Christoph Wetzel-Veilandics schafft es immer wieder, große Talente in die Freiburger Fußballschule zu locken. Der SC Freiburg ist bundesweit bekannt für seine gute Jugendarbeit.
Christoph Wetzel-Veilandics schafft es immer wieder, große Talente in die Freiburger Fußballschule zu locken. Der SC Freiburg ist bundesweit bekannt für seine gute Jugendarbeit. | Foto: Stephan Hund

Fußball

Nachwuchsscouting-Chef des SC Freiburg: Junge Spieler sind Spekulationsobjekte

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Durch den Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim ist der SC Freiburg mit Trainer Christian Streich auch nach 21 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga noch auf Tuchfühlung mit den europäischen Plätzen. Dabei setzen die Verantwortlichen verstärkt auf junge Spieler, am liebsten aus dem eigenen Nachwuchs.

Christian Günter aus Tennenbronn im Schwarzwald, der die Mannschaft beim 1:0 gegen Hoffenheim als Kapitän aufs Feld führte und seit der C-Jugend für den Sportclub spielt, ist nur ein Beispiel für den Weg der Breisgauer.

Christoph Wetzel-Veilandics ist seit sieben Jahren Leiter des Nachwuchsscoutings in der Freiburger Fußballschule. Der 52-Jährige war vor rund 20 Jahren als Trainer beim SV Fautenbach tätig und ist mit dem Verein heute noch eng verbunden. Die Aufgabe des gebürtigen Zunsweierers ist es, immer wieder neue „Günters“ zu entdecken.

Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marius Faller spricht Wetzel-Veilandics über seine mittelbadische Vergangenheit und Entwicklungen im heutigen Fußballgeschäft.

Herr Wetzel-Veilandics, erst kürzlich fand in Fautenbach ein U15-Turnier mit Racing Straßburg, dem FSV Waiblingen und dem SC Freiburg statt, das Sie vermittelt hatten. Wie gut ist Ihr Draht zur alten Wirkungsstätte?

Christoph Wetzel-Veilandics: Zum SV Fautenbach hatte ich immer Kontakt. Viele ehemalige Spieler von mir sind heute in leitenden Positionen im Verein, beispielsweise Hannes Volz. Edgar Gleiß, der zu meiner Zeit Vorsitzender war und jetzt Ehrenvorsitzender ist, hat mich sogar zur Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr eingeladen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

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Schielen Sie aufgrund Ihrer Wurzeln bei der Talentsuche vermehrt nach Mittelbaden oder woher stammen die meisten Spieler, die Sie scouten?

Unser Kerngebiet ist und bleibt ganz Südbaden. Da ich im Scouting allerdings nicht nur für den jüngeren Bereich, sondern auch für die U23 und den Übergang zu den Profis tätig bin, bin ich hier und da auch mal über die Grenzen hinaus unterwegs. Im unteren Altersbereich ist Rastatt für uns meistens die Grenze.

Alle Talente, die nördlicher wohnen, sind in unseren Augen dann eher im Bereich des KSC oder der TSG Hoffenheim. In unserem Internat dürfen außerdem nur Spieler ab der U16 wohnen. Da habe ich schon ein schlechtes Gewissen, wenn ein B-Jugend-Spieler mehrmals in der Woche von Rastatt zu uns fahren muss.

In gewisser Weise sind Spieler in einem solchen Alter Spekulationsobjekte

RB Leipzig zahlte 2018 für den damals 16-jährigen Mads Bidstrup laut dem Fachmagazin „kicker“ eine Ablöse von zwei Millionen Euro. Wie groß ist das Risiko bei einem so jungen Spieler, dass er die Erwartungen nicht erfüllt?

Der Weg für junge Spieler nach oben ist relativ weit. Auch wenn das ein blöder Begriff ist, dann sind Spieler in einem solchen Alter in gewisser Weise Spekulationsobjekte. Bei 15- und 16-Jährigen ist eine Prognose nicht einfach.

Es gibt auch Ausnahmen, Kai Havertz oder Arne Maier beispielsweise. Bei diesen Spielern konnte man schon in diesem Alter davon ausgehen, dass sie mal sehr gut werden. Da hätte schon viel schiefgehen müssen, um dies zu verhindern.

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Gab es auch in der Freiburger Vergangenheit Jugendspieler, für die der SC an die finanzielle Schmerzgrenze gehen musste?

Unsere Schmerzgrenze ist sicherlich eine andere als die von anderen Vereinen. Wir würden diese aber nie in Bezug auf einen Spieler kommunizieren, so wie es beim SC üblich ist.

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Die Deutsche Fußball Liga diskutiert gerade darüber, ob die Altersgrenze im Profifußball auf 16 Jahre gesenkt werden soll. Was halten Sie von dieser Idee?

Bei uns wäre dies sowieso kein Thema. Wir wollen die Jungs nicht zu früh ins kalte Wasser schmeißen. Eine solche Änderung könnte für Vereine wie Borussia Dortmund interessant sein. Da geht es um junge Top-Spieler wie Havertz. Die gibt es bei uns eher nicht.

Wir konzentrieren uns auf die guten Spieler und wollen diese Schritt für Schritt entwickeln und im besten Fall zu Top-Spielern machen.

Der Unterschied vom Jugend- zum Erwachsenenfußball ist enorm

Der SC Freiburg würde von dieser Regeländerung also nicht profitieren?

Eher nicht, bei uns ist der Prozess ein wenig entschleunigt. Die U23 ist in Freiburg ein wichtiger Zwischenschritt. Es gibt wenige Spieler, die direkt aus der U19 zu den Profis kommen. Der Unterschied vom Jugend- zum Erwachsenenfußball ist enorm.

Natürlich gibt es auch bei uns Ausnahmen. Matthias Ginter kam beispielsweise schon sehr jung zum Einsatz.

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