Personell verstärkt wird das Polizeirevier im historischen Offenburger Königshof. wie lange, das ist unklar. | Foto: red

Dauer der Abordnung unklar

Land verspricht nach Bluttat mehr Polizeipräsenz in Offenburg

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Das Land will nach der Bluttat vom vergangenen Donnerstag die Polizeipräsenz in Offenburg ausbauen. Wie Innenminister Thomas Strobl am Mittwoch bekanntgab, soll eine weitere Gruppe des Polizeipräsidiums Einsatz in der Kreisstadt stationiert werden. Sie wird die 120 Beamten des Reviers unterstützen und vor allem auf den Straßen der Kernstadt und in den Offenburger Parks Präsenz zeigen.

Bedürfnisse der Bevölkerung

Man reagiere damit auf die Bedürfnisse der Bevölkerung, die nach dem Tötungsdelikt an die Polizei herangetragen wurden, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Unklar ist, wie lange die zusätzlichen Polizisten in Offenburg bleiben. Im Gegensatz zu einer formellen Aufstockung des Reviers können die Beamten des Präsidiums Einsatz jederzeit wieder abgezogen werden.

Erste Beamte kamen im Frühsommer dazu

Bereits im Führsommer hatte das Land auf die Bildung eines Kriminalitätsschwerpunkts im Bereich des zentralen Busbahnhofs und der Pfählerparks reagiert und eine erste achtköpfige Einsatzgruppe nach Offenburg abgeordnet. Die Beamten hatten sich gemeinsam mit den Streifen des Reviers vor allem auf den Pfählerpark konzentriert und sich dort dem so genannten „Ameisenhandel“ mit Drogen, also der Arbeit der Kleindealer, zugewandt sowie die wachsende Gewalt in diesem Bereich bekämpft.

„Dunkelfeld aufgehellt“

In nur vier Wochen von Anfang Juli bis Anfang August wurden nach 620 Kontrollen und 451 Durchsuchungen von Menschen und Gegenständen 114 Strafverfahren eingeleitet. 79 davon beziehen sich auf Drogendelikte mit meist deutschen Konsumenten, die sich bei überwiegend gambischen Kleinhändlern eindecken. Gegen drei Gambier und einen Deutschen, mutmaßlich einen Zwischenhändler, gab es Haftbefehle. „Wir sind da richtig rein und haben das Dunkelfeld aufgehellt“, sagt Dieterle. Dieses Vorgehen werde fortgesetzt. Wie lange es die zusätzlichen Kräfte gibt, ist nicht festgelegt: „Das Ende ist offen“, sagt Dieterle. Aber klar sei: „Andere Städte haben auch Probleme.“

Parks und Grünanlagen im Blick

Die zweite Einsatzgruppe, ebenfalls mutmaßlich acht Mann stark, soll nun ebenfalls in der Kernstadt eingesetzt werden und dort vor allem die Parks und Grünanlagen in den Blick nehmen. Hintergrund: Revierleiter Dieterle fürchtet Verdrängungseffekte der Drogenszene in andere Stadtteile, wenn die Polizei im Pfählerpark den Druck auf Dealer und Konsumenten aufrecht erhält. Mit der Entscheidung begegne das Land der Kriminalitätsbelastung in Offenburg und der insbesondere durch das Tötungsdelikt entstandenen Verunsicherung in der Bevölkerung, so die Offenburger Oberbürgermeisterin Edith Schreiner auf Anfrage dieser Zeitung. Sie habe den Handlungsbedarf in der Stadt in Stuttgart „nachdrücklichst dargelegt“, so Schreiner weiter. Die Fraktionen hätten bereits im Dezember vergangenen Jahres eine fraktionsübergreifende Resolution zur Verstärkung der Polizeipräsenz in der Stadt verabschiedet. In Kürze werde man sich nun mit einem Antrag der Freien Wähler befassen, die auf eine Videoüberwachung so genannter Hot Spots im öffentlichen Raum zum Ziel hat.

Mordverdächtiger schweigt weiter

Unterdessen hat sich die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft am Mittwoch zum Stand der Ermittlungen gegen den unter Mordverdacht verhafteten 26-Jährigen Somalier geäußert. Das Motiv der Tat liege weiter im Verborgenen, der Mann schweige. Derzeit werde untersucht, ob er zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Drogen stand. Zudem sei ein Sachverständiger mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt worden. Damit solle geprüft werden, ob der Mann zur Tatzeit schuldig war. Bislang seien etwa zehn hilfreiche Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, mit denen die Erkenntnisse zum Fluchtweg des Mannes untermauert werden konnten, so Polizei und Staatsanwaltschaft weiter.

Schweigemarsch in Offenburg

Am frühen Mittwochabend unternahmen mehrere hundert Bürger und Asylbewerber einen Schweigemarsch von einer Offenburger Asylbewerberunterkunft zum Ort der Bluttat in der Aenne-Burda-Allee.