Libellenexperte Franz-Josef Schiel Sasbach
Auf Larvensuche: Der Sasbacher Libellenexperte Franz-Josef Schiel ist bei Untersuchungen im Gelände unterwegs. | Foto: Hannes Masur

Biologe Franz-Josef Schiel

Libellen werden nach einem Sasbacher benannt

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Von Patricia Klatt

Wer kann schon von sich behaupten, dass eine Libellenart nach ihm benannt wurde? Bei Franz-Josef Schiel, promoviertem Biologen und Libellen-Experten aus Sasbach, passierte das im November nun schon zum zweiten Mal. Leptogomphus schieli, die in einem Bundesstaat von Malaysia neu entdeckte Libellenart, heißt ebenso nach ihm wie auch Pseudagrion schieli, eine Schlank-Libelle, die 2011 auf den Philippinen gefunden wurde.

Biologe erforscht Libellen seit 1996

Schiel entdeckte bereits 1996 durch seine Diplomarbeit in Freiburg die Libellen für sich, „eine überschaubare Gruppe, in die man sich gut einarbeiten konnte“; der Biologe ist seitdem Libellenforscher aus Leidenschaft. Schiel ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg, Mitbegründer und Gesellschafter des Institutes für Naturschutz und Landschaftsanalyse (INULA) und Mitautor des Standardwerkes der Libellen Baden-Württembergs.

Libellenexperte Franz-Josef Schiel Sasbach
In seinem Arbeitszimmer in Sasbach untersucht der Experte eine Exuvie einer Libelle unter dem Binokular. | Foto: Patricia Klatt

Libellen gibt es schon seit mehr als 250 Millionen Jahren, „die Vorfahren unserer heutigen Libellen hatten eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 75 Zentimetern, heutige Tiere können immerhin noch auf rund 20 Zentimeter kommen“, so Schiel. Die Libellen werden in Groß- und Kleinlibellen eingeteilt, sie stehen unter Schutz und haben, wie andere Insekten auch, mit den Veränderungen in ihren Lebensräumen zu kämpfen. „Von den 80 heimischen Libellenarten stehen 48 auf der Roten Liste gefährdeter Insekten“, bedauert Schiel.

Zwerglibelle ist extrem selten

Dazu gehöre leider auch die Zwerglibelle (Nehalennia speciosa), die aktuell vom BUND und der Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (Libellenforscher, GdO) zur „Libelle des Jahres 2018“ gekürt wurde. „Die Zwerglibelle ist eine extrem seltene Art, die in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen ist“, erklärt Schiel, Faktoren wie Klimawandel und Schadstoffeinträge in ihre sensiblen Moorlebensräume würden zu einem immer weiteren Schrumpfen der Populationen führen. In ganz Baden-Württemberg gebe es nur noch fünf Gebiete, in denen diese kleine Libelle noch vorkomme, diese lägen alle im Alpenvorland im Kreis Ravensburg.

Zwerglibelle
Die Zwerglibelle ist die Libelle des Jahres 2018. | Foto: Michael Post

Bereits 1837 wurden diese „Insecten auf dem Riedgras großer Moorlöcher und an mit Binsen bewachsenen moorigen Wasserstellen“ beschrieben, es gibt auch historische Erwähnungen aus dem Raum Mannheim-Ludwigshafen aus dem Jahr 1903. „Heutzutage findet man diese Libellenart bei uns in der nördlichen Oberrheinebene nicht mehr, die Landschaft ist zu nährstoffreich geworden und es gibt keine geeigneten, flach überstauten, lückigen Seggensümpfe mehr,“ so Schiel. Der „Gnom unter den heimischen Libellen“ ist nur 26 Millimeter groß und fliegt bei Störungen meist nur kurze Strecken von Halm zu Halm, sodass es wirkt, „als würde sie sich hüpfend fortbewegen“, erklärt Franz-Josef Schiel.

Insekt gibt Wissenschaftlern Rätsel auf

Diese Libelle sei also kein Langstreckenzieher und habe auch allein deswegen ein Ausbreitungsproblem. Sie gebe Wissenschaftlern auch immer noch Rätsel auf, wenn man sie in neuen Gebieten finde, wisse man nicht genau, ob man sie vorher übersehen hat oder ob sie tatsächlich neu aufgetaucht ist. Libellenexperten wie Schiel, der auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der GdO ist, sammeln Daten zu Vorkommen und Ausbreitung der Libellen und erarbeiten Konzepte zum Schutz dieser Insekten. Schiels persönlicher Favorit ist dabei die Gruppe der Moosjungfern, „die finde ich eigentlich alle gut“.

Die Zwerglibelle steht stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die extrem selten und an spezielle Lebensräume in Mooren gebunden sind“, sagte Silvia Bender, Expertin für Biodiversität beim BUND. Diese Libelle ist sowohl bundes- als auch landesweit „als vom Aussterben bedroht“ eingestuft und ist nach Bundesartenschutzverordnung und Bundesnaturschutzgesetz national streng geschützt. Obwohl Libellenkundler schon viel über die Lebensweise der Zwerglibelle wissen, gibt ihnen die Art noch immer Rätsel auf. Es ist daher sehr wichtig, dass es eine breitere Feldforschung von Experten zum nachhaltigen Schutz der Zwerglibelle und weiterer Arten mit ähnlichen Lebensraumansprüchen gibt.