Nach sieben Jahren in Diensten der TSG 1899 Hoffenheim kann Marco Wildersinn fast schon als Vereins-Urgestein bezeichnet werden. | Foto: Daniel Merkel

Interview

Marco Wildersinn aus Rastatt-Wintersdorf trainiert die Hoffenheimer U23

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Marco Wildersinn, Trainer der U23 bei Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim, muss mit der Situation leben, dass er immer wieder eine neue Mannschaft vor sich hat. Er erklärt, warum er trotzdem seit sieben Jahren mit viel Spaß bei der Sache ist.

Im Profifußball kann es manchmal ganz schnell gehen. Florian Kohfeldt (Werder Bremen), David Wagner (Huddersfield, Schalke 04) oder Daniel Farke (Norwich City) waren vor ihrer Beförderung zu Cheftrainern höchstens Experten bekannt. Sie alle waren zuvor bei zweiten Mannschaften beschäftigt und agierten weitgehend unter dem Radar der großen medialen Berichterstattung. Ein weiterer Name, der sich in diese illustre Gesellschaft einreihen könnte, ist Marco Wildersinn.

Der 39-jährige Wintersdorfer, der unter anderem beim FC Rastatt 04 gespielt und die Karlsruher U19 trainiert hat, ist seit 2013 U23-Trainer des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Mit seiner Mannschaft belegt er aktuell den siebten Platz in der Regionalliga Südwest. Unser Redaktionsmitglied Marius Faller unterhielt sich mit Wildersinn auf dem Trainingsgelände der TSG 1899 in Zuzenhausen über seine Arbeit, die Vor- und Nachteile seines Jobs sowie die langfristigen Ziele.

Unter der Woche lieferten sich der 1. FC Saarbrücken und der Karlsruher SC einen Pokal-Fight. Sie haben Verbindungen zu beiden Vereinen. Wie haben Sie das Spiel verfolgt?

Wildersinn: Ich war hin- und hergerissen, wem ich die Daumen drücken soll. Mit Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok bin ich befreundet, wir haben unter anderem die Ausbildung zum Fußball-Lehrer gemeinsam absolviert. Sportdirektor Marcus Mann war mein Mitspieler bei den Stuttgarter Kickers. Für den KSC war ich als Spieler und Trainer tätig. So habe ich das Spiel, das zwar kein Leckerbissen war und von der Spannung gelebt hat, eher als neutraler Zuschauer verfolgt.

Die TSG 1899 Hoffenheim ist unter Trainer Alfred Schreuder zeitgleich beim FC Bayern München aus dem Pokal ausgeschieden. Schreuder ist nach Markus Gisdol, Huub Stevens und Julian Nagelsmann der vierte Hoffenheimer Bundesliga-Trainer, den Sie seit Ihrem Amtsantritt 2013 erleben. Wie wirkt sich ein Trainerwechsel auf Ihre Arbeit aus?

Wildersinn: Gar nicht so sehr, wie man vielleicht denkt. Natürlich muss man jeden neuen Trainer zunächst einmal kennenlernen. Was den Fußball angeht, hat jeder Trainer seine bestimmte Spielidee. Dabei versuche ich auch, Einflüsse des Stils der ersten Mannschaft in das Spiel der U23 einfließen zu lassen. Mein Ausbildungsauftrag ist allerdings deutlich weiter gefasst. Ich versuche, meine Jungs auf das vorzubereiten, was sie erwartet, wenn sie aus der U23 herauskommen. Dafür müssen sie breit aufgestellt sein, in allen Bereichen.

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Wenn Profispieler nach Krankheit oder Verletzung an die erste Mannschaft herangeführt werden sollen, kommen sie zunächst oft bei der U23 zum Einsatz. Wie laufen da die Absprachen mit der Profi-Abteilung?

Wildersinn: Wichtig ist vor allem, dass der Spieler Zeit auf dem Feld bekommt. Wie schon Julian Nagelsmann sieht das auch Alfred Schreuder relativ entspannt. Ob beispielsweise ein Sargis Adamyan, der bei uns auch schon gespielt hat, als alleinige Spitze oder als einer von zwei Stürmern zum Einsatz kommt, da gibt es vom Trainer der Profis keine Vorgaben. Ich stimme eher mit dem Spieler ab, welche Position ihm am besten liegt.

Das Gute ist: Der nächste Spieler rückt nach

Ist es manchmal frustrierend, wenn Sie eine gute Mannschaft haben und die Spieler dann altersbedingt ausscheiden oder zu den Profis wechseln?

Wildersinn: Das ist einfach ein Teil des Jobs. Es ist immer wieder aufs Neue schön zu sehen, wenn sich Spieler entwickeln und den nächsten Schritt gehen, auch wenn meine Mannschaft dann darunter leidet. Das Gute ist: Der nächste Spieler rückt aus der Jugend nach – und wenn nicht, dann muss ich als Trainer basteln. Auch das macht Spaß.

Ist das Engagement in der Hoffenheimer U23 ein Sprungbrett in den höherklassigen Profifußball?

Wildersinn: Das kann schon ein Sprungbrett sein. Die Frage stellt sich für mich derzeit aber nicht. Ich habe hier in Hoffenheim optimale Bedingungen, die vermutlich besser sind als bei 50 Prozent der Zweitligisten, und ich spüre die Wertschätzung durch die Verantwortlichen. Außerdem habe ich nach dieser Saison in Hoffenheim noch zwei Jahre Vertrag. Es geht darum, im richtigen Moment den nächsten Schritt zu gehen, um sich optimal weiterzuentwickeln. Diesen Moment habe ich bisher noch nicht gesehen.