Wegen der Nässe können Landwirte ihre Felder momentan nicht befahren. | Foto: Laila Weber

Folgen des Regens

Nässe stellt Landwirte vor erhebliche Probleme

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„Es ist viel nässer als in den Vorjahren“, klagt Jochen Heimburger vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Achern. Diese Nässe sei schon außergewöhnlich – vor allem über eine so lange Zeit im Winter. Die Statistik bestätigt dies: Allein im Januar fiel etwa doppelt so viel Niederschlag in der Region wie im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Der Januar war damit, wie Paul Klier vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Ortenaukreises erklärt, „der dritte überdurchschnittlich regenreiche Monat in Folge“. Damit stiegen auch wieder die Grundwasserstände.

Niederschläge sind Grund für Wasser auf Felden

Diese Niederschläge sind auch die Ursache dafür, dass auf vielen Feldern Wasseransammlungen zu sehen sind oder zu sehen waren, vermutet Reinhard Schulze. Er ist Sachgebietsleiter Landwirtschaftliche Produktion im Amt für Landwirtschaft des Ortenaukreises. Bodenverdichtung durch schwere Landmaschinen schließt er dagegen als Grund aus. Dafür stehe das Wasser zu großflächig. Bei Verdichtung sei dies eher punktuell der Fall. Früher hätten noch häufiger Maschinen mit schmalen Reifen diese Folge gehabt, doch die inzwischen verbreiteten breiteren Reifen verdichteten nur noch die oberen fünf bis zehn Zentimeter und diese würden beim Pflügen wieder gelockert. Zu sehen sei die Verdichtung jetzt eigentlich nur noch am Rand der Felder, wo gewendet werde und deshalb eine höhere Belastung entstehe.

„Rückschlag“ für Wintergetreide

Aber dies ändert nichts am aktuellen Problem der Nässe auf den Feldern. Für das bereits längst ausgesäte Wintergetreide spricht Verbandsvertreter Heimburger von einem „Rückschlag“, es könne sogar kaputt gehen. Außerdem können die Felder momentan nicht befahren werden, da der nasse Untergrund durch das Gewicht tatsächlich verdichtet würde. Deswegen sind Zwischenfrüchte noch nicht untergepflügt.

Arbeit verschiebt sich in den März

Die Arbeit aus dem Dezember und Januar sei damit in den März verschoben. Das ist ungewöhnlich: „An ungepflügte Flächen Ende Februar kann ich mich nicht erinnern“, erklärt Heimburger. Und selbst wenn es jetzt aufhört zu regnen: Je nach Art des Bodens kann es bis zu drei Wochen dauern, bis dieser wieder trocken genug ist, um befahrbar zu sein. Eigentlich müssten auch Mist, Gülle und Dünger ausgefahren werden, was natürlich auch nicht möglich ist. Entsprechend verschiebe sich alles, auch die Aussaat des Frühjahrsgetreides, nach hinten.

Minusgrade sind kein Problem

Vor den jetzt drohenden Minusgraden hat Heimburger hingegen keine Angst: Die sogenannte Frostgare sei durchaus erwünscht. Das gefrierende Wasser dehnt sich hier aus und lockert auf diesem Weg die Böden. Außerdem sind gefrorene Böden natürlich befahrbar, ohne dass die schweren Maschinen sie durch ihr Gewicht verdichten.

Hoffnung auf zwei kalte und trockene Wochen

Deswegen hofft der auf seinem Hof in Meißenheim-Kürzell auch selbst von den Feuchtigkeitsproblemen betroffene Landwirt jetzt auf zwei trockene und kalte Wochen – und „dann kann langsam der Frühling kommen“.

Die Niederschläge der vergangenen Monate hatten positive Auswirkungen. „Die aktuellen Auswertungen der Pegelmessdaten an der Kiesgrube in Gamshurst zeigen, dass momentan die höchsten Grundwasserstände der letzten fünf Jahre aufgezeichnet wurden“, erklärt Paul Klier vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz auf ABB-Anfrage. Diese Entwicklung sei für den ganzen Ortenaukreis repräsentativ. So konnten von den rund 150 Millimeter Niederschlag etwa 60 Millimeter versickern und führten zu einem Anstieg des Grundwassers um etwa einen halben Meter. Die Folge seien „sehr gute Voraussetzungen für die Grundwasserneubildung zur Stabilisierung unserer Grundwasservorräte“. Deswegen gebe es für 2018 „gute Voraussetzungen für eine sichere Wasserversorgung“, freut sich Klier.