Nicht nur auf große Wildtiere, sondern auch auf faszinierende kleinen Bewohner des Nationalparks wurde beim Info-Markt am Samstag in Oppenau aufmerksam gemacht.
Nicht nur auf große Wildtiere, sondern auch auf faszinierende kleinen Bewohner des Nationalparks wurde beim Info-Markt am Samstag in Oppenau aufmerksam gemacht. | Foto: Michaela Gabriel

Betriebshandbuch ist das Ziel

Nationalpark-Markt informiert über Wildtiermanagement

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Schleimpilze unter dem Mikroskop, Hirschgeweihe zum Anfassen und bewegte Bilder von Wildkameras gab es am Samstag beim Nationalpark-Markt in Oppenau. Rund 200 Interessierte wurden in der Günter-Bimmerle-Halle von 25 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern des Nationalparks Schwarzwald informiert.

Nationalpark arbeitet an Betriebshandbuch

Die Veranstaltung hatte aber einen durchaus ernsten Hintergrund: Der Nationalpark arbeitet an seinem Betriebshandbuch, das bis zum Jahresende fertig sein muss – und wollte sich Rückmeldungen abholen. „Das Experiment ist geglückt. Ich bin mit der Resonanz sehr zufrieden.“, sagte Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl. Der Bürger sei aufgerufen, sich am „Aufbruch in eine völlig neue Welt“ zu beteiligen.

„Eine Spur wilder“ als im übrigen Land soll es im Nationalpark bekanntlich zugehen. Dafür wolle man die lokale, regionale, nationale und internationale Bevölkerung begeistern, sagte Waldenspuhl. Wichtig sei nicht nur, natürliche Prozesse zu schützen, sondern auch Verantwortung für die benachbarten Wälder zu tragen. Das dafür nötige Betriebshandbuch verglich Thomas Waldenspuhl mit einem Kochbuch. Die grundlegenden Zutaten der verschiedenen Gerichte gelte es in diesem Jahr noch festzulegen.

Bis 2020 soll es auf einem Drittel der Fläche keine Jagd mehr geben

Beispiel Wildtiermanagement: „Wir möchten bis 2020 auf einem Drittel der Nationalparkfläche keine Jagd mehr. Dafür brauchen wir die Zustimmung des Nationalpark-Rates“, erklärte Friedrich Burghardt. Der Leiter des Fachbereichs Wildtiermanagement weiß: „Nur auf vier Prozent der Landesfläche hat der Rothirsch ein Lebensrecht.“ Die rund 100 Fotofallen abseits der Wege im Nationalpark haben faszinierende Bilder von Rothirschen einfangen, die die Bürger an diesem Nachmittag zu sehen bekamen. Allein um die Aufnahmen der Wildkameras auszuwerten, beschäftige der Nationalpark einen Mitarbeiter, war zu hören. Auf Nachfrage sagte Burghardt: „Ein Luchs oder Wolf waren noch nie drauf – leider.“

Überspringen des Borkenkäfers soll verhindert werden

Beispiel Wald- und Borkenkäfer-Management: Es soll weitere Grindeflächen geben und die bestehenden sollen gepflegt werden. Man werde Buchen pflanzen und so die Baumarten im Nationalpark leicht verändern, erklärte Andreas Müller vom Nationalpark. Mit den Maßnahmen, die ein Überspringen des Borkenkäfers in die benachbarten Wälder verhindern sollen, sei man auch im heißen Sommer 2017 gut gefahren, erklärte Bernd Schindler.

Knapp 2.000 Festmeter Käferholz habe man aus der Entwicklungszone des Nationalparks geholt. In den Vorjahren sei es nur knapp die Hälfte gewesen. Infos gab es über das Nationalparkzentrum am Ruhestein, dessen Fundament bereits gelegt ist und für dessen Ausstellung schon vorgearbeitet wurde. Ein wissenschaftlicher Beirat soll die Entstehung der Ausstellung „Wild werdender Wald“ begleiten, die die Besucher ab 2020 auch bei schlechtem Wetter faszinieren soll. Der Nationalparkrat soll dieses Jahr noch über die Besucherzentren entscheiden – auch über das künftige Nationalpark-Haus in Herrenwies.

Bedürfnis nach Informationen zum Verkehrskonzept ist groß

Umlagert waren die Infotafeln zum Verkehrskonzept – hier ist das Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr Informationen besonders groß. Der Nationalpark schlägt vor, ein Informationskonzept zum zentralen Baustein dieses Moduls zu machen. Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag vom Erwachsenen Blasorchester, einem Ensemble der Musikschule Offenburg. Über die vielen Interessierten an „unserem Nationalpark“ freute sich auch Oppenaus Bürgermeister Uwe Gaiser.

Für ihn geht es beim Nationalpark darum, der Nachwelt ein Stück unberührte Natur zu hinterlassen. Dadurch böten sich auch neue touristische Möglichkeiten. Die neuen Möglichkeiten auf dem Gebiet der Bildung haben Elke Doll und Anita Kimmig von der Kita St. Stefan Oberachern längst erkannt. Sie kooperieren sechs Mal pro Jahr mit dem Nationalpark. Wichtig wäre ihnen die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs, damit sie ihn künftig für die Fahrten mit den Kindern in den Nationalpark nutzen können.

von unserer Mitarbeiterin Michaela Gabriel