-Baden Balg, Rastatt und Bühl konzentriert werden.

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Schmerztherapie zieht von Ebersteinburg nach Bühl

Wie geht es weiter mit den Krankenhäusern? Das Klinikum Mittelbaden prüft derzeit, welches Leistungsangebot es an den beiden Standorten wie etwa Ebersteinburg künftig vorhalten möchte.
Wie geht es weiter mit den Krankenhäusern? Das Klinikum Mittelbaden prüft derzeit, welches Leistungsangebot es an den beiden Standorten wie etwa Ebersteinburg künftig vorhalten möchte. | Foto: Kappler

Die Schmerztherapie zieht demnach von Ebersteinburg nach Bühl um. Die durchschnittlich 15 stationären Schmerzpatienten sowie die Schmerzambulanz werden am Bühler Standort integriert. Die Schmerztherapie stelle in Bühl eine sinnvolle medizinische Ergänzung zum dort bereits bestehenden Leistungsangebot der Neurochirurgie, Handchirurgie und Altersmedizin dar.

Der Standort Bühl wird damit nochmals gestärkt.

Jürgen Jung, Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden

Rund 400.000 Euro investiert das Klinikum dazu in den Umbau einer ehemaligen Station der Frauenklinik, die Räumlichkeiten sollen ab April des nächsten Jahres für die Schmerztherapie zur Verfügung stehen.
Das palliativmedizinische Angebot in Ebersteinburg wird mit dem gleich gelagerten Angebot im Palliativzentrum in der Hub zusammengeführt, kündigt das Klinikum weiter an. Als Folgenutzung in Ebersteinburg wird das bestehende Hospizangebot erweitert und um weitere pflegerische Angebote ergänzt.

Forbach gibt Altersmedizin ab

Das Krankenhaus in Forbach. | Foto: Bauer

Das bisher in Forbach und in Bühl vorhandene altersmedizinische Angebot könnte in der zweiten Jahreshälfte des nächsten Jahres am Bühler Klinikstandort konzentriert werden. Im Forbacher Klinikgebäude stehen dann der Bevölkerung weiterhin eine niedergelassene Allgemeinmedizinerin, Sprechstundenangebote von Chefärzten aus dem Klinikum und operative augenärztliche Leistungen durch eine Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Augenärzte zur Verfügung.

Als Folgenutzung der bisherigen Bettenstation wird eine Ausweitung des bereits bestehenden Kurzzeitpflegeangebotes um eine vollstationäre Pflege auf eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit überprüft. Daneben ist bereits mit dem Umbau der bisherigen Küche in eine Tagespflegeeinrichtung begonnen worden. Die zukünftig circa 14 Plätze umfassende Einrichtung wird von der Sozialstation Forbach-Weisenbach betrieben. Die Kooperation mit der DRK-Rettungswache wird optimiert und in das Hauptgebäude verlagert.

Der bisherige Forbacher Klinikstandort könnte durch diese Maßnahmen in ein wohnortnahes medizinisches und pflegerisches Versorgungsangebot überführt und langfristig als Gesundheits- und Pflegezentrum gesichert werden, so das Klinikum Mittelbaden weiter.

Krankenhaus Forbach besteht seit über 120 Jahren

Den Krankenhausstandort Forbach gibt es im Übrigen seit über 120 Jahren: Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, um Holzfäller behandeln zu können, die bei der gefährlichen Waldarbeit verunglückt waren.

Wie schnell sich die Reformen und Umstrukturierungen „jagen“, beweist folgendes Zitat: „Die Zukunft geht in Forbach altersmedizinisch weiter“, hatte Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung noch im Juni 2018 bei der Verabschiedung von Chefarzt Hans-Martin Wahl gesagt – jetzt ist diese Aussage schon überholt.

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„Die schon zuletzt festzustellende Tendenz einer Stärkung des Standorts Bühl wird durch diese Entscheidung des Klinikums Mittelbadens nur unterstrichen.“ Dies betont Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf ABB-Anfrage zu den vom Klinikum Mittelbaden angekündigten Umstrukturierungen. Als noch fehlenden Baustein bezeichnet der Bühler OB das Pflegeheim. Hier könne kommendes Jahr mit dem Bau begonnen werden, der dazugehörige Bebauungsplan sei bereits rechtskräftig. „Mit der Entwicklung zu diesem Campus aus spezialisierten medizinischen Leistungen und einer Pflegeeinrichtung bin ich äußerst zufrieden“, so Schnurr, „erst recht, wenn man die Gerüchte früherer Jahre bedenkt.“