Ein reizvolles Ambiente kennzeichnet das Acherner „Tivoli“. Das von einem Verein getragene kommunale Kino verzeichnet eine höchst positive Entwicklung. | Foto: Michael Moos

15.000 Besucher erwartet

Kommunales Kino als „kulturelles Aushängeschild“ in Achern

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Die Zugkraft des „Tivoli“ in der Acherner Kulturlandschaft ist phänomenal. Bei seiner ersten Jahreshauptversammlung konnte der Vorstand den Mitgliedern des „Kommunale Kino Tivoli Filmtheater Achern“ eine außerordentlich erfolgreiche Bilanz vorlegen. Allein im ersten Halbjahr 2019 kamen mehr als 8.000 Besucher ins Tivoli.

Von Wolfgang Winter

Bis Ende des Jahres wird mit 15.000 verkauften Eintrittskarten gerechnet. „Manches gewerbliche Kino würde sich über eine ähnliche Auslastung ihres Saales freuen“, erklärte Vorsitzender Hans Joachim Fischer.

Ein wunderbares Kinohaus

Reiner Hoff, Geschäftsführer des Landesverbands Kommunale Kinos Baden-Württemberg, bezeichnete das „Tivoli“ in seinem Grußwort als ein „wunderbares Kinohaus“. Hier würden die an ein Kommunales Kino gestellten Anforderungen „vorbildlich umgesetzt“. Zu den von einem Kommunalen Kino zu pflegenden Aufgaben zählte Hoff zum Beispiel die Auseinandersetzung mit der Kinogeschichte. Als in Achern der 1929 gedrehte „Blaue Engel“ in einer Matinee gezeigt wurde, habe sein „Herz vor Freude gehüpft“. Die Schulkinowoche sei mit „grossen Erfolg gelaufen“, ein Kinderkino von Anfang an etabliert.

Sozialer Treffpunkt

Da ein Kommunales Kino auch ein sozialer Treffpunkt sei, wurden auch „Kooperationen mit Vereinen, Firmen, Schulen und Institutionen“ gesucht und umgesetzt. Im laufenden Betrieb standen aber auch die Erstaufführungen im Vordergrund. So seien den Acherner Bürgern weite Wege erspart geblieben, konnten sie doch darauf bauen, mit etwas Verspätung die wichtigsten Filme auch im „Tivoli“ zu sehen.

Stummfilm als Geschenk

Hoff begrüßte die Mitgliedschaft des „Tivoli“ im Landes- und Bundesverband der Kommunalen Kinos und den Besuch ihrer Versammlungen, um „wichtige Netzwerkkontakte zu knüpfen“. Die engagierten Acherner Kinomacher könnten in Zukunft damit rechnen von den Finanzierungsprogrammen des Bundes und Landes zu partizipieren, erklärte Reiner Hoff. Mit Geldern aus dem „Innovationsfonds Kunst“ stellte Hoff als Geschenk zum einjährigen Bestehen des Tivoli einen kuratierten Stummfilm mit dem renommierten Begleitpianisten Günter A. Buchwald in Aussicht.

Zuschuss der Stadt „sinnvolle Investition“

Der frisch im Amt bestätigte OB-Stellvertreter Karl Früh bedankte sich auch im Namen der Acherner Bürger für die engagierte ehrenamtliche Tätigkeit des Vorstands. Er lobte das Tivoli als „wichtige Institution und kulturelles Aushängeschild Acherns“. Er betrachte den Zuschuss der Stadt als „sinnvolle Investition“, für dessen Fortführung er sich im Gemeinderat einsetzen wolle.

Erfolgreiches „Tivoli“-Team: Von links Iris Mantel, Thomas Mäntele, Gudrun Beyer-Köstlin, Otto Schnurr, Hans Joachim Fischer, Ulla Brunke und Isabelle Keller. | Foto: Daniela Busam

Bei seiner Jahresbilanz freute sich der Vorsitzende, Karl Früh als 100. Vereinsmitglied begrüßen zu können. Fischer informierte außerdem über die Pläne zum 2020 anstehenden, 100-jährigen Bestehen des „Tivoli“, die Programmchef Thomas Mäntele konkretisierte. So sei unter anderem ein Kurzfilmwettbewerb und einen großangelegte, dem Publikum zur Auswahl vorgelegte Retrospektive der Filmgeschichte geplant. Auch machte Mäntele auf einige der noch für 2019 geplanten Aufführungen neugierig.

Kleinkunst mit Kräuter und „Bruddler“

Der für die Kleinkunst zuständige Beirat Otto Schnurr bilanzierte das erfolgreiche Veranstaltungsprogramm und kündigte unter anderem einen Kabarettabend mit Jörg Kräuter am 31. Oktober und eine „Bruddler“-Lesung mit Otmar Schnurr am 5. Dezember an. Die neuen Reihen „Zeitzeugen im Gespräch“ und „Theologische Gespräche“ sollen außerdem die Agenda bereichern.

Spielraum für Investitionen

Die stellvertretende Vorsitzende und Kassiererin Ulla Brunke informierte über die Aus- und Einnahmen des Vereins und machte den Mitglieder die begründete Hoffnung, dass mit dem in Aussicht stehenden positiven Endergebnis weitere Investitionen getätigt werden können. Zu den kräftig sprudelnden Einnahmequellen gehörte auch die von Gudrun Beyer-Köstlin geleitete Kinobar.