Beliebt bei vielen Bürgern ist die Acherner Stadtbibliothek im Rathaus Am Markt. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 200.000 Leih-Vorgänge. | Foto: Michael Moos

Kommunalpolitik

Mehr Geld für die Stadtbibliothek in Achern

Anzeige

Mit der 2015 erfolgten Einrichtung der Stadtbibliothek in den beiden obersten Stockwerken des Rathauses Am Markt hat die Acherner Stadtverwaltung einen Volltreffer gelandet. Wie Bibliotheksleiterin Beate Eissele-Wössner im Rahmen der Haushaltsberatungen im Gemeinderat berichtete, stieg die Zahl der ausgeliehenen Medien im vergangenen Jahr auf 212.000 Exemplare. Hinzu kamen 21.000 E-Book-Ausleihen.

Spendengeld ist aufgebraucht

„Die Acherner Stadtbibliothek hat sich hervorragend entwickelt.“ Mit diesen Worten fasste Jutta Römer (ABL) zusammen, was alle dachten. Entsprechend leicht fiel es dem Gemeinderat, die anstehende Erhöhung des Budgets um 20.000 auf 55.000 Euro pro Jahr zu genehmigen.

Der gestiegene Zuschussbedarf hat auch einen handfesten Grund: Eine zum Start vor fünf Jahren von der Sparkasse gewährte 100.000-Euro-Spende ist mittlerweile aufgebraucht.

Bestand muss ständig erneuert werden

Wie Beate Eissele-Wössner erläuterte, muss der Medienbestand regelmäßig erneuert werden. Weil Bücher, DVDs und andere Medien nicht unbegrenzt ausgeliehen werden können, müsse man pro Jahr zehn Prozent des Gesamtbestands ersetzen. Derzeit umfasst der Medienbestand in der Acherner Stadtbibliothek 32.000 Exemplare, angestrebt sind laut Beate Eissele-Wössner 35.000.

In einem Jahr 500 neue Kunden gewonnen

Wie groß das Interesse an der Stadtbibliothek ist, zeigt die Tatsache, dass allein im vergangenen Jahr 500 neue Kunden gewonnen werden können. Eine weitere Steigerung erwartet Beate Eissele-Wössner, wenn in den kommenden Jahren der Neubau von rund 1.000 Wohnungen die Zahl der Einwohner in Achern steigen lässt.

Positive Auswirkungen hat auch die Praxis, dass jeder Neubürger bei der Anmeldung im Einwohnermeldeamt unter anderem auch einen Gutschein für eine zeitlich begrenzte kostenlose Nutzung der Stadtbibliothek bekommt. „Der Gutschein wird gut genutzt, und die meisten Neubürger melden sich dann auch offiziell als Nutzer an“, berichtete Beate Eissele-Wössner.

Onleihe besonders beliebt

Immer stärker nachgefragt wird nach den Worten der Leiterin die „Onleihe“. Unter den Nutzern des elektronischen Medienangebots seien immer mehr Menschen der Generation „50 Plus“, so Beate Eissele-Wössner.

„Das mag seinen Grund darin haben, dass man die Schrift auf den Endgeräten beliebig vergrößern kann“, vermutete sie augenzwinkernd, berichtete aber auch, dass „Tolinos“ und andere Lesegeräte bei reiselustigen „Onleihe“-Kunden schon deshalb beliebt sind, weil sie im Koffer weniger Platz wegnehmen als Bücher. Beate Eissele-Wössner berichtete aber auch, dass derzeit die Kosten für das Online-Angebot steigen, weil die Verlage Nutzungsbedingungen und Preise diktieren können.

Personalmangel beklagt

Dass die intensive Nutzung der Stadtbibliothek an andere Stelle ihre Auswirkungen hat, verhehlte Beate Eissele-Wössner nicht: „Mit den Personal sind wir an der untersten Untergrenze“. Deshalb habe man eine zusätzliche Stelle beantragt.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Pisa-Studie sei klar: „Wir müssen mehr machen, um die Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.“ Dafür strebe die Stadtbibliothek eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertagesstätten an. Allerdings könne man diese Aufgabe ohne zusätzliches Personal nicht bewältigen.

„Mediathek“ statt „Stadtbibliothek“?

Eine Absage erteilte Beate Eissele-Wössner dem Vorschlag von SPD-Stadtrat Patrik Schneider, der nach einer Umbenennung in „Mediathek“ fragte. „Stadtbibliothek ist ein gutes Wort“, machte die Leiterin deutlich, „es macht klar, dass es hier alle Medien gibt und dass es sich um eine Einrichtung der Stadt handelt.“