Schwestern aus Indien leben im Kloster Erlenbad und kümmern sich liebevoll mit freien Pflegekräften um ältere und kranke Schwestern. | Foto: esp

145 Jahre Kloster Erlenbad

Mit Gottvertrauen in eine ungewisse Zukunft

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Es ist mehr als eine christlich-österliche Hoffnung: Die Schwestern im Obersasbacher Kloster Erlenbad sehen mit Gottvertrauen in eine ungewisse Zukunft. 101 Franziskanerinnen leben im Kloster. Am 28. April feiern die  Schwestern zusammen mit Erzbischof Stephan Burger einen Festgottesdienstes anlässlich ihres 145. Jubiläums. Der ABB hat mit Provinzoberin Rita Eble gesprochen.

Von unserem Mitarbeiter Roland Spether

„Wenn wir Erlenbader Schwestern etwas schließen mussten, ist daraus dann oft etwas Neues entstanden“. Diese „österliche Hoffnung“ lässt sich die Provinzoberin Rita Eble für sich selbst und „ihre“ Franziskanerinnen vom Kloster Erlenbad nicht nehmen, wenn sie an die Zukunft der Kongregation denkt und sich wie die Gründerin Mutter Alexia von großem Gottvertrauen getragen weiß. „Natürlich ist es immer einfacher etwas aufzubauen, als etwas zu schließen“, so die Ordensfrau.

16 Schwestern aus Indien

Als Provinzoberin ist sie verantwortlich für derzeit 101 Schwestern, darunter 16 aus Indien, im Mutterhaus in Obersasbach. Mit ihren Mitschwestern Margita und Jutta im Leitungsteam muss sie sich viele Gedanken machen um die Zukunft des Klosters. Dabei weiß sie sich aus der 145-jährigen Tradition der Gemeinschaft viele engagierte Frauen an ihrer Seite, die wie jene Franziska Höll aus Bühlertal (Mutter Alexia) stets mutig, offen und hoffnungsvoll nach vorne in die Zukunft gegangen sind. „Mutter Alexia hat nicht lange überlegt, sie hat es einfach gemacht und dann hat es auch geklappt“, so Rita Eble, die seit 1963 eine Erlenbader Schwester ist und deren erste Priorität klar vor Augen steht.

Ich habe heute ein besseres Gefühl als vor zwei Jahren

Vertrauen auf gute Gesellschaftsentwicklung

„Hier im Erlenbad leben noch so viele Schwestern – um sie muss ich mich kümmern“. Dabei stellt sie auch fest, dass sie nicht einfach „nur“ eine christlich-österliche Hoffnung hat, sondern dass diese auch tatsächlich begründet ist und sich auch tatsächlich ein Weg in die Zukunft eröffnet. „Ich habe heute ein besseres Gefühl als vor zwei Jahren. Ich glaube, dass es eine gute Entwicklung für unsere Gemeinschaft gibt.“

Mehr als 100 Jahre gelebter Glaube

Bei ihren zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen weiß Rita Eble, dass die Bevölkerung im Lauf-Sasbachtal und weit darüber hinaus den Erlenbader Schwestern eine gute Zukunft wünschen, zumal das Kloster ein wichtiger geistlicher und kultureller Ort ist, viele Menschen zu den Gottesdiensten und den Konzerten kommen und von Obersasbach aus mehr als 100 Jahre viele wertvolle Impulse gelebten Glaubens ausgingen.

Erlenbader Schwester meist zu dritt

Denn Erlenbader Schwestern waren in vielen Gemeinden in ganz Deutschland, in der Schweiz und im Elsass präsent. In der Regel lebten immer drei Schwestern in einem kleinen Konvent beisammen. Eine war Erzieherin im Kindergarten, die andere war für Hauswirtschaft zuständig und die dritte war eine Krankenschwester, die sich im Ort um die alten und kranken Menschen kümmerte und die Sterbenden begleitete.
Rita Eble, die Provinzoberin des Klosters Erlenbad | Foto: esp

Nöte der Menschen sehen

„Die Nöte der Menschen sehen und handeln“ war stets ein zentrales Anliegen der Gemeinschaft und ihrer Gründerin, die 1873 mit den Schwestern Alfons Schmid und Clara Seiter mit 70 Dollar in der Tasche nach Amerika auswanderte und 1874 die School Sisters of St. Francis gründete.

In der Blütezeit der Gemeinschaft hatten wir 5 000 Schwestern weltweit

„Unverschämtes Gottvertrauen“

„Mutter Alexia war eine sehr tatkräftige Frau mit einem unverschämten Gottvertrauen“, so Rita Eble, die von 2006 bis 2014 zur Generalleitung gehörte und oft vor Ort die Stationen in Indien, Peru, Nordamerika und in Zentralamerika war. „In der Blütezeit der Gemeinschaft hatten wir 5 000 Schwestern weltweit“, die in Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen oder in der Dorfarbeit tätig waren.

Zwei Provinzen in Indien

Vor allem in Indien wuchs die Gemeinschaft stetig und so entstanden zwei selbstständige Provinzen, deren Schwestern heute einen wertvollen Dienst für die Ärmsten der Armen leisten. Kamen 1963 erstmals Frauen aus Indien nach Obersasbach, gingen hier in die Klosterschule und wurden zu Krankenschwestern ausgebildet, so sind heute wieder Schwestern aus Indien im Erlenbad.  Zu ihren Aufgaben gehört es, mit freien Pflegekräften für die älteren Schwestern da zu sein, sie zu pflegen und auf der Krankenstation aus ihrem Glauben heraus das zu tun, was Franziskanerinnen von Erlenbad schon immer taten: Die österliche Hoffnung leben, die über den Tod hinausgeht.

Franziska Höll alias Mutter Alexia, Gründerin des Obersasbacher Klosters Erlenbad

Zur Erfüllung ihres Herzenswunsches, auf badischem Boden ein Noviziat zur Vorbereitung auf den Eintritt in ihre Gemeinschaft zu gründen, hatte Mutter Alexia in dem Thermalbad Erlenbad ein geeignete Gelände gefunden und am 21. September 1895 erworben.
Möglich wurde der Kauf des Erlenbades, weil Mutter Alexia gegenüber dem Badischen Justiz- und Kultusministerium ihr ursprüngliches Gesuch korrigierte, hier keine klösterliche Niederlassung mit Lehr- und Erziehungsauftrag zu gründen und kein Noviziat einzurichten – lediglich eine „Prüfungsanstalt“ für Mädchen und für deren Eignung als Lehrschwester in Milwaukee.
Doch bereits im Herbst 1896 war das Marienheim mit 30 Postulantinnen überbesetzt und 19 der jungen Frauen reisten mit Mutter Alexia nach Amerika. Erst als Papst Pius X. 1907 die Europäische Provinz anerkannte, die Reste der Kulturkampfgesetze beseitigt waren und die Entscheidung über die Zulassung von Orden an die Kirche zurückgegeben war, konnte der Freiburger Erzbischof am 22. August 1919 das Marienheim zum Provinzhaus und Noviziat erklären.
Die Gemeinschaft der Erlenbaderinnen wuchs rasch an, Schwestern gingen unter anderem nach Indien und Honduras; in Deutschland und der Schweiz arbeiteten sie in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. In den 50er Jahren betreute das Provinzmutterhaus 136 Stationen.
In Obersasbach wurden die Schwestern ausgebildet, in den Konvent aufgenommen und wieder zurück in ihr Heimatland gesandt, wo sie zahlreiche Projekte für Not leidende Menschen gründeten.