Legendär: Dieser Mercedes-Benz 300SL mit dem Baujahr 1954 gewann am 6. August 1955 mit Tim Flock am Steuer das einzige Nascar-Sportwagenrennen in Raleigh (North Carolina).
Legendär: Dieser Mercedes-Benz 300SL mit dem Baujahr 1954 gewann am 6. August 1955 mit Tim Flock am Steuer das einzige Nascar-Sportwagenrennen in Raleigh (North Carolina). | Foto: Bernd Kamleitner

In Baden-Baden

Legenden-Parade: Mercedes-Benz 300 SL Club präsentiert wertvolle Flügeltürer und Roadster

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Wer hinter dem Steuer eines solchen Wagens sitzt, dem ist Aufmerksamkeit sicher. Hin und wieder ist ein Exemplar des legendären Sportwagens 300 SL von Mercedes-Benz tatsächlich noch auf der Straße und nicht nur im Museum zu bewundern.

Ist einer mit Flügeltüren darunter, schlägt das Herz eines jeden Autoliebhabers noch schneller: Eine Augenweide! Wer hat nicht schon von einer Ausfahrt mit dem wohl berühmtesten Auto der Marke mit dem Stern geträumt?

Ausnahmeerscheinung auf vier Rädern

Nur ganz, ganz wenige gut Betuchte konnten oder können sich diesen Traum erfüllen. Viele hatten und haben bis heute daher schon an einer Miniaturausgabe große Freude: ein 300 SL vermittelt doch auch als Spielzeugauto einen Hauch von Exklusivität.

Aber was ist das schon im Vergleich zu einem Original? Wer die Ikone 300 SL in seiner ganzen Pracht bewundern möchte, kommt an diesem Wochenende um einen Besuch in Baden-Baden nicht vorbei: 82 Exemplare dieser Ausnahmeerscheinung auf vier Rädern sind beim Jahrestreffen des 300 SL Clubs Deutschland am Donnerstag aus allen Himmelsrichtungen per Sternfahrt in die Bäderstadt gerollt.

300 SL-Club trifft sich in Baden-Baden

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder in einer Stadt in Deutschland. Im vergangenen Jahr war es Stuttgart, nach 1982 ist erneut die kleinste Weltstadt Deutschlands an der Oos das Ziel der einzigartigen 300-SL-Parade. Großes Aufsehen will der Club mit seinen rund 300 Mitgliedern, darunter rund 230 aus Deutschland, um sein Jahrestreffen aber nicht machen. Man ist lieber unter sich. Mit gutem Grund: Sicherheit geht vor.

  • Gute Geldanlage: Ein Mercedes-Benz 300SL wird heute ab einer Million Euro aufwärts gehandelt.
  • Ein Hingucker: Ein Flügeltürer vor dem Hotel Dorint Maison Messmer in Baden-Baden.
  • Exklusiver Club: Seit 1978 besteht der Mercedes-Benz 300 SL Club. Das er annähernd 300 Mitglieder hat, ist Zufall, heißt es.
  • Willkommen in Baden-Baden: Ein 300 SL Roadster fährt am Hotel vor.
  • Ein schöner Rücken kann auch entzücken: Ein 300 SL Roadster im seltener Hellgrün-Metalliclackierung.
  • Alles blitzblank - auch unter der Haube: Ein stolzer Besitzer zeigt seinen Roadster, Baujahr 1961, mit 215 PS.
  • Traumwagen-Parade: Über 80 Mercedes-Benz 300 SL sind zum Jahrestreffen nach Baden-Baden gekommen. Nachts stehen sie in einem bewachten Teil der Kurhausgarage.
  • Es geht los: Am Freitag starteten die legendären Autos zu einer Ausfahrt in den Nordschwarzwald.
  • Die Route ist vorbereitet: Jeder Teilnehmer der Ausfahrt hat ein Roadbook.
  • Parade der Legenden: Die wertvollen Autos fahren aus der Kurhausgarage in Baden-Baden.
  • Über 80 MercedesBenz 300 SL sind noch bis Sonntag, 30. Juni, in Baden-Baden zu Gast.
  • Man kennt sich: Clubchef Wolfgang Herbert winkt Mitgliedern in einem roten Roadster zu.
  • Für den Fall der Fälle: Ein Servicefahrzeug begleitet die wertvollen Ikonen auf vier Rädern.
  • Lässt noch heute das Herz eines jeden Autoliebhabers höher schlagen: Das Cockpit eines Flügeltürers.

Traumwagen kostet heute ab einer Million Euro aufwärts

Das ist verständlich, wenn man einen Blick auf die Summen wirft, die für einen gut erhaltenen dieser Traumwagen geboten werden: ab einer Million Euro aufwärts. Tendenz: steigend! Bei über 80 Exemplaren kann sich jeder den Gesamtwert dieser vierrädrigen Schätze ausrechnen und nachvollziehen, dass die noblen Gefährte von Wachpersonal beaufsichtigt werden – natürlich auch nachts im reservierten Teil der Garage unter dem Baden-Badener Kurhaus.

Wir haben Teilnehmer aus aller Welt

„Wir haben Teilnehmer von überall in der Welt“, berichtet Clubchef Wolfgang Herbert im BNN-Gespräch und verweist auf Gäste aus den USA, Südafrika, Israel, Schweden oder Dänemark. In die USA gingen damals die meisten der von 1954 bis 1963 insgesamt produzierten 3 258 Edelkarossen. Sie begründeten den Ruf der Marke mit dem Stern als eine der besten Automobilfirmen der Welt, erzählt Herbert. In den USA wurde der Sportwagen damals als Gullwing bezeichnet – weil er mit seinen Flügeltüren Möwenflügeln ähnelt.

Insgesamt wurden nur 3258 Flügeltürer und Roadster gebaut

Die hatte der 300 SL, der nach dem Vorbild der berühmten Silberpfeile entstand, übrigens nur konstruktionsbedingt erhalten, um einen stabilen Fahrzeugrahmen zu gewährleisten. Ab dem Jahr 1957 wurde nach dem Coupé der 300 SL Roadster mit zwei konventionellen Seitentüren gebaut, weil der Gitterrohrrahmen, der vom Flugzeugbau übernommen worden war, entsprechend modifiziert wurde.

Auf Genusstour: Ein 300 SL rollt an der Trinkhalle in Baden-Baden vorbei.
Auf Genusstour: Ein 300 SL rollt an der Trinkhalle in Baden-Baden vorbei. | Foto: Bernd Kamleitner

Bereits seit Anfang der 60er Jahre gründete sich in den USA der 300 SL Fanclub – die Gull Wing Group. Sie zählt heute rund 600 Mitglieder. Als die Gruppe im Jahr 1977 einen Ableger in Deutschland plante, schlossen sich hiesige Fans des Traumwagens ein Jahr später zu einem eigenen Verein zusammen. Gemeinnützig wurde der nicht. „Die Voraussetzungen dafür erfüllen wir nicht“, erklärt der Clubchef. Natürlich kennen sich die Mitglieder der beiden Markenclubs und man trifft sich bisweilen auch. „Wir sind seelenverwandt“, betont Herbert.

40. Jahrestreffen an der Oos

Der 300 SL-Markenclub besteht seit dem Jahr 1978. Dennoch wird in Baden-Baden das 40. Jahrestreffen gefeiert. Die Erklärung ist einfach: Als im Jahr 1986 das Jubiläum „100 Jahre Automobilbau“ in Deutschland gefeiert wurde, fiel das obligatorische Jahrestreffen aus. Der älteste Teilnehmer beim Treffen in Baden-Baden zählt übrigens stolze 92 Jahre.

Fahrzeuge wurden auch eingeflogen

Einige aus dem exklusiven Club haben ihren Sportwagen eingeflogen, andere per Spedition nach Baden-Baden bringen lassen. „Wer nicht mehr als 500 Kilometer Anreise hat, kommt per Achse“, sagt Herbert. Das waren die meisten. Zum Beispiel Walter Schmitt aus der Pfalz. Seinen Flügeltürer Baujahr 1956 hat er daheim gelassen, dafür seinen Roadster Baujahr 1961 in hellgrünmetallic mit 215 PS unter der Haube herausgeputzt. Den kann er offen fahren.

Bei der Hitze kann es im Flügeltürer heiß werden

Im Flügeltürer wird es bei der derzeitigen Hitze dagegen richtig heiß. Eine Klimaanlage hat das wertvolle Stück nämlich nicht. Die Schätze von Schmitt stehen keineswegs nur in der Garage. „Wir fahren die schon“, erzählt er und seine Gattin nickt zustimmend. Auch Ex-Daimler-Vorstand Thomas Weber schwärmt für den Traumwagen. Er fährt einen aus dem Jahr 1957.

Man muss seine Wurzeln kennen, um seine Zukunft gestalten zu können

„Man muss seine Wurzeln kennen, um seine Zukunft gestalten zu können“, meint der von 2004 bis 2016 für die Entwicklung der Mercedes-Benz Cars zuständige Manager im BNN-Gespräch. Mit den Entwicklungsteams sei er deshalb früher oft im Automuseum gewesen. Nicht nur bei der Leichtbauweise und der Aerodynamik und der damaligen technischen Ausstattung war der Wagen wegweisend. Der Kühlergrill, wie man ihm vom legendären 300 SL kennt, ziert bis heute die Front der Sportwagen mit Stern, stellt Weber heraus.

Besitzer sind Unternehmer und Freiberufler

In der Mehrzahl sind die Besitzer dieser Raritäten – man ahnt es – Unternehmer und Freiberufler. Vorsitzender Herbert hat eine berufliche Vergangenheit bei Daimler und arbeitete später als selbstständiger Ingenieur. Vom 300-SL-Fieber wurde er schon als kleiner Junge infiziert. In den 50er Jahren, als er in Ludwigsburg aufwuchs, endete die A81 bei Untergruppenbach, war also eine Sackgasse. Auf der Piste wurden die legendären Rennwagen getestet. „Wir standen auf einer Brücke bei Asperg und haben als Jungs gespannt geschaut!“. Nach rund acht Minuten kamen die Sportwagen zurück. „So ein Auto bleibt ein ewiger Traum“, schwärmt der stolze 300-SL-Besitzer.

Rund 500 des 300 SL gibt es noch in Deutschland

Etwa 500 dieser Traumwagen, schätzt er, gibt es in Deutschland noch: „Das sind die, von denen wir wissen.“ Möglicherweise schlummern noch weitere dieser Schätze bislang unerkannt im Dornröschenchlaf in Garagen. Auch weniger gut erhalten dürfte die Wertsteigerung enorm sein. An Teilen für eine Restaurierung mangelt es nicht: Die sind noch verfügbar oder werden von Spezialisten angefertigt.

Traumauto kam vor 65 Jahren auf den Markt

Der legendäre Mercedes-Benz SL 300 kam vor 65 Jahren auf dem Markt. Bei einem Preis von 29 000 Mark konnte Otto Normalverbraucher auch damals von dem berühmten Sportwagen mit Flügeltüren nur träumen. Für dieses Geld gab es zu der Zeit ein Eigenheim. Kein Wunder, dass die exklusive Baureihe W 198 in den Jahren von 1954 bis 1963 nur in kleinen Stückzahlen für die Schönen und Reichen vor allem in Übersee gebaut wurde – in individueller Handarbeit.

SL: Sportlich leicht

Wofür SL steht, ist nicht ganz eindeutig. Mehrere Varianten sind überliefert: „Sport leicht“ und „Super leicht“. Wolfgang Herbert vom Mercedes-Benz 300 SL Club hat noch eine weitere: „Sportlich leicht“. Vom Flügeltürer wurden zwischen August 1954 und Mai 1957 genau 1 400 hergestellt, darunter 29 mit einer Aluminiumkarosserie – das sind die wertvollsten Exemplare.

Ohne Flügeltüren war Einstieg bequemer

Von Februar 1957 bis Februar 1963 folgte auf das Coupé die Roadster-Variante. Ohne die Flügeltüren war der Einstieg wesentlich bequemer. Vom 300 SL Roadster wurden 1 858 Exemplare gebaut. Zwischen 1954 und 1963 verließen insgesamt 3 258 dieser Traumautos das Werk: Zunächst in Untertürkheim und später dann in Sindelfingen. kam

Die legendären Sportwagen sind an diesem Samstag, 29. Juni,  ab etwa 15 Uhr vor dem Kurhaus in Baden-Baden zu bewundern. Bereits um 9 Uhr rollen die Autos aus der Kurhaustiefgarage zu einer Ausfahrt in die Pfalz.