Gipfelstürmer mit „Tempo zehn“: Der Fautenbacher Olli Huber überwand mit seiner Zündapp „Bergsteiger“ aus dem Jahr 1976 fünf Alpenpässe. | Foto: privat

Olli Huber aus Fautenbach

Mit der „Zündapp“ und 1,5 PS auf Alpen-Tour

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Fünf Alpenpässe überqueren, 4.200 Höhenmeter überwinden, 190 Kilometer überstehen: Allein die Vorgaben für die „Vorarlberger Moped Ride“ sorgten bei dem Fautenbacher Olli Huber und 800 Bikern für Respekt. Denn zum Reglement gehörte, dass die Mopeds mindestens 30 Jahre alt sein mussten und höchstens einen Hubraum von 50 Kubikzentimetern haben durften. Hubers „Zündapp“ erfüllte alle Voraussetzungen.

Von Roland Spether

Für Olli Huber war es ein weiteres Abenteuer: er hatte sich vor zwei Jahren schon einmal auf einen spektakulären Trip gemacht, als er mit seinen Kumpels Manuel Jörger und Jarno Kiesele am Roadtrip „Baltic Sea Circle“ teilnahm und mit einem 78er Chevy die Ostsee in 16 Tagen umrundete. Nun stieg er Solo auf zwei Rädern um, und hatte mächtig viel Vertrauen in seine blaue Zündapp „Bergsteiger“ aus dem Jahre 1976 mit 1,5 PS.

Mächtige Zweitakt-Dunstwolke

So war es nicht verwunderlich, dass Olli Huber mit guten Freunden exakt 50 Meter nach dem Start von der Route abwich und in Dornbirns Fußgängerzone erst mal Kaffee getrunken und „Gipfele“ gevespert hat. Weshalb der Racer dies tat, war nicht zu übersehen. Denn als die 800 Mopeds gleichzeitig losfuhren, erzeugte dies einen unglaublichen Lärm, der Pulk zog auch eine mächtige Zweitakt-Dunstwolke durch die Straßen. „Wer da drin steckt, muss für die nächsten zwei Stunden keine Zigarette mehr rauchen“, flachst Olli Huber. In diesem Moment dachte der Moped-Experte aus dem Badischen nicht im Geringsten daran, dass ihm neun Stunden später als Sieger der „goldene Lorbeerkranz“ um den Hals gehängt werden sollte.

Sicherheit ja, Alkohol nein

Als Olli Huber mit seiner „Bergsteiger“ eincheckte und den Tracker für die exakte Messung der Durchfahrtpunkte anbrachte, war von Gewinnen noch lange keine Spur. Denn zuerst stand das Reglement und die Fahrerbesprechung auf dem Programm mit klaren Instruktionen: Safety first, no Alkohol, mutch Respect. Es wurde viel gefachsimpelt und darüber nachgedacht, ob denn der CO2-Ausstoß von 800 Mopeds in Zeiten von Umweltkrise und Klimawandel überhaupt verantwortbar sei. Immerhin hatte vom Veranstalter ausgerechnet, dass für die Neutralisierung der anfallenden Emissionen 4,3 Bäume gepflanzt werden müssten. Der Veranstalter werde aber in den nächsten Monaten circa 200 Bäume im Vorarlberger Land pflanzen, berichtet Huber. Das klang gut und so konnte sich der Fautenbacher beruhigt auf sein Moped schwingen und zuverlässig wie immer, sprang die Zündapp im Originalzustand sofort an und kam auf Touren.

Notfalls auch im ersten Gang

Nach der coolen Frühstückspause lief„Ollis Bergsteiger“ unermüdlich die Serpentinen hinauf – bei größeren Steigungen von zehn Prozent und notfalls auch im ersten Gang. Bei einer Geschwindigkeit von zehn bis fünfzehn Stundenkilometern bergauf war auch jede Menge Zeit, sich Gedanken über den Sinn des Lebens zu machen oder warum man sich und seine Maschine mit sagenhaften 1,5 PS unterm Hintern über fünf Alpenpässe hinweg schindet. „Über den Sinn des Lebens bin ich mir außer meinem Alter noch nicht ganz im Klaren“, so Huber. „Aber wenn man seinem Mofa das Letzte abverlangt und es die Serpentinen und die Tunnel-Galerie zum Arlberg hochgeprügelt hat, wenn man am glutheißen Krümmer Bauchspeck grillen könnte, verdutzte Wanderer am Straßenrand nur den Kopf schütteln und man oben endlich wieder den Gang auskuppeln kann und den Fahrtwind spürt, dann will man eigentlich sofort ein Bier aufreißen und sich und das Moped damit begießen“.

Mehr als neun Stunden unterwegs

Dies ist dann irgendwann passiert, doch vorher mussten  bis zum „Arlberg“ 4.200 Höhenmeter überwunden und 190 Kilometer Strecke zurückgelegt werden. „Wer dann von sich behauptet, er könne noch bequem sitzen, liegt definitiv daneben“. So schliefen ihm auf den letzten 50 Kilometern immer wieder die Beine ein, auch andere Körperteile wurden arg strapaziert. Nach 9:27 Stunden tuckerte der Fautenbacher über die Ziellinie. Und als dann Siegerehrung war, rechnete er mit allem, nur nicht mit dem ersten Platz. Der Winner wurde aufgrund des speziellen Rennens und der historischen Boliden durch ein Zeit-Los-Verfahren ermittelt.

Holzschuhe als Gewinn

Der Gewinn waren Original Tiroler Holzschuhe, „die unglaublich bequem sind“.