Blick auf die Beute: Die Stadt Achern lässt Rabenvögel von Falkner Steffen Schade und Wüstenbussard Mogli verjagen. | Foto: pf

Stadt Achern engagiert Falkner

Krähenvergrämung: Natur gegen Natur

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Krähen sorgen in Städten immer mehr für Unruhe und Verunreinigungen. Seit Mitte April setzt die Stadt Achern den Falkner Steffen Schade und seinen Wüstenbussard Mogli ein, um schwarze Vogelschwärme von öffentlichen Plätzen fernzuhalten. „Vergrämen“ heißt das im Fachjargon.

Eine „Wächterkrähe“ sitzt auf einem Kran und beobachtet Steffen Schade, als er sich um neun Uhr morgens am Sportplatz Achern zusammen mit seinem „Jagdfreund“ an die Arbeit macht. „Krähen sind faszinierende Tiere“, schwärmt der quirlige Lagerist, erfahrene Jäger und seit drei Jahren ehrenamtlich arbeitende Falkner. „Nicht nur intelligent, sondern auch sehr sozial.“

Krähen sind faszinierende Tiere

Vögel schon konditioniert

„Die da oben verfolgt genau, was hier passiert und warnt die anderen, dass heute kein guter Tag ist, sich hier niederzulassen“. Die meisten Krähen wissen sogar schon bei der Ankunft von Schades schwarzem Transporter, dass sie es mit Wüstenbussard Mogli zu tun bekommen.

Ländlicher Lebensraum geht verloren

Immer mehr der Rabenvögel zieht es in die Stadt, weil ihr ländlicher Lebensraum zunehmend verloren geht. Anwohner beschweren sich über Lärm und Verunreinigungen vor allem durch die Rabenkrähen, welche in den städtischen Lebensmittelabfällen eine Nahrungsquelle entdecken.

Bei 270 Tieren an einem Ort kann das schon Hitchcock-ähnlich werden

80 Nester in Achern

Steffen Schade hat im Acherner Stadtgebiet dieses Jahr etwa 80 besetzte Krähennester gezählt. Nimmt man vier Jungtiere pro Nest an, ist also mit einem Brutergebnis von 320 Vögeln zu rechnen. Nach der Brutzeit von Februar bis Mitte April, in welcher der Nachwuchs mit Fleisch, also Würmern und Kleintieren versorgt wird, konzentrieren sich die Krähen auf Körner. Die finden sie in Achern auf den Mais- und Gerstenfeldern, die sich in unmittelbarer Umgebung des Friedhofs befinden.

„Beschissene“ Lage

Für die Landwirtschaft sind laut Schade aber nur die ersten zehn Tage nach der Pflanzung kritisch. Zur Zeit tummeln sich viele Krähen in Höhe des Dänischen Bettenlagers, aber auch in Höhe des Penny-Markts und am Adlerplatz konnte Schade immer wieder Saatkrähen sichten. Die Vielzahl der Nester, etwa 48 Stück, haben die Vögel aber oberhalb des Kindergartens angelegt, wo die Lage dementsprechend „beschissen“ sei.

Baumstutzung einzig dauerhafte Lösung

Nicht nur der Krähenkot macht dem Kindergartenpersonal zu schaffen, bei 90 Alttieren plus Nachkommen rechnet man mit 270 Tieren, und weil sich ein Krähenschwarm gerade im Verteidigungsmodus besonders aggressiv verhält, „kann das schon Hitchcock-ähnlich werden“, so Schade. Weil die schlauen Krähen Vogelscheuchen und Attrappen schnell enttarnen, sei das Zurückschneiden der Bäume außerhalb der Brutzeit die einzig dauerhafte Lösung. Ob diese aber mit dem Naturschutz vereinbar ist, müssten Fachleute entscheiden, so der Falkner.

Das machen die Menschen seit über 4000 Jahren so

Beizjagd Weltkulturerbe

Bis dahin setze man eben „Natur gegen Natur“ ein, und lasse artengeschützte Vögel ihresgleichen vertreiben. „Das machen die Menschen seit über 4 000 Jahren so“, die Beizjagd sei nicht umsonst Weltkulturerbe. Bis Mitte des Sommers darf Mogli Krähen aber nur verjagen, erst ab August wird „scharf geflogen“.

Krähe komplett verwertet

Und weil der Bodenjäger nicht nur „Arbeitstier“ sei, darf er dann auch mal eine Krähe „schlagen“. Die Krähe wird aber bis aufs Letzte verwertet, manche „Mittelalterfreaks“ interessierten sich sogar für die Vogelbeine. Und der Falkner selbst bereitet auch mal eine Krähenbrust zu: „schmeckt ähnlich wie Leber“, sagt er.

Es gibt bei der ganzen Sache nur Gewinner

Vergrämung zeigt Wirkung

„Es gibt bei der ganzen Sache nur Gewinner“, so Schades Fazit. „Die Vögel werden in weniger problematische Gebiete getrieben, der Greifvogel kann jagen und der Mensch erlebt was dabei“. In Renchen und Oberkirch, wo Schade bereits gewirkt hat, hat die Vergrämung auch für mehr ökologisches Gleichgewicht gesorgt. So seien etwa am Golfplatz in Renchen wieder vermehrt Habichte und Fasane anzutreffen.