Ein Exzellenzzentrum für Endoprothetik soll am neuen Acherner Krankenhaus entstehen. Doch zunächst muss das neue Haus auch gebaut werden. | Foto: Kasper

Über Achern wird zu reden sein

Angesichts der Mehrkosten bei der Klinikreform brechen alte Gräben wieder auf

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Was bedeuten die horrenden Mehrkosten bei der Umsetzung der Klinikreform für die Zukunft des Acherner Krankenhauses? Alles oder nichts. Letztlich wird es vom politischen Willen der Kreisräte abhängen, ob an dem Neubau noch einmal gerüttelt wird – und natürlich vom Land, das bei der Vergabe des Zuschusses den Daumen für den Standort Achern heben oder senken wird. Vorerst steht eine weitere Stärkung des Hauses im Raum, die Konzentration planbarer endoprothetischer Operationen in einem Exzellenzzentrum in Achern. Doch ob es so einfach läuft? Es werden, so scheint es, gerade alte Gräben wieder besetzt.

Achern mehrfach angesprochen

Gleich mehrfach, so berichten Teilnehmer, sei in der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Kliniken am Donnerstag vergangener Woche die Frage nach dem Acherner Haus gestellt worden – ob mit dem Ziel, nur den Neubau zu verhindern, oder weil man da gar keine Klinik mehr will, das blieb offen. Und das zu einer Zeit, da noch nicht jeder Kreisrat die wahre Dimension der Mehrkosten – 1,3 Milliarden statt 500 Millionen Euro – realisiert haben dürfte.

Exzellenzzentrum geplant

Doch dass ein Verzicht auf Achern bei der Klinikreform unter dem Strich Einsparungen bringen würde, das liegt derzeit nur im Bereich vager Prognosen und wird von OB Klaus Muttach natürlich bestritten. Geht es nach der Klinikverwaltung, so ginge Achern gestärkt aus der Debatte hervor. Denn aktuell plant man beim Ortenau Klinikum, die gesamte Endoprothetik in einem „Exzellenzzentrum“ in dem nördlichen Haus zu konzentrieren. Ein sicherer Frequenzbringer. Bislang war eine Aufteilung der in Kehl angesiedelten Abteilung auf Achern und Offenburg geplant.

Mehr Platz für Geburtshilfe

Auch die Geburtshilfe in der Hornisgrindestadt soll noch einmal gestärkt werden, so Reinhard Müller, Leiter der Unternehmensentwicklung beim Klinikum. Mit dem so genannten Rooming-in sollen Eltern und Kinder im selben Zimmer zusammenbleiben können. Auch dies erfordert mehr Platz – und Geld.
Was treibt die Kosten bei den beiden Klinikneubauten sowie der umfassenden Sanierung von Lahr? Dies wird nach der Sommerpause zentrales Thema der zweifellos anstehenden Debatten in den Kreisgremien sein.

500 Millionen für Offenburg

Ob dabei Achern der Schwarze Peter zufällt? Sicher nicht allein. Ein Blick in die vergangene Woche veröffentlichten Zahlen zeigt: Schon am Standort Offenburg sollen nach der ersten belastbaren Kostenabschätzung fast 500 Millionen Euro verbaut werden – so viel wie die gesamte Reform nach den ersten Zahlen hätte kosten sollen.

„Gesamtpaket nicht günstiger“

„Wenn man Achern nicht bauen würde, wäre das Gesamtpaket wirtschaftlich nicht günstiger“, argumentiert Klaus Muttach. Das Thema sei in der Ausschusssitzung von zwei Kollegen forciert worden – einem, der das Haus am eigenen Ort verlieren wird und einem zweiten, der ohnedies gegen die Reform sei. Muttach hingegen bestreitet, dass ein Verzicht auf den Neubau in Achern günstiger wäre: „Diese Frage beantwortet sich von selbst, wenn man weiterdenkt“. Man würde sich die Möglichkeit vergeben, mehr Leistungen zu erbringen.

Kapazitäten sind ausgereizt

Bei dieser Argumentation helfe auch die Erkenntnis, dass die Nebenkosten für den Klinikneubau bei größeren Häusern nicht, wie lange angenommen, relativ zur Bettenzahl sinken, sondern sich linear entwickeln. Ohne Achern müsste das Offenburger Haus zudem 1.140 Betten groß werden. Unklar, so der OB, ob dies der Standort bei Bohlsbach überhaupt hergebe: „Die Kapazitäten dort sind ausgereizt“.
Falle Achern weg, gerate zudem das Gleichgewicht zwischen Offenburg und Lahr ins Wanken: „Am Ende würde man sagen, wir machen ein einziges großes Haus. Aber ich kenne keinen Kreisrat, der so etwas will“, sagt Muttach.

Gespenst der Privatisierung

Denn dann, so der OB, müsse man letztlich über einer Privatisierung der Kliniklandschaft sprechen – „da fällt alles, was zu öffentlicher Trägerschaft besprochen wurde, in sich zusammen“. Nach den jüngsten Zahlen des Kreises sollen in Achern 270 Betten entstehen, so viele, wie Oberkirch und Achern derzeit gemeinsam haben und 34 mehr als geplant.

Notaufnahmen zentrales Thema

Während sich damit bei der Aufteilung der Fachabteilungen die Nebel lichten, steht eine zentrale Frage jetzt weit oben auf der Tagesordnung: Die Kategorisierung der Notaufnahmen. Die Gespräche darüber stehen, so Reinhard Müller, unmittelbar an. Dann wird sich auch für Achern entscheiden, was die Kostenträger genehmigen, also welche Ausbaustufe nach den Festlegungen des gemeinsamen Bundesausschusses, die die Schließung zahlreicher Notaufnahmen nach sich ziehen werden. Auf Details will sich Müller nicht einlassen – denn: „Was wir wollen und was wir kriegen, das ist ein kleiner Unterschied“.