Breitband Sasbachwalden
Die Geografie macht in Sasbachwalden die Breitband-Versorgung der Haushalte nicht eben leichter. Dennoch hat es der Ort zur Modellkommune gebracht. | Foto: ug

Breitband-Serie: Sasbachwalden

Modellprojekt auf der Überholspur

Wo bitte geht es zur Datenautobahn? Ein rechtes Kuddelmuddel herrscht bei der Breitband-Versorgung in der Region. Dass die Telekom nach langem Zögern massiv investiert, macht die Sache nicht eben übersichtlicher. Der Acher- und Bühler Bote gibt in dieser Serie einen Überblick. Zum Auftakt: der Sonderweg Sasbachwalden.

Das Blumendorf als Vorreiter: Was schnelles Internet angeht, ist Sasbachwalden ein Besonderheit in der Region – und darüber hinaus, denn im August 2011 nahm die Gemeinde das erste funktionierende Glasfasernetz der Bundesrepublik im ländlichen Raum in Betrieb, das EU-konform aufgebaut wurde. Der damalige Minister Alexander Bonde bezeichnete das Projekt beim offiziellen Startschuss als „gutes Beispiel für andere Gemeinden in Baden-Württemberg“.

Das war mutig von der Gemeinde

Neu ist in Sasbachwalden zudem, dass auch Abwasserkanäle und Strom-Freileitungen genutzt werden. „Dieses Netz wird Jahrzehnte Bestand haben“, so der damalige Bürgermeister Valentin Doll. „Das war mutig von der Gemeinde“, sagt heute Helmut Giger, Geschäftsführer der ortsansässigen Betreiberfirma Telsakom. „Die Sasbachwaldener haben damit drei Schritte auf einmal gemacht und alle anderen überholt.“ Dieses Modellprojekt habe einen Schub in das Thema Breitband gebracht, sagt Giger, dessen Unternehmen inzwischen auch mehreren weiteren Gemeinden tätig ist.

Breitband Sasbachwalden
Gebuddelt und gegraben wurde in Sasbachwalden – wie hier im September 2010 – bevor die Gemeinde 2011 das erste funktionierende Glasfasernetz in Deutschland im ländlichen Raum in Betrieb nahm. | Foto: Michaela Gabriel

Rund 80 Prozent der Haushalte in Sasbachwalden bekommen über Telsakom Glasfaser direkt ins Haus, verlegt wurden rund 40 Kilometer, so Giger. „So wie gebaut wird, werden dann sukzessive neue Häuser angeschlossen.“ Möglich seien bis zu 300 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload – „das kann kein anderer“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Bis 2020 läuft der Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Betreiber. „Allerdings hat der Vertragsnehmer, also Telsakom, die Option, den Vertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern. Wir stehen in engem Kontakt, um uns diesbezüglich abzustimmen“, sagt Bürgermeisterin Sonja Schuchter. Rund 3,4 Millionen Euro kostete das Projekt die Gemeinde. „Die aufgenommenen Darlehen für das Projekt laufen bis Ende 2029. Dann ist das Glasfasernetz bezahlt“, so Schuchter.

Telekom baut neben gemeindeeigenem Netz

Im November vergangenen Jahres wurde dann bekannt: Die Telekom beginnt mit dem Ausbau von Internetanschlüssen in Sasbachwalden neben dem bestehenden gemeindeeigenen Netz. Man wolle Glasfaserkabel bis in die Straßen legen, zehn Straßenverteiler, sogenannte Multifunktionsgehäuse, aufstellen und damit voraussichtlich ab Ende des Jahres rund 1 110 Haushalte mit Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s versorgen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Im zweiten Schritt werde die Telekom in den kommenden ein oder zwei Jahren Supervectoring einschalten und damit die Bandbreite im Download auf bis zu 250 MBit/s steigern. Dann könne, den Bedarf vorausgesetzt, der weitere Netzausbau mit Glasfaser bis in die Häuser folgen.

Kenne fast alle Kunden per Handschlag

„Die Telekom versucht sich mit attraktiven Preismodellen am Markt zu behaupten. Wir werden sicher auch einige Kunden verlieren“, sagt Helmut Giger. Telsakom werde wohl die Preise senken müssen, gleichzeitig hoffe man, dass die Kunden bereit seien, etwas mehr zu bezahlen. Der große Vorteil des Unternehmens sei schließlich die Ortsansässigkeit: „Wir sind mit Laden und Techniker vor Ort. Ich kenne inzwischen fast alle Kunden per Handschlag“, sagt Giger.

10.000 Euro für Breitband-Unterhaltung

Indes monierte ein Sasbachwaldener Bürger, der selbst das gemeindeeigene Netz nutzt, dass dieses ein Sanierungsfall sei und nichts in das Gemeindeeigentum investiert worden sei. „Die aktive Technik muss immer wieder dem Stand der Technik angepasst werden, sodass immer wieder nachgerüstet werden muss“, erklärt Bürgermeisterin Sonja Schuchter dazu. „Zusätzlich haben wir in diesen Haushalt 10 000 Euro für die notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen für das Breitbandnetz aufgenommen.“ Auch in den kommenden Jahren werde die Gemeinde Sasbachwalden die erforderlichen Unterhaltungsarbeiten leisten, damit das Glasfasernetz funktionstüchtig und attraktiv für die Bevölkerung bleibe.