In Aktion ist Bademeister Thomas Lang nicht nur am Beckenrand. Auch das Mess- und Regelwerk muss er regelmäßig kontrollieren.
In Aktion ist Bademeister Thomas Lang nicht nur am Beckenrand. Auch das Mess- und Regelwerk muss er regelmäßig kontrollieren. | Foto: Scheu

„Die Verantwortung habe ich“

Bademeister: Mehr als nur am Beckenrand stehen

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Thomas Lang arbeitet seit 2011 als Bademeister im Acherner Schwimmbad. „Das ist mein absoluter Traumberuf“, erzählt er mit Begeisterung in der Stimme. Aber: Als Bademeister muss er mehr tun als nur am Beckenrand zu stehen und aufzupassen.

„Geht das bitte auch etwas leiser?“ Thomas Lang muss sich erst einmal Gehör verschaffen – in der Jungen-Umkleidekabine vom Freibad Achern geht es wild zu. Türen knallen laut und es herrscht ein unangenehmer Geräuschpegel. „Das ist nicht immer ganz einfach“, erklärt der Bademeister im Nachhinein. „Ich muss mich durchsetzen, gleichzeitig Ruhe bewahren und eine gewisse Autorität ausstrahlen.“

„Das ist mein absoluter Traumberuf“

Der 52-Jährige ist seit 2011 in Achern tätig, als „Fachkraft für Bäderbetriebe“, wie es offiziell heißt. „Das ist mein absoluter Traumberuf“, erzählt er mit Begeisterung in der Stimme. Es herrschen sommerliche Temperaturen, Kinder planschen im Becken für Schwimmanfänger und die Großen ziehen genüsslich ihre Bahnen – ein Arbeitsumfeld, das so mancher ohne Zögern gegen das eigene Büro eintauschen würde. „Der Schein trügt“, lacht Lang. „Viele glauben, dass ich nur am Beckenrand stehe und beobachte.“

Von Schwefelsäure bis Flockungsmittel

Bei einem Blick auf das Mess- und Regelwerk im Technikraum der Badeanlage wird schnell klar, dass sein Aufgabenbereich deutlich umfangreicher ist. Damit sich niemand in einer grauen Brühe wiederfindet, muss der Bademeister regelmäßig das Wasser kontrollieren. „Chemie fasziniert mich“, erzählt er und verweist auf ein rotes Behältnis: „Hier ist Schwefelsäure darin, damit können wir den pH-Wert des Wassers regulieren.“ In einem weiteren Behältnis findet sich Flockungsmittel, womit Urin, Schweiß und Kosmetik filterbar gemacht werden.

 

In Aktion ist Thomas Lang nicht nur am Beckenrand. Auch das Mess- und Regelwerk muss er regelmäßig kontrollieren.
In Aktion ist Thomas Lang nicht nur am Beckenrand. Auch das Mess- und Regelwerk muss er regelmäßig kontrollieren. Foto: Scheu | Foto: Scheu

Nicht nur chemisches Wissen ist gefragt

„Hier kommen gleich mehrere Berufe zusammen“, erklärt Lang. Im Mess-und Regelwerk der Anlage ist sein chemisches Wissen gefragt, bei Reparaturarbeiten sein handwerkliches Können. „Zudem benötigt man als Bademeister eine gehörige Portion Menschenkenntnis.“ Lang kennt seine Gäste. „Es gibt einige Stammgäste, die vermissen wir, wenn sie nicht kommen. Vor allem bei älteren Personen werde dann einmal nachgefragt, ob alles in Ordnung sei. „Manche melden sich aber auch ab und erzählen, dass sie in Urlaub fahren“, erzählt der 52-Jährige und führt aus: „Hier sind schon einige Schwimmbadfreundschaften entstanden.“ Durch seinen regelmäßigen Austausch mit den Gästen bekomme er auch immer wieder Anregungen zur Optimierung. „Die greife ich dann natürlich gerne auf“, bekräftigt der Bademeister.

Heikel wird es, wenn Störungen eintreten

Bei aller Begeisterung für seinen Beruf, verbirgt er nicht die Herausforderungen, die damit einhergehen. Besonders heikel werde es, wenn Störungen eintreten. „Da bleibt ein geringes Zeitfenster für Reparaturen. Ich kann mir nicht erlauben, den Betrieb auch nur für einen Tag zu schließen“, gibt er zu bedenken.
Wenn das Bad um neun Uhr öffnet sind Lang und sein Team bereits um sieben Uhr da um den Badebetrieb vorzubereiten. Die Arbeitszeiten seien mitunter ein Grund für den aktuellen Mangel an Nachwuchskräften. Als Bademeister eines Freibades ist Lang viel und überwiegend im Sommer tätig – während der Wintermonate herrscht eine Lücke, die es anders zu füllen gelte. „Trotz zehn Wochen Auswinterung, in denen wir die Anlage auf den Sommerbetrieb vorbereiten, bleiben drei Monate, die es anders zu überbrücken gilt.“

Die enorme Verantwortung schreckt viele ab

Viele schreckten auch vor der Verantwortung für Personal und Badegäste zurück, die der Beruf mit sich bringe. „Die liegt beim Bademeister, egal ob nur drei Gäste da sind oder 2 000, wie am vergangenen Sonntag.“ Junge Menschen unter diesen Voraussetzungen für eine Ausbildung zu begeistern, sei schwierig. „Wenn immerhin das Geld stimmen würde“, gibt Lang zu bedenken. Den Fachkräftemangel bekommt auch er in Achern zu spüren. „Ich würde sofort ein bis zwei einstellen“, sagt er ohne Umschweife.
Sich selbst ins kühle Nass zu begeben – dazu fehle dem Bademeister häufig die Zeit. „In Ruhe einige Bahnen zu drehen, danach sehne ich mich tatsächlich“, gibt der 52-Jährige zu und schmunzelt: „Das muss ich wohl auf den Winter verlegen.“