Jungmusikerleistungsabzeichen für Erwachsene
Intensiv geübt hat Sabine Wald mit der von ihrer Tochter übernommenen Klarinette für das Jungmusikerleistungsabzeichen. | Foto: Anatol Fischer

Acherner bei Leistungsabzeichen

Können Erwachsene „Jungmusiker“ sein?

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Es klingt zunächst nach einem ungewöhnlichen Wunsch, wenn zehn nicht mehr ganz so junge Erwachsene das Jungmusikerleistungsabzeichen erwerben wollen. Doch die Geschichte der zehn erfolgreichen Musiker, die in einer Bläserklasse der privaten Acherner Musikschule Klangfabrik musizieren, zeigt gleich mehrere Dinge.

Zunächst, wie uneindeutig Sprache sein kann. Sie sei doch Jungmusikerin, sagt Sabine Wald, die inzwischen auch stolze Besitzerin des bronzenen Abzeichens ist. Schließlich habe sie vor nicht langer Zeit mit dem Klarinettespielen angefangen und sei damit in diesem Bereich jung dabei. Nach zwei Jahren des Übens sei die Auszeichnung eine Bestätigung gewesen. Von ihrer Tochter, die inzwischen Saxofon spielt, habe sie die Klarinette übernommen. Bei ihr habe sie auch gesehen, „dass es schön ist, zu musizieren.“ Der Wunsch, zur Prüfung anzutreten, sei in der Gruppe entstanden, erzählt auch Katharina Steinhöfel. Zehn der 16 Teilnehmer waren dabei. Silber stehe allerdings noch nicht im Raum, sagt Steinhöfel weiter, die Tenorsaxofon spielt. Manfred Huber, der Leiter der Klangfabrik, habe alles organisiert.

Musikverbände mit unterschiedlicher Reaktion

Dann jedoch gab es unerwartete Schwierigkeiten: Der Acher-Renchtal-Musikverband (ARMV) habe es nicht ermöglichen wollen, dass seine zehn Kandidaten die Prüfung ablegen, berichtet Huber. Dabei komme vom Dachverband die Vorgabe, auch Erwachsene zuzulassen, wenn diese motiviert sind. ARMV-Präsident Klaus-Peter Mungenast erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung die Gründe. Zunächst handelt es sich aus seiner Sicht um ein Abzeichen für junge Musiker. Außerdem werde der ARMV von den Musikvereinen getragen und biete entsprechend die Prüfung auch zunächst für diese an. Und zu guter Letzt habe es zuvor den Wunsch von Erwachsenen noch nicht gegeben: „Das war bei uns bis dahin kein Thema“. Deswegen habe man erst mal die Bedingungen schaffen müssen.

Keine definierte Regelung für Erwachsene

„Wir müssen da eigene Kurse machen“, erklärt Mungenast, denn es sei pädagogisch ein Unterschied, ob die Prüflinge Jugendliche oder Erwachsene seien. Inzwischen gebe es aber auch bei ihm im Verband die Möglichkeit für Erwachsene – im Herbst seien dann Lehrgänge und Prüfungen. Die zehn Acherner wichen schließlich auf den Ortenauer Blasmusikverband aus. Dessen Verbandsjugendleiter und Vorsitzender der Ortenauer Bläserjugend, Marco Rajnys, erklärt, es gebe tatsächlich keine definierte Regelung, wie mit Erwachsenen in Bezug auf das Jungmusikerleistungsabzeichen umgegangen werden solle. Eine Entscheidung obliege dem jeweiligen Verbandsjugendleiter. Er finde es toll, wenn „Personen, die bereits aus dem Jugendalter draußen sind, ein Instrument lernen“. Wenn sie dann auch noch zur Prüfung antreten, wolle er dies unterstützen.

Bronze für die zehn Acherner Musiker

Und so ist es auch dem unterschiedlichen Umgang der beiden Verbände zu verdanken, dass Harald Beuter, Ingrid Kurz, Bettina Lehmann, Gabriele und Germanus Lehmann, Claudia Quast, Sabine Schmidt, Katharina Steinhöfel, Sabine Wald und Winfried Wanner am Ende doch noch das bronzene Jungmusikerleistungsabzeichen erzielen konnten.