Tradition und Moderne: Den Jubiläumswein Lucida Vallis präsentieren (von links) Geschäftsführer Ralf Schäfer, Kellermeister Leo Klär und Michael Rumpf vom Stadtgeschichtlichen Institut. | Foto: Bühler

Affentaler Winzer feiern

Lucida Vallis und die Zukunft

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 Es muss alles etwas Besonderes sein, wenn es den Affentaler Winzern darum geht, am Sonntag beim Offenen Winzerkeller den frisch abgefüllten Ausnahme-Jahrgang 2018, viele alte und vor allem den Jubiläumswein zum 110-jährigen Bestehen zu präsentieren. „Ich finde, der Gewürztraminer trocken, den wir am Sonntag als Fassprobe vorstellen, ist wirklich eine kleine Sensation“, schwärmt Kellermeister Leo Klär von den vinologischen Errungenschaften des zurückliegenden Ausnahme-Jahrgangs 2018. „Durch die Niederschläge im Frühjahr haben der tropische Vegetationsverlauf und die anhaltende Trockenheit zu einer Besonderheit geführt: keine Pilzkrankheiten, vollreife und eine opulente Erntemenge. Das ist eine neue Komponente, welche die Kellermeister in dieser Konstellation hier so nicht kennen.

Volle Reife der Rebsorten

Durch die Klimaerwärmung können wir Rebsorten, die sonst nur in Südfrankreich angebaut werden, auch hier in volle Reife bringen“, bestätigt Geschäftsführer Ralf Schäfer die neue Perspektive der Affentaler Winzer. Diese hat sich (siehe auch Stationen der WG-Geschichte) seit dem 110-jährigen Bestehen stets verändert und damit auch immer wieder Chancen freigesetzt. „Es war eine Situation der Not, als sich diese handvoll Winzer in Affental trafen und 1909 den Naturweinbauverein gründeten“, erinnert Michael Rumpf an die Anfänge. Eine Erfolgsgeschichte, wie der Offene Winzerkeller am Sonntag unterstreicht, denn dann präsentieren sich die geeinten Affentaler als eine Fusion aus ehedem zehn Winzergenossenschaften, die mit aktuell rund 1 200 Mitgliedern rund 350 Hektar Rebfläche bewirtschaften.

Probe von Raritäten

Der Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts wird die Besucher direkt nach der Kellerführung bei seinem 15-minütigen Vortrag, unterstützt von zahlreichen Bildern, mit auf die Reise zu den Anfängen der genossenschaftlichen Weinbauern in der Vorbergzone nehmen. Im geschichtlichen Zusammenhang steht auch die Raritätenprobe, die Kellermeister Leo Klär am Sonntag das erste Mal anbietet. „Wir haben das vorher nie gewagt, denn es ist wirklich eine besonders interessante Probe, auf die ich die Freunde des Weines generell einladen möchte. Es ist wichtig, dass der interessierte Weinfreund den natürlichen Reifeprozess dabei verfolgen kann“, erklärt Oenologe Leo Klär. Er präsentiert außergewöhnliche Jahrgänge bei dieser Zeitreise der Oenologie. Die genaue Liste kann nicht genannt werden, da diese zum Zeitpunkt der Unterredung noch nicht feststand. Sicher ist jedoch, dass die weißen Weine im Vordergrund stehen werden, da die Roten nach zehn bis 15 Jahre in Bezug auf das Geschmacksspektrum weniger interessante Aspekte zur Geltung bringen. Eine Reservierung ist empfehlenswert, da nur eine begrenzte Teilnehmerzahl bei diesem Wein-Event möglich ist.

Jubiläums-Wein

Und dann gibt es da auch noch den Jubiläums-Wein, den Leo Klär unter ähnlichen Bedingungen wie früher der rote Affentaler entstand, ausgebaut hat: „Dieser Wein ist eine Reminiszenz an den ursprünglichen Anbau durch das Zisterzienserkloster Lichtenthal, das hier den Lichtenthaler Rebberg angelegt hat. Das erklärt auch den Namen – Lucida Vallis für Lichtenthal. Und wir haben Wert darauf gelegt, dass alte Methoden zum Einsatz kamen, etwa das Vergären im Holzfass. „An diesem Tag ist also für jeden etwas geboten“, verspricht Geschäftsführer Ralf Schäfer und verweist auf die Kunstwerke von Cornelia Veit zwischen Tanks und Fässern wie auch auf Musikeinlagen mit Big Band Sound der Formation Asbanda aus Altschweier und Jazz-Combo „Just for fun“ der Musikschule Bühl, die Schwung in den Winzerkeller bringen.