Gelebtes Fernweh: Mit 1,5 PS von Fautenbach in Baden nach Krk in Kroatien und wieder zurück – Olli Huber schaffte den Kraftakt ebenso wie seine 43 Jahre alte Zündapp.
Gelebtes Fernweh: Mit 1,5 PS von Fautenbach in Baden nach Krk in Kroatien und wieder zurück – Olli Huber schaffte den Kraftakt ebenso wie seine 43 Jahre alte Zündapp. | Foto: privat

Fünf Länder in 16 Tagen

Von Fautenbach nach Kroatien: Mit 1,5 PS schafft es die Zündapp über die Alpen

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Fünf Länder in 16 Tagen zu durchqueren, 2 707 Kilometer nach Kroatien zurückzulegen und 36 285 Höhenmeter zu überwinden, das ist Abenteuer pur. Olli Huber bewältigte den Trip von Fautenbach nach Krk und wieder zurück auf einem 43 Jahre alten und 1,5 PS-starken Zündapp Mofa.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

„Mit dem Auto oder Camper kann jeder die Alpen durchqueren und in den Urlaub fahren, aber mit einem Moped sieht das schon anders aus und alle halten Dich für verrückt“, so Olli Huber, der sich vor seinem Roadtrip drei Fragen stellte: „Soll ich den fast 25 Jahre alten Reifen vorne wechseln? Wird die kleine Bergsteiger durchhalten? Werde ich jemals in Kroatien ankommen?“

Ersatzteile müssen mit

Da war es schon zu spät für einen Rückzieher und so stopfte der 43-jährige einen Tag vor Abreise ein paar Klamotten in den Rucksack, schnallte Schlafsack, Hängematte, Zweitakt-Öl und diverse Ersatzteile auf den Gepäckträger und schon waren Mann und Maschine bereit für ein großes Abenteuer. Noch einmal Luftdruck prüfen und volltanken, dann düste das Mofa in Richtung Süden durchs Kinzigtal den Alpen entgegen und die Ortenau wurde im Rückspiegel immer kleiner.

Von Pass zu Pass

Vorbei ging es an Ravensburg und Bad Hindelang doch dann folgte die chaotische Reise ins Ungewisse. Der Oberjochpass (1 178 Meter) war das erste Hindernis auf der Reise, und weiter tuckerte das Mofa hoch auf das Hahntenjoch (1 894 Meter) und weiter durch das Ötztal und über den Timmelsjochpass (2 509 Meter). Die kleine „Bergsteiger“ hatte ihre erste harte Prüfung bestanden, wie auch der Fahrer die erste Nacht in der Hängematte.

Eine Fledermaus im Koffein-Rausch

Kein Wunder, dass er am nächsten Morgen schon um 6 Uhr hellwach war und nach einem kleinen Frühstück durch den Regen über den Jaufenpass (2 094 Meter) „eierte“ und unter dem flatternden Regenponcho aussah „wie eine Fledermaus im Koffein-Rausch“. Weiter ging es über Berg und Tal und vor der italienisch-slowenischen Grenze musste er am Passo Cason di Lanza angesichts der massiven Steigung bis zu 18 Prozent die Zahnrad-Übersetzung wechseln. „Schweißgebadet saß ich auf der schmalen Straße, der Kolben rauchte“.

Nebel, Wolken und Null Sicht

Nach dieser Berg-Tortur ging es weiter auf den Mangart und nach Nebel, Wolken und Null Sicht erreichte er das Örtchen Kamno im Soca-Tal, traf Rudi und seine „Mopedschrauber“, die ihren Augen nicht trauten, als das Duo knatternd in dem einsamen Ort einfuhr. Umso herzlicher war die Gastlichkeit mit slowenischem Bier, Zweitakt-Talk und Nachtlager im Geräteschuppen, wo er bei prasselndem Regen und leuchtender Taschenlampe zum Einschlafen nicht Schafe, sondern die Ratten im Gebälk zählen konnte.

 

Ein achtfacher Espresso in Triest

Irgendwann tauschte er das kleine Ritzel gegen das große „Huiiii-Ritzel“, mit dem er mit satten 49 „Sachen“ dem Mittelmeer entgegen- bretterte. In Triest angekommen, fiel prompt der heiße Auspuff ab, doch ein netter Bauarbeiter eilte mit einer Rolle Draht zu Hilfe. Die „Reparatur“ hielt gerade einmal 500 Meter, was Grund genug war, in einem Café im Hafen von Triest erst einmal einen achtfachen Espresso zu nehmen.

Ungeplante Verzögerungen

Zu diesem Zeitpunkt war Olli Huber sieben Tage unterwegs und seinem optimistischen Zeitplan schon etwas hinterher, denn durch die ungeplanten Verzögerungen wie Regen, Hagel und in diverse Seen zu springen war er noch 120 Kilometer von seinem Tagesziel entfernt. So hieß es Zähne zusammen beißen, rauf auf die „Bergsteiger“, volltanken und durchstarten über Rijeka nach Krk. „Ich war heilfroh, dass ich bei sehr guten Freunden übernachten durfte und einen Day-off mit ihnen verbringen konnte“.

Rückfahrt schon nach 36 Stunden

Nach 36 Stunden Aufenthalt hieß es: „Urlaub schon vorbei, ab nach Hause“. Die Straße rief und so machte sich das verschmolzene Gespann über Ljubljana, den Großglockner und München auf den Weg in Richtung Schwarzwald. Wieder lagen die Alpen, tausende von Höhenmetern und etliche Kilometer auf abenteuerlichen Straßen vor ihm. „Der Gedanke an die Rückfahrt war erschreckend, aber auch spannend, denn es passiert unterwegs so vieles und man begegnet so vielen schrägen und wunderbaren Menschen“.

Besuch in der Geburtsstätte

In 16 Tagen verbrauchte das Mofa 60 Liter Super und 1,2 Liter Öl. Seinem treuen Mofa gönnte er dann auf der Heimreise noch einen Stopp, als er an jenen Ort in München fuhr, an dem die kleine Bergsteiger in den Zündapp-Werken gebaut wurde.