Fit gemacht für die Zukunft wurde der Messestandort Offenburg. Doch seit April ruht das Geschäft dort komplett. | Foto: Messe Offenburg

Die Herbstmesse als Testlauf

Nach Corona-Pause: Messe Offenburg tastet sich zu einem Neuanfang vor

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Die Offenburger Messechefin Sandra Kircher hat ihre ganz eigene Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen. „Wir haben uns flach gemacht“, hatte sie im Gespräch mit Oberbürgermeister Marco Steffens trocken die Reaktion auf die Corona-Krise beschrieben. Jetzt sucht sie den Neuanfang.

Mehr als 500 Veranstaltungen gibt es jedes Jahr auf dem Gelände an der Kinzig – nur 15 davon sind klassische Messen, darüber hinaus steht eine bunte Mischung im Portfolio: von der Familienfeier bis zur Fernsehproduktion und dem Rockkonzert. Und dann kam Corona.

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Der Betrieb mit rund 40 Mitarbeitern bremste wegen des Lockdowns von hundert auf null, fast alle sind seit dem 1. April in Kurzarbeit. Die Messechefin nicht: Sie muss sich überlegen, wie es nach dem Stillstand weitergehen kann. Keine einfache Angabe, denn eine Messe lebt davon, Menschen zusammen zu bringen. Da ist es schwierig, wenn Abstand halten angesagt ist.

Oberrheinmesse mit deutlich weniger Besuchern?

Die Oberrheinmesse in diesem Herbst, traditionelles Flaggschiff am Standort, könnte die Blaupause sein, wie die Messe der kommenden Jahre aussehen kann. Jedenfalls so lange, bis die Bedrohung durch Corona vorbei ist. Ob sie stattfindet? Kircher will sich noch nicht festlegen, sie befragt gerade die Aussteller. Die ersten Rückmeldungen sind ziemlich eindeutig. Viele der Anbieter leben von und mit Messen, sie haben kaum eine Wahl.

Ein möglicher Kompromiss: Die Oberrheinmesse, vor Jahrzehnten mit knapp 120.000 Besuchern das Ereignis im Herbst in der Ortenau schlechthin, macht sich nicht flach, aber schlank.

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Maximal 40.000 Menschen dürfen in neun Tagen auf das Gelände, sie müssen sagen, wann sie kommen, und sie müssen sich auf neue Spielregeln einstellen: Keine kleinen Unterhaltung-Events in den Messehallen, kein Gedränge und Geschiebe in den Gängen, die mindestens sechs Meter breit sein werden, und keine Vesperstände im Innenraum.

Kontaktlos und auf Abstand

Verweilt wird draußen, bei hoffentlich gutem Herbstwetter; das Geschirr wandert in eine zentrale Spülmaschine um ganz sicher zu sein. In den Hallen gilt eine Einbahnregelung, die Gänge werden so angelegt, dass man anderen Besuchern nicht über den Weg läuft. Die Oberrheinmesse in Corona-Zeiten.

Nachdenken über einen Neuanfang: Offenburgs Messechefin Sandra Kircher | Foto: hrd

Dazu gibt es ein kontaktloses Management von Einlass und Garderobe. Abstand ist angesagt, und gleichzeitig die zentrale Hoffnung für den Offenburger Messebetrieb, wieder ein bisschen so etwas wie Normalität zu erhaschen. Die Herbstmesse wird dafür Probelauf und Prüfstein zugleich: „Was wir da haben, das wird bleiben“, sagt Kircher.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen schwer getroffen. Die Messe Offenburg erwischte sie wenige Monate vor dem Startschuss für die neue Halle, die dazu dienen sollte, auch anspruchsvolle Großveranstaltungen in Offenburg zu halten.

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Vor der wirtschaftlichen Vollbremsung?

Jetzt ist sie die Chance, auch in zwei Jahren mehr Abstand bieten zu können, wenn das Virus bis dahin nicht niedergerungen ist. Denn nicht nur die Messen werden bis dahin unter neuen Vorzeichen ablaufen, auch die mehr als 480 sonstigen Veranstaltungen im Jahr stehen unter der neuen Überschrift: „Abstand“.

„Wir gehen dann immer in die nächst größeren Räumlichkeiten“, sagt Kircher, die letztlich sehen muss, ob sie die höheren Preise bei den Veranstaltern auch durchsetzen kann.

Folgt daher auf die inhaltliche auch die wirtschaftliche Vollbremsung? Von der Jahrtausendwende bis 2010 habe man in Offenburg die notwendige Infrastruktur für einen erfolgreichen Messestandort geschaffen, die neue Halle hätte das Sahnehäubchen sein sollen, mit entsprechende wirtschaftlichen Folgen: „Wir wären 2022 perspektivisch in die Gewinnzone gekommen“, sagt Kircher. Ob das Ziel noch zu erreichen ist, steht erst einmal dahin.

Forderung nach klarer Ansage der Politik

Es wird, so macht die Messechefin deutlich, vor allem davon abhängen, wann man verlässliche Planungsgrundlagen habe. Da aber schweige die Politik: „Wir wissen nicht, mit wie vielen Personen wir ab September rechnen dürfen“, es gebe keine klare Perspektive, was die Politik wolle. Das Risiko, durch einen erneuten Corona-Ausbruch wieder alles rückgängig machen zu müssen trage man gerne, sagt die Messechefin, hätte man nun eine Ansage für die weiteren Planungen.

Oberrheinmesse light

Marco Steffens, Oberbürgermeister Offenburg

Von einer „Oberrheinmesse light“ spricht OB Marco Steffens, das lasse sich alles organisieren so wie es im Einzelhandel auch gelungen sei. An der neuen Halle jedenfalls will die Stadt festhalten – „wir gehen davon aus, dass noch vor der Sommerpause der Spatenstich ist“.

Die Investition sei zu bewältigen, die Finanzierung laufe über 25 Jahre. Und das Minus aus dem laufenden Betrieb der Messe halte sich trotz Corona sehr in Grenzen: „Ich war überrascht es ist nicht so brutal“, sagt Steffens: „Wir haben uns für einen Betrieb dieser Größenordnung sehr, sehr flach gemacht“.