Viele Zusatzaufgaben haben die Lehrer an Grundschulen - sie klagen daher über ihre Besoldung. | Foto: Pleul

Protest in der Ortenau

Lehrer an den Grundschulen wollen mehr Geld

Anzeige

Von Christine Storck
Grund- und Hauptschullehrer aus der Ortenau kämpfen für bessere Bezahlung. Gestiegene Anforderungen und jede Menge Zusatzaufgaben machten die Arbeit komplex. Gleichzeitig herrsche großer Mangel an qualifizierten Pädagogen, argumentierten Regionalvertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)  in einem Pressegespräch. Anlass war die bundesweite Aktionswoche „Ja zu A 13“, mit der die GEW auf ungleiche Bezahlung unter Lehrern aufmerksam machen will.

Stufenplan gefordert

Die Gewerkschaft fordert von der Landesregierung einen Stufenplan für den Aufstieg aller Grund- und Hauptschul- sowie Werkrealschullehrkräfte von der Besoldungsgruppe A 12 in A 13. „Die wertvolle Arbeit wird nicht ausreichend anerkannt. Dabei legen vor allem die Grundschulen den Grundstein für gute Bildung“, sagte Ricarda Kaiser, Vorsitzende der Landesfachgruppe Grundschulen, am Montag bei einer Veranstaltung der GEW-Ortenau in Offenburg.

Mageres Zubrot für Schulleiter

Verbeamtete Grundschullehrer werden nach A 12 besoldet. Als Angestellte sind sie in der Entgeltgruppe 11 des Tarifvertrags der Länder eingruppiert. Im Schnitt verdienen die Pädagogen rund 370 bis 450 Euro weniger im Monat als die Lehrkräfte, die nach A 13 bezahlt werden. „Sie haben keine Chance aufzusteigen, es sei denn, sie werden Schulleiter. Dafür gibt es an kleinen Grundschulen aber auch nur 168 Euro brutto obendrauf. Das ist kein Umgang mit Führungskräften“, kritisierte Sybille Benabderrahmane, Vorsitzende der Fachgruppe Grundschulen in der GEW-Ortenau. Nicht ohne Grund bleiben viele Grundschulen ohne Leitung.
„Ich arbeite wirklich gern, aber wir sind Mädchen für alles. Einerseits sollen wir die Schulentwicklung organisieren, andererseits perfekten Unterricht machen. Und wenn die Heizung ausfällt, müssen wir uns auch darum kümmern“, klagte Simone Gloski, Leiterin der Grundschule Offenburg-Weier, an der rund 80 Kinder lernen.

Viele zusätzliche Aufgaben

Aber auch der normal unterrichtende Lehrer habe jede Menge Extra-Aufgaben. Neben Elterngesprächen, Runden Tischen, Kooperationen mit Kindergärten erfordern besonders die zugewanderten Kinder und Inklusionsklassen hohen Einsatz. „Generell sind viele Kinder eigentlich noch gar nicht schulreif oder sogar verhaltensauffällig“, berichtete Benabderrahmane. „Grundschulklassen sind extrem heterogen. Die Eltern haben Erziehungsfragen und wollen regelmäßiges Feedback. Dafür ist eine fundierte Ausbildung nötig“, ergänzte Wolfgang Meier, Leiter der Geroldseckerschule in Lahr. Es sei deshalb fragwürdig, warum, das Studium auf acht Semester beschränkt bleibt, während für die Sekundarstufe zehn Semester nötig sind. Absurd sei, dass die Landesregierung glaube, Grundschullehrer sollten kürzer studieren, weil sie weniger fachliche, didaktische und pädagogische Kompetenzen bräuchten als ihre Kollegen zum Beispiel in der Sekundarstufe.

Steigende Schülerzahlen

Gute Lehrkräfte seien Mangelware, vor allem Männer seien offensichtlich auch wegen des zu erreichenden Einkommens nicht motiviert, in die Grundschule zu gehen. Von 34 912 Grund- und Werkrealschullehrern im öffentlichen Schuldienst in Baden-Württemberg seien 28 839 weiblich. „Wir brauchen dringend Männer, ihr Umgang mit den Kindern ist ein völlig anderer“, sagte Meier. Für die komplexen Aufgaben sei generell hoch qualifiziertes Personal nötig, aber das gibt es eben nicht zum Nulltarif. An vielen Schulen müssten zum Teil Fachfremde einspringen, damit kein Unterricht ausfällt, bemerkte GEW-Kreisvorstand Horst Kosmalla. „Wenn man dann hört, die Qualität an Grundschulen sei schlecht, ist das ein Witz“, sagte er. Das Land müsse schleunigst gegensteuern – Prognosen des Statistischen Landesamtes gehen davon aus, dass die Schülerzahl an Grundschulen bis 2025 um 14 Prozent steigt.