In der Behandlung liegt die koschere Qualität: Josef Serrer, Medard Weber und Pius Weber liefern Fautenbacher Meerrettich nach London und Straßburg. | Foto: Michael Karle

Messer sind tabu

Koscherer Meerrettich aus Fautenbach

Von Michael Karle

Seit zehn Jahren liefert ein landwirtschaftlicher Betrieb aus dem Acherner Stadtteil Fautenbach koscheren Meerrettich an die jüdischen Gemeinden von Straßburg und London. „Das Pessachfest kann kommen – unser Wurzelgemüse ist auf dem Weg“, sagt Meerrettichanbauer Pius Weber. Koscherer Meerrettich wird ohne Einsatz von Messern verarbeitet und darf nicht vom Kraut befreit werden.

Zwei Tonnen für Abnehmer in London

Zusammen mit dem Berufskollegen Josef Serrer aus dem Nachbarort Önsbach hat Pius Weber jetzt mehr als zwei Tonnen von der scharfen Wurzel in die englische Hauptstadt geliefert. Da wirken die 200 Kilo für die Straßburger Gemeinde schon verschwindend wenig. Gefeiert wird das Pessachfest zwischen dem 31. März und dem 7. April.

Lob für die besondere Schärfe

Im vergangenen Jahr erhielt Pius Weber nach dem Fest sogar eigens eine Qualitätsrückmeldung. „Man hat die besondere Schärfe gelobt. Die orthodoxen Juden wollen mit dem Meerrettich und seinen Kräutern die Bitterkeit des Leidens in der ägyptischen Gefangenschaft darstellen“, weiß Weber.

Nasser Winter schadet

Ob der Jahrgang 2018 genauso scharf wie der letzte ist, vermag der Landwirt indes nicht zu sagen. Der nasse Winter hat den Pflanzen ordentlich zugesetzt, wie sich jetzt auch an Verfärbungen des Krautes zeigt. Der Frost der vergangenen Wochen hat indes für Trocknung und Qualitätsverbesserung gesorgt.

Nach Ostern wird der nächste Jahrgang gepflanzt

Für die Meerrettichanbauer wird jedenfalls schon bald nach Ostern das Auspflanzen des nächsten Jahrgangs beginnen. Schließlich wollen die jüdischen Kunden in London und Straßburg zum Pessachfest auch 2019 wieder gut beliefert sein.

„Fautenbach – ganz scharf“

Noch davor wollen sich die Fautenbacher Landwirte am 30. September 2018 auch mit den ersten Meerrettichwurzeln des neuen Jahres zeigen. Am „Tag der gläsernen Produktion“, den der BLHV für den kommenden Herbst wieder vorgesehen hat, soll es nämlich wieder heißen „Fautenbach – ganz scharf.“

Ein zehntel der deutschen Anbaufläche

Der Meerrettich hat in Fautenbach nach wie vor eine gute Tradition. Schließlich bauen die Landwirte das gesunde Gemüse immerhin auf etwa 20 Hektar Ackerfläche an. Und das ist nahezu ein Zehntel der deutschen Meerrettichanbaufläche.